Forensiker im BKA haben Pilnaceks Smartwatch nur gesichert, nicht ausgewertet
Am elften Tag des Pilnacek-U-Ausschusses tritt ein alter „Bekannter“ im Parlament auf: Ex-Lobbyist Peter Hochegger. Was hat der frühere PR-Berater an Sinnstiftendem zur Causa beizutragen?
Gut einen Monat nachdem Christian Pilnacek in einem Seitenarm der Donau tot aufgefunden wurde, saß Hochegger mit dem Journalisten Michael Nikbakhsh sowie der früheren Mitarbeiterin von Wolfgang Sobotka, Anna P., sowie der Vertrauten Pilnaceks Karin Wurm zusammen und sprach über Pilnaceks Laptop. Hochegger, der heute als Nachtportier arbeitet, wurde von Pilnaceks Freund Wolfgang Rauball zum Treffen geschickt. Rauball war im Besitz des Laptops und ist jene Person, die Pilnacek für einen möglichen Hauskauf einen Kredit über 1,4 Millionen Euro vorstrecken wollte.
Wie Hochegger das Treffen wahrgenommen und welche Einschätzungen er zu P. und Wurm bzw. zu ihrer Haltung zum Laptop hat, war an diesem Tag Thema.
Pilnacek-U-Ausschuss, Tag 11
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Akten fürs Protokoll
Die Fraktionen von FPÖ und ÖVP haben keine Fragen mehr. Die SPÖ legt B. noch ein paar Akten vor, damit diese im Protokoll zu finden sind. In diesen Akten ist immer wieder von der „Auswertung“ der Smartwatch - und eben nicht, wie von B. erklärt, nur von der Sicherung - die Rede. Kai Jan Krainer sagt: „Im BKA ist immer wieder von der ,Auswertung’ die Rede.“ Wir verabschieden uns an dieser Stelle und freuen uns, wenn Sie morgen wieder dabei sein. Adieu!
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Die Gewerkschaftsmitgliedschaft wird erwähnt
Eisenhut erwähnt, dass B. auch Gewerkschafter, konkret der ÖVP-nahen FCG ist. Sie hat keine Fragen mehr
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Kein Kontakt zur Spitze
Irene Eisenhut von der FPÖ startet in die dritte Runde der Befragungen. Ob der BKA-Chef mit ihm, B., Kontakt hatte? Es gab keine Kommunikation, sagt B.
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Widersprüche
Wir sind wieder beim selben Problem bzw. der selben Problematik wie seit einer Stunde: Sophie Wotschke (Neos) versteht nicht, warum das Justizministerium bzw. die Experten dort andere bzw. mehr (Gesundheits-)Daten auf der Uhr gefunden haben als der IT-Experte B. vom BKA. Seine Antwort: Er kann es nicht erklären, weil er weder den anderen Bericht der Justiz-Experten kennt und nur mit den Daten arbeiten könne, die die Software ihm von der Uhr aufbereite.
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Was hat der Forensiker gemacht
Bislang stellt sich die Sache des Datenforensikers am BKA so dar: Er hat auf mündlichen Wunsch seines Vorgesetzten die Smartwatch gesichert, der dabei erstellte, 1.283 Seiten starke Bericht wurde automatisiert von der Software erstellt. B. hat diesen Bericht nur darauf kontrolliert, ob das pdf zu öffnen ist. Inhaltlich sagt B., hat er das nicht bewertet oder kommentiert. Dass der Bericht möglicherweise für die Ermittler sinnlos ist, hat B. nicht hinterfragt oder jemandem mitgeteilt.
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Wie lange dauert eine Datensicherung
Sophie Wotschke ist wieder dran: Sie will wissen, wie lange die Spiegelung bzw. Sicherung eines Smartphones dauert. Bei einem IPhone, sagt B., könne das „mehrere Stunden dauern.
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Was Krainer nicht versteht
Kai Jan Krainer versteht nicht, warum B. dem U-Ausschuss zwar sagt, dass er Daten sichert und nicht interpretiert, dass er das seinem Vorgesetzten aber nicht erklärt hat. B. sagt, er habe erst durch den U-Ausschuss erfahren, dass sein Vorgesetzter ihn offenbar falsch verstanden hat.
