Politik | Inland
14.06.2018

Rädler: "Ich verstehe die Empörung überhaupt nicht"

Der ÖVP-Abgeordnete Johann Rädler ist nach seinem Bosnien-Zwischenruf nun selbst "tiefst beleidigt".

Die Aufregung bei der Opposition und in den Medien war groß. Der langjährige niederösterreichische Bürgermeister und ÖVP-Nationalrat Johann Rädler (66) bekam sogar nachträglich einen Ordnungsruf von Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka (ebenfalls ÖVP),  doch einsehen will er die Empörung weiter nicht. Im Gegenteil.

Aber kurz zur Vorgeschichte, worum geht es?

Bei der BVT-Sondersitzung am Montag im Parlament gab Rädler bei der Rede von Alma Zadic (Liste Pilz) einen umstrittenen Zwischenruf von sich: „Sie sind nicht in Bosnien! Verwechseln Sie das nicht!“

Täter-Opfer-Umkehr?

Der von vielen Beobachtern als rassistisch interpretierte Sager ist für Rädler aber überhaupt kein Grund sich bei der bosnisch-stämmigen Abgeordneten zu entschuldigen.

Vielmehr geht Rädler im Gespräch mit KURIER-Politik-Chef Josef Votzi für die SchauTV-Serie „Warum eigentlich“ zur Offensive über.  Rädler: „Es ist eine tiefe Beleidigung meinerseits, eine Kränkung, wenn man mir jetzt Rassismus vorwirft, wo ich soviel für Bosnien getan habe.“  Er habe schließlich eine lange Vergangenheit als Flüchtlingshelfer, sei noch immer drei Mal im Jahr in Bosnien. Die Abgeordneten der Liste Pilz nehmen für den ÖVP-Mandatar  lediglich die „Opferrolle“ ein, um von ihren innerparteilichen Turbulenzen abzulenken.

So gesehen habe nicht er sich bei Frau Zadic zu entschuldigen, vielmehr müsse sie sich entschuldigen, „wenn sie Österreich weiterhin  als unsicheres Land bezeichnet“. Dabei müsste doch sie, als gebürtige Bosnierin, eigentlich ganz genau wissen, was ein unsicheres Land sei, bekräftigt Rädler seine umstrittene Aussage. So habe Bosnien die höchste Kriminalitätsrate von all seinen Nachbarländern, Korruption sei an der Tagesordnung. Demgegenüber sei die Kriminalität in Österreich auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren, sagt der ÖVP-Abgeordnete  und Bürgermeister  von Bad Erlach.

Vorverurteilung Kickls

Dass es bei der Zadic-Rede nicht allgemein um Kriminalität ging, sondern um die Affäre um das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, ficht Rädler nicht an. Die Causa BVT und die Debatte über die zunehmend umstrittene Rolle von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl sieht er als „Vorverurteilung“ des Ministers, will die Sache aber nicht weiter kommentieren. Da seien jetzt die Gerichte am Zug.