Politik | Inland
24.06.2018

Projekte für Ältere und Flüchtlinge: Bürger, die Respekt verdienen

Während sich in der Politik Konflikte anbahnen, sprießen Initiativen für ein gutes Zusammenleben.

Während die Politik auf Crashkurs ist, sprießen in der Zivilgesellschaft Initiativen für Menschlichkeit und ein gutes Zusammenleben.

Eine dieser Initiativen trägt den Namen „Orte des Respekts“. Deren Zweck ist es, Gemeinden, Regionen oder Vereine in Österreich zu unterstützen, die Toleranz und das Zusammenleben zu fördern sowie eine Vorbildwirkung zu entfalten.

Alle zwei Jahre findet ein Wettbewerb statt, wo Projekte eingereicht werden können, die dann ein Preisgeld erhalten. Gekürt wird je ein Siegerprojekt pro Bundesland sowie ein Österreich-Gesamtsieger. Gesponsert werden die „Orte des Respekts“ von der Raiffeisenbank International, der Nationalbank und dem Baukonzern Strabag. Betreuer von „Orte des Respekts“ ist Ex-RBI-Vorstandschef Karl Sevelda.

Die eingereichten Projekte – die Frist läuft am 30. Juni aus – spiegeln ein buntes Spektrum an Anliegen, für die sich österreichische Bürger in ihrer Freizeit engagieren. Im Burgenland gibt es ein Kinderhospiz, das sich um die gesamte betroffene Familie in der traurigen Ausnahmesituation kümmert. Aus Salzburg kommt ein Patenschaftsprojekt für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. In Wien bietet ein Verein „Kicken ohne Grenzen“ geflüchteten Jugendlichen unkomplizierten Kontakt zur neuen sozialen Umwelt. Kärntnerinnen „säen und ernten mit Frauen aus aller Welt“ (ein Garten wurde von Frauen aus verschiedenen Ländern gemeinsam bestellt und für die Bevölkerung geöffnet). In Vorarlberg holen Freiwillige Bewohner von Seniorenheimen ab und fahren sie mit der Rikscha durch die Umgebung. „Radeln ohne Alter“ nennt sich die Aktion.

Integration als "Lippenbekenntnis"

Im September wird die Jury entscheiden, wer heuer gewinnt. „Wir fördern Initiativen der Zivilgesellschaft, die der Toleranz, der Offenheit und der Integration dienen“, sagt Sevelda. Und er übt in dem Zusammenhang Kritik an der Bundesregierung: „Meiner Meinung nach ist es ein reines Lippenbekenntnis, wenn die Bundesregierung von Integration spricht. Denn alles, was der Integration dient, hat sie budgetmäßig gekürzt.“

Vor wenigen Tagen hatte Sevelda bei einem Abendessen die Möglichkeit, mit dem deutschen Innenminister Horst Seehofer über den Asylstreit in der EU zu sprechen. Sevelda: „Es ist ja gut und richtig, dass man den Außengrenzschutz der EU ausbaut, um die offenen Binnengrenzen nicht zu gefährden. Aber Seehofer hat mir nicht erklären können, was der nächste Schritt ist. Mir drängt sich der Verdacht auf, die rechtspopulistischen Politiker sagen ,Außengrenzschutz’ und meinen ,Schluss mit Asyl in Europa’.“ Doch wenn man keine legalen Fluchtwege nach Europa schaffe, würde das erst recht wieder das Schlepperwesen fördern. „Wenn Lager in Drittstaaten außerhalb der EU die Endstation sind, werden die Menschen dort nicht hingehen, sondern sich erst recht wieder Schleppern anvertrauen“, meint Sevelda, der politisch die Neos unterstützt.

Dem Banker graut vor der „neuen Engstirnigkeit in Europa“. Er spöttelt: „Italy first, Austria first, Germany first, Pötzleinsdorf first.“