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Ein kurzes Telefonat
Kai Jan Krainer ist wieder an der Reihe: Er interessiert sich für das Briefing, das im Innenministerium zu U-Ausschüssen stattgefunden hat. B. hat daran teilgenommen. In früheren Befragungen wurde das als „Schulung“ bezeichnet. Krainer fragt nach einem Telefonat, das B. mit seinem Vorgesetzten Anfang der Woche geführt hat. Was der Inhalt war, wer wen angerufen habe - all das weiss B. nicht mehr. „Das war dann ein kurzes Telefonat“, sagt Krainer. Er meint das durchaus schnippisch.
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Was heißt AV?
Irene Eisenhut (FPÖ) ist wieder dran: die Abgeordnete hält es ebenfalls für bemerkenswert, dass Übergabe und Auftrag zur Sicherung der Smartwatch-Daten nur mündlich und nicht schriftlich festgehalten wurden. Es gab offenbar auch kein Übergabe-Protokoll. Eisenhut ist selbst Polizistin, sie versteht das auch aus Gründen der Eigensicherung (des Mitarbeiters) nicht. B. antwortet einmal mehr, dass es einen „AV“ also einen Aktenvermerk gibt.
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Kein Polizist
Seit geraumer Zeit drehen sich die Befragungen insofern im Kreis, als Herr B. nicht versteht, warum man ihn nicht versteht. Er sagt, er sei kein Polizist, sondern nur Datenforensiker. Und als solcher sei es, Daten zu sichern und nicht sie zu interpretieren - das sei Aufgabe der Ermittler. Das Problem, dass der von der Software ausgeworfene, 1.283 Seiten starke Bericht möglicherweise für Ermittler sinnlos ist, ist ihm nicht vermittelbar, wie es scheint. Zumindest nicht von den Abgeordneten Krainer, Wotschke oder jetzt Nina Tomaselli.
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Unterschiede
Sophie Wotschke will weiterhin wissen, warum die Ergebnisse der IT-Experten im BKA und derer der Justiz zu so unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Die Polizei hat schriftlich festgehalten, dass auf der Smartwatch keine Gesundheitsdaten zu finden sind. Die IT-Experten der Justiz sahen das anders.
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Wer bereitet die Daten auf?
Wotschke weißt auf den Widerspruch bzw. das Problem hin, dass offenbar die Mordermittler sehr wohl der Meinung waren, dass die Forensik im BKA eine Interpretation und nicht bloß die Daten-Sicherung aufbereitet. Auf die Frage, ob die Ermittler wissen, dass die Forensik im BKA die Daten nur sichert und nicht interpretiert, antwortet B. „Hoffentlich.“
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Was ist mit den Pulsdaten?
Laut B. konnte die Software nicht eindeutig zuordnen, wofür genau Begriffe wie „HR16“ steht. Es könne, so B., auch sein, dass Pulsdaten einen Tages- oder Wochenschnitt meinen.
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Sophie Wotschke (Neos) ist an der Reihe. Sie will noch einmal wissen, warum man mit der Software nicht nach Herzschlägen oder Geo-Daten auf Pilnaceks Smartwatch suchen kann. Das kann man durchaus, sagt B. „Die Software geht durch die Daten und sucht nach Mustern.“ Allerdings benötige die Software ausreichend viele Vergleichswerte um festzustellen, dass es sich um Herzfrequenz, Geo-Daten oder Ähnliches handle. Dies war bei Pilnaceks Uhr bzw. bei der vom BKA verwendeten Software offenbar nur bedingt möglich. Hatte die Polizei also die falsche Software? Antwort B.: „Unsere Software war die einzige am Markt, die überhaupt eine Datensicherung ermöglicht hat.“
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Wer muss wen belehren
SPÖ-Fraktionschef Kai Jan Krainer ist jetzt an der Reihe. Er will wissen, warum B. seinen Vorgesetzten nicht darauf hingewiesen hat, dass dieser möglicherweise die Begriffe Datensicherung und Dateninterpretation verwechselt hat. B. sagt, es sei nicht seine Aufgabe, seinen Vorgesetzten zu belehren. Krainer versteht außerdem nicht ganz, warum derartige Vorgänge - also Datensicherung und der Auftrag dazu - nicht schriftlich dokumentiert werden.
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Kein Druck
Samsung wird nie die Datenstruktur in einem Gerichtsverfahren preisgeben, sagt der Daten-Sicherer. B. verneint jedweden politischen Druck oder Einflussnahme.
