Hochegger: Laptop sollte Sebastian Kurz‘ Andeutungen entkräften
Am elften Tag des Pilnacek-U-Ausschusses tritt ein alter „Bekannter“ im Parlament auf: Ex-Lobbyist Peter Hochegger. Was hat der frühere PR-Berater an Sinnstiftendem zur Causa beizutragen?
Gut einen Monat nachdem Christian Pilnacek in einem Seitenarm der Donau tot aufgefunden wurde, saß Hochegger mit dem Journalisten Michael Nikbakhsh sowie der früheren Mitarbeiterin von Wolfgang Sobotka, Anna P., sowie der Vertrauten Pilnaceks Karin Wurm zusammen und sprach über Pilnaceks Laptop. Hochegger, der heute als Nachtportier arbeitet, wurde von Pilnaceks Freund Wolfgang Rauball zum Treffen geschickt. Rauball war im Besitz des Laptops und ist jene Person, die Pilnacek für einen möglichen Hauskauf einen Kredit über 1,4 Millionen Euro vorstrecken wollte.
Wie Hochegger das Treffen wahrgenommen und welche Einschätzungen er zu P. und Wurm bzw. zu ihrer Haltung zum Laptop hat, ist seit 10 Uhr im Parlament Thema. Der KURIER berichtet hier live:
Pilnacek-U-Ausschuss, Tag 11
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Ohne Beistand
Ein bemerkenswertes Detail sollte nicht unerwähnt bleiben: Peter Hochegger ist seit Längerem die erste Auskunftsperson, die ohne so genannte Vertrauensperson auftritt. Das bedeutet: Er ist allein, kein Anwalt oder Rechtsbeistand ist an seiner Seite.
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Kurze Bekanntschaft
Hochegger glaubt, dass er Christian Pilnacek im Frühjahr 2023 zum ersten Mal getroffen und kennengelernt hat - auf Initiative von Wolfgang Rauball, bei einem Treffen im Il Cavalluccio.
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Keine Nummer
Jakob Grüner von der ÖVP ist an der Reihe. Er will wissen, wie oft Hochegger Pilnacek getroffen hat und wie er Kontakt hielt. „Ich hatte seine Telefonnummer nicht“, antwortet Hochegger. Im Innenstadt-Italiener hat er ihn zwei-, dreimal getroffen.
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Was war am Laptop?
Peter Hochegger erklärt jetzt, dass es Wolfgang Rauball war, der über einen Link Zugang zu den Laptop-Inhalten von Christian Pilnacek ermöglicht hat. Hochegger hat selbst den Link durchgesehen und diverse Verschluss-Akten - unter anderem Von Ex-Justizminister Brandstetter oder von der Novomatic - gefunden. „Bei Verschluss-Akten ist es ja wie bei einem Verkehrsunfall“, sagt FPÖ-Mann Hafenecker, „man kann nicht nicht hinschauen.“ Verfahrensanwältin Christa Edwards warnt: Damit könnte sich sich Hochegger selbst in Gefahr bringen - Verschluss-Akten zu lesen ist nicht unheikel. „Ich kann mich an die Inhalte nicht erinnern“, sagt Hochegger. Die Sache erledigt sich selbst.
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Hochegger relativiert die Stimmung
Es geht jetzt schon länger um das von Michael Nikbakhsh initiierte Gespräch, an dem Hochegger gemeinsam mit Anna P. und Karin Wurm teilgenommen hat. Vor allem P. hat ihre Aussagen im U-Ausschuss ja dahingehend relativiert, als sie bei dem Gespräch am 9. Dezember 2023 von einem Ausnahmezustand und Alkohol-geschwängerter Atmosphäre gesprochen hat. Derlei hat Hochegger nicht mitbekommen. Er sei Anti-Alkoholiker, es habe das Gespräch, nicht das Trinken im Mittelpunkt gestanden.
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War Pilnacek verstimmt?
Gefragt von FPÖ-Mann Christian Hafenecker, wie er Christian Pilnacek kurz vor seinem Tod wahrgenommen hat, sagt Hochegger: „Er war gut drauf, ich hatte nicht den Eindruck, dass ihn das (die Suspendierung, Anm.) zutiefst erschüttert hat.“ Warum nicht? „Ich hatte das Gefühl, dass er daran glