Politik | Inland
02.10.2018

Rendi-Wagner: "Weil ich nicht Christian Kern bin"

Vergleiche mit ihrem Vorgänger will Rendi-Wagner nicht gelten lassen. Bei seinem Abgang sei sie "nur Passagierin" gewesen.

Am Montag-Abend war die designierte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner zu Gast in der ZiB2. Dort sagte sie unter anderem, keinen Grund zu sehen, sich bei den Parteimitgliedern für das Chaos rund um den Abgang ihres Vorgängers Christian Kern zu entschuldigen. Denn sie sei bei den Ereignissen selbst "nur Passagierin" gewesen, erklärte sie. Von Kerns tatsächlichem Abtritt sei sie kaum früher als die Öffentlichkeit informiert gewesen.

Rendi-Wagner äußerte sich auch zum Statement des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig ( SPÖ), der gemeint hatte: "Ich persönlich glaube, es ist eine sehr starke persönliche Belastung, den Parteivorsitz und den Klubvorsitz zu machen". "Wir haben das in einem engen Vier-Augen-Gespräch diskutiert. Ich habe auch sehr bald den Kontakt mit ihm gesucht." Sie habe auch keinen Zweifel, dass er Vertrauen in mich und meine Personalentscheidungen hat, so Rendi-Wagner.

Sexistisch fand sie die Aussage Ludwigs, dass sie "sehr sympathisch, telegen und kompetent" sei, nicht: "Ich denke, er hätte das auch über einen Mann gesagt. Ich fühle mich von Michael Ludwig in keinster Weise sexistisch behandelt."

Ihren Entschluss, den SPÖ-Klub selbst zu führen und Thomas Drozda als Geschäftsführer zu installieren, begründete Rendi-Wagner so: "Ich habe hier viel Verantwortung übernommen für ein großes Projekt. Und ich habe immer gesagt, ich kann diese Verantwortung nur übernehmen, wenn ich auch ein Team an meiner Seite habe, mit dem ich arbeiten kann, das ich kenne, dem ich vertraue." Daher sei die Entscheidung ganz klar auf Drozda gefallen. Im Parlamentsklub möchte sie sich hingegen "ganz bewusst operativ selbst einbringen. Ich kenne den Klub, das Klubpersonal und ich weiß, auf wen ich mich verlassen kann."

"Kann Christian Kern nicht eins zu eins mit mir vergleichen"

Pamela Rendi-Wagner

Vergleiche mit dem Ex-Kanzler und Ex-SPÖ-Chef tat Rendi-Wagner hingegen ab: "Man kann Christian Kern ja nicht eins zu eins mit mir vergleichen, nur weil wir vielleicht den Titel Quereinsteiger haben. Man ist ja zum Beispiel durch seinen Beruf geprägt. Ich bin Ärztin, ich habe immer den Dialog gesucht, ich habe immer die Menschen vor mir gehabt. Und das werde ich ganz klar auch in meiner Parteiführung so anlegen."

Auf die Frage von ZiB2-Moderator Armin Wolf, ob sie bis zur nächsten Nationalratswahl Parteichefin bleiben werde, sagte Rendi-Wagner: "Wenn ich meinen Beitrag so lange leisten kann und der positiv ist für die Sozialdemokratie und für dieses Land, dann werde ich alles tun und das auch tun bis 2022." Dem Hinweis, dass dies auch Kern gesagt habe und warum man daher ihr glauben solle, entgegnete die Neo-Parteichefin: "Weil ich nicht Christian Kern bin."