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Das lesbare pdf
Thomas Elian (ÖVP) ist an der Reihe. Es geht weiterhin darum, wie genau der Auftrag zur Datensicherung übermittelt wurde. B. musste Software beschaffen, um die Smartwatch auslesen zu können. Smartwatches sind beim Sichern seltener bei der Polizei als Handys. Die einzige Bewertung, die B. bei der Datensicherung vorgenommen hat, war sicherzustellen, dass das pdf, auf dem die Sicherung dokumentiert ist, auch „aufgeht“, sprich: lesbar ist.
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Über die Rohdaten
Der Polizist erklärt weiter, wie die Smartwatch gesichert wurde. Wichtig ist: Er hat die Uhr NICHT ausgewertet, sondern nur die Daten gesichert, also kopiert. Er sagt: „Die Software hat versucht, die Rohdaten, die auf der Smartwatch sind, zu lesen und für Laien lesbar zu machen.“ Die erwähnten 1.283 Seiten Bericht sind demnach nur der Beleg dafür, was forensisch gesichert worden ist und nicht, wie die Daten auf der Uhr zu interpretieren sind.
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Wer hat den Auftrag gegeben?
Irene Eisenhut von der FPÖ beginnt mit der Befragung. Sie will wissen, ob es einen schriftlichen Auftrag zur Datensicherung gab. B. antwortet, dass der Auftrag mündlich passiert ist. Die Smartwatch wurde ihm persönlich vom Chef übergeben.
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Wie kam es zu 1.400 Seiten?
Der Auftrag an ihn, B., war ausschließlich die Sicherung der Daten. Durch die Sicherung der Daten sei es zu einem Bericht von 1.400 Seiten gekommen. Dies sei automatisiert durch die Software passiert.
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Die Begriffe werden erklärt
Daniel B. will eine „begriffliche Verwirrung“ aufklären: Bei der Datensicherung handle es sich um die Anfertigung einer Kopie, damit möglichst viele Daten gesichert sind. Darauf folge die Daten-Aufbereitung, um die Daten in einen Zustand zu bringen, damit die von einem technischen Laien gelesen werden können. Der letzte Schritt sei die Auswertung, die durch die Ermittler passieren würden. Ihm selbst sei ausschließlich die Daten-Sicherung zugefallen, also Schritt 1.
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Es geht weiter!
Daniel B. Ist führender Mitarbeiter im Bundeskriminalamt und hatte mit der Auswertung von Christian Pilnaceks Smartwatch zu tun. Er wird gerade belehrt.
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Hochegger hat es hinter sich
Die Abgeordneten haben keine Fragen mehr, bis 14 Uhr ist die Sitzung unterbrochen. Bis gleich!
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Einfälle
Jakob Grüner hält es für einen bemerkenswerten Zufall, dass Hochegger als ehemaliger Berater von Glücksspielkonzernen vorübergehend in den Besitz des Laptops kam. Genauso wie nach ihm Antonio Della Rossa (SPÖ) hat er keine weiteren Fragen. Kai Jan Krainer, Fraktionsführer der SPÖ, fragt nun noch einmal: Warum sollte der Laptop an die WKStA und nicht an die Staatsanwaltschaft Krems gehen? „Weil die WKStA eine gute, unabhängige Behörde ist.“ Und Krems?, fragt Krainer. „Die ist mir nicht eingefallen“, sagt Hochegger.
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Hafenecker lässt durchlaufen
FPÖ-Mann Christian Hafenecker ist mit seinen Fragen durch - er passt, damit ist Jakob Grüner von der ÖVP an der Reihe.
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1,3 Millionen Euro - warum eigentlich?
Sophie Wotschke (Neos) will wissen, warum Hochegger von 1,3 Millionen Euro beim Hauskauf sprach - im möglichen Kaufvertrag seien 1,43 Millionen vermerkt. Hochegger hat eine einfache Erklärung: Er hat sich da wohl geirrt.
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Mögliche Manipulationen
ÖVP-Mann Jakob Grüner will wissen, ob Hochegger Wahrnehmungen zu möglichen Manipulationen am Laptop von Christian Pilnacek hat - immerhin ist dieser durch viele Hände gegangen, ehe er bei der Justiz landete. Das ist nicht der Fall, Hochegger kann dazu nichts sagen.
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Die Kacke dampft
FPÖ-Mann Hafenecker will von Hochegger wissen, was Hochegger zu Interventionen bei Medien sagen könne. Hochegger dazu: „Rauball hat mir erzählt, dass Karl Nehammer beim ORF und bei der Krone interveniert hat. Rauball hat gesagt ,Da ist die Kacke am Dampfen!‘“
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Im System gefangen
Gefragt von Neos-Mandatarin Wotschke erklärt Peter Hochegger, dass er „im System gefangen war“ - also zu seiner Zeit als Lobbyist. Er habe Christian Pilnacek als ebenso „im System gefangen“ empfunden. „Aber Pilnacek hat mir nicht erzählt, dass dem so war.“
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Im System gefangen
Gefragt von Neos-Mandatarin Wotschke erklärt Peter Hochegger, dass er „im System gefangen war“ - also zu seiner Zeit als Lobbyist. Er habe Christian Pilnacek als ebenso „im System gefangen“ empfunden. „Aber Pilnacek hat mir nicht erzählt, dass dem so war.“
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Welche Expertise gab es?
Sophie Wotschke (Neos) frägt Hochegger zum möglichen Immobilien- also Hauskauf von Christian Pilnacek. Wotschke will wissen, ob Hochegger von einem konkreten Kauf-Angebot wusste. „Dazu kann ich überhaupt nichts sagen“, so der Ex-Lobbyist. Wotschke will wissen, welche Expertise von Pilnacek Rauball interessiert oder abgefragt hat. Auch dazu kann Hochegger nichts sagen.
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Sprachregelung
Hochegger hat früher einmal ausgesagt, Anna P. habe sich von Rauball eine „Sprachregelung“ gewünscht. Abgeordneter Della Rossa will wissen: „Was ist damit gemeint? Sie sind ja Kommunikationsexperte.“ Hochegger kann dazu nichts sagen. Es geht um das „Keller-Treffen“ bei Journalist Nikbakhsh. Er, Hochegger, wisse davon nichts im Detail. Möglicherweise habe es sich um eine Annahme von ihm gehandelt, weil P. mit einer Agenda zum Treffen kam.
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Woher kam das Vertrauen?
Antonio Della Rossa (SPÖ) fragt sich: Wenn man, wie Hochegger, jemanden, wie Rauball, nur eineinhalb Jahre kennt: Woher kommt dann dieses enge Vertrauensverhältnis? Warum ihm Rauball vertraut habe, das könne er nicht sagen, antwortet Hochegger. Tatsächlich habe ihm Rauball schon beim ersten Treffen seine ganze Lebensgeschichte erzählt. Die beiden waren sich sympathisch, sagt er.
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Wozu die Mittelsmänner?
Jakob Grüner von der ÖVP versteht eines nicht: Warum wurde der Laptop von Christian Pilnacek nicht einfach direkt den Behörden übergeben? „Wozu gab es Mittelsmänner?“ Zur Erinnerung. Nach Anna P. war das Gerät bei Christian Mattura, dann bei Wolfgang Rauball, dann bei Journalist Erich Vogl - und erst dann bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. „Was hatten Sie alle für Interessen an den Daten?“, will Grüner wissen.
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Ohne Beistand
Ein bemerkenswertes Detail sollte nicht unerwähnt bleiben: Peter Hochegger ist seit Längerem die erste Auskunftsperson, die ohne so genannte Vertrauensperson auftritt. Das bedeutet: Er ist allein, kein Anwalt oder Rechtsbeistand ist an seiner Seite.
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Kurze Bekanntschaft
Hochegger glaubt, dass er Christian Pilnacek im Frühjahr 2023 zum ersten Mal getroffen und kennengelernt hat - auf Initiative von Wolfgang Rauball, bei einem Treffen im Il Cavalluccio.
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Keine Nummer
Jakob Grüner von der ÖVP ist an der Reihe. Er will wissen, wie oft Hochegger Pilnacek getroffen hat und wie er Kontakt hielt. „Ich hatte seine Telefonnummer nicht“, antwortet Hochegger. Im Innenstadt-Italiener hat er ihn zwei-, dreimal getroffen.
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Was war am Laptop?
Peter Hochegger erklärt jetzt, dass es Wolfgang Rauball war, der über einen Link Zugang zu den Laptop-Inhalten von Christian Pilnacek ermöglicht hat. Hochegger hat selbst den Link durchgesehen und diverse Verschluss-Akten - unter anderem Von Ex-Justizminister Brandstetter oder von der Novomatic - gefunden. „Bei Verschluss-Akten ist es ja wie bei einem Verkehrsunfall“, sagt FPÖ-Mann Hafenecker, „man kann nicht nicht hinschauen.“ Verfahrensanwältin Christa Edwards warnt: Damit könnte sich sich Hochegger selbst in Gefahr bringen - Verschluss-Akten zu lesen ist nicht unheikel. „Ich kann mich an die Inhalte nicht erinnern“, sagt Hochegger. Die Sache erledigt sich selbst.
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Hochegger relativiert die Stimmung
Es geht jetzt schon länger um das von Michael Nikbakhsh initiierte Gespräch, an dem Hochegger gemeinsam mit Anna P. und Karin Wurm teilgenommen hat. Vor allem P. hat ihre Aussagen im U-Ausschuss ja dahingehend relativiert, als sie bei dem Gespräch am 9. Dezember 2023 von einem Ausnahmezustand und Alkohol-geschwängerter Atmosphäre gesprochen hat. Derlei hat Hochegger nicht mitbekommen. Er sei Anti-Alkoholiker, es habe das Gespräch, nicht das Trinken im Mittelpunkt gestanden.
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War Pilnacek verstimmt?
Gefragt von FPÖ-Mann Christian Hafenecker, wie er Christian Pilnacek kurz vor seinem Tod wahrgenommen hat, sagt Hochegger: „Er war gut drauf, ich hatte nicht den Eindruck, dass ihn das (die Suspendierung, Anm.) zutiefst erschüttert hat.“ Warum nicht? „Ich hatte das Gefühl, dass er daran glaubt, da wieder rauszukommen.“
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Ein Kompliment für Hochegger
Wie beschreibt Peter Hochegger sein Verhältnis zu Christian Pilnacek? „Er hat mir ein Kompliment gemacht. Sehr bewundernswert, wie Sie sich verhalten haben“, sagt Hochegger. Er meint damit die Geständnisse bei Verfahren wie der Buwog. Rund eineinhalb Jahre habe er, Hochegger, Pilnacek gekannt, man habe sich über juristische Fragen ausgetauscht, Pilnacek habe sich gegenüber ihm, Hochegger, aber nicht über Missstände in der Justiz ausgelassen. Rauball habe Pilnacek „sehr oft“ im Cavalluccio (Lokal in 1010, Anm.) getroffen.
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Wann war das Gespräch?
Ein spannender Moment im Ausschuss: Peter Hochegger behauptet, er hätte mit Wolfgang Rauball erst NACH dem Tod von Christian Pilnacek über den möglichen Hauskauf und den Kredit an Pilnacek gesprochen. Dazu passt seine Ausführung, es hätten „alle Alarmglocken geschrillt“, aber nicht. Denn: Ein finanzielles Risiko kann es ja nur geben, wenn Pilnacek noch am Leben war. Nach kurzem Nachdenken sagt Hochegger: „Es ist alles im Nachhinein passiert.“ Kurzum: Er will mit Rauball erst über den Hauskauf gesprochen haben, als Pilnacek schon tot war. Insofern müsste Hochegger sagen „Es wäre ein Risiko gewesen, hätte Rauball je das Geld hergegeben.“ Verfahrensrichterin Christa Edwards und offenbar alle Abgeordneten hatten den Eindruck, das Gespräch Hochegger-Rauball habe VOR dem Ableben Pilnaceks stattgefunden.
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Warum gibt ein Freund einen Laptop weiter?
Verfahrensrichterin Christa Edwards hinterfragt, warum ein väterlicher Freund, Wolfgang Rauball, den Laptop seines Freundes Christian Pilnacek an die Öffentlichkeit weitergeben wollte. Hochegger erklärt das so: Rauball habe „maßlos geärgert“, dass Ex-Kanzler Sebastian Kurz öffentlich den Eindruck erweckte, die Justiz hätte Pilnacek in den Tod getrieben. Es sei Rauballs Ansinnen gewesen, dem zu widersprechen, weil es, so die Erklärung, möglicherweise andere Gründe für Pilnaceks Suizid gab. Für Hochegger ist dieses Motiv, also das Offenlegen der wahren Gründe von Pilnaceks Suizid, ein „legitimes Anliegen“.
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1,3 Millionen aus Dubai
Hochegger bestätigt, dass Pilnacek von Rauball eine Zwischenfinanzierung für einen Hauskauf in der Nähe von Rossatz haben wollte. „Es ging um 1,3 Millionen Euro.“ Bei ihm, Hochegger, hätten „alle Alarmglocken geläutet“. Er habe sich gefragt, woher ein Sektionschef zu so einer Summe komme. Rauball habe das aber nicht „vertieft beantworten wollen“. Anders gesagt: Hochegger wollte das nicht hinterfragen.
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Gibt es Zufälle?
„Durch Zufälle, sofern es diese gibt, bin ich in die Geschehnisse rund um den verstorbenen Christian Pilnacek involviert worden“, sagt Hochegger eingangs. Alles, was er an Wahrnehmungen habe, sei in seinem Buch beschrieben. Wolfgang Rauball bezeichnet Hochegger als “väterlichen Freund“ von Pilnacek. Bei dem bereits beschriebenen, von Journalist Michael Nikbakhsh initiierten Treffen sei es um die Laptop von Christian Pilnacek gegangen.
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Die erste Rüge
Ex-Lobbyist Peter Hochegger ist mittlerweile im Ausschuss-Lokal. Der 77-Jährige trägt weißes Hemd und ein dunkles Sakko - und hat sich eine zarte Rüge eingefangen. Der Grund: Als Fotografen Aufnahmen machten, positionierte Hochegger sein Buch auf dem Tisch - was einigen Abgeordneten so nicht gefallen hat. Das sei keine Werbeveranstaltung, monierte Grünen-Mandatarin Nina Tomaselli. Der Vorsitzende Walter Rosenkranz musste nicht besonders lange argumentieren, Hochegger entfernte das Buch sehr schnell.
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Komplizierter Kauf
Sophie Wotschke (Neos) will ergründen, wie genau Christian Pilnacek den Hauskauf abwickeln wollte, von dem in der Causa mehrfach die Rede war. Laut den Akten bzw. offensichtlich vorliegenden Vertragsentwürfen wäre der Kauf über eine komplizierte Kauf-Konstruktion abgewickelt worden. Warum macht man das so?, will Wotschke wissen. Der kolportierte Verkäufer der Immobilie, Signa-Manager Christoph Stadlhuber, ist freilich erst morgen geladen.
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Fehlt die Software?
Spannend wird heute, was der nach Hochegger geladene Polizist zu erzählen hat. Er gehörte zu jenen, die die Smartwatch von Christian Pilnacek ausgewertet und keine relevanten Daten gefunden haben. Das ist insofern bemerkenswert, als die Techniker der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft dann doch relevante Daten auslesen konnten. War die Polizei technisch oder vom Know How her nicht in der Lage, die Daten zu finden? Fehlt im Vergleich zur Justiz die Software? Dies und anderes will unter anderem Antonio Della Rossa (SPÖ) herausfinden, wie er vorab festhält.
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Im Keller
Christian Hafenecker, FPÖ-Fraktionschef im U-Ausschuss, hat mit den Ausführungen von ÖVP-Mann Grüner wenig Freude. Dass Grüner von einer „parlamentarischen Beschäftigungstherapie“ spreche, sei eine „arrogante“ Fehlleistung der zweitgrößten Fraktion im Parlament. Hochegger sei interessant, weil er an einem Kellergespräch (initiiert von Journalist Michael Nikbakhsh) teilgenommen hat, bei dem eine Mitarbeiterin Wolfgang Sobotkas erklärt haben soll, Pilnaceks Laptop müsse verschwinden. Hocheggers Vita sei bekannt, trotz allem sei er gut vernetzt. „Wir wollen einfach einen Einblick haben, was er im Umfeld von Pilnacek mitbekommen hat - zum Beispiel zum geplanten Haus-Kauf in Rossatz.“
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„Wir drehen uns im Kreis“
„Aus meiner Sicht produzieren wir mehr Schlagzeilen als Aufklärung“, sagt ÖVP-Abgeordneter Jakob Grüner vor dem Start der Befragungen. „Wir drehen uns im Kreis.“ Der ÖVP geht es bei Hochegger um die „Cavalluccio“-Runde (benannt nach einem Wiener Innenstadt-Lokal), an der Hochegger teilgenommen hat. Ärgerlich ist für Grüner, dass die Befragungen - im Vergleich zu den Akten - zu keinen wesentlichen neuen Erkenntnissen führen. „Empörungsschlagzeilen“ seien nicht Ziel des Ausschusses, sondern Aufklärung - und die sieht der ÖVP-Mann offenbar nicht.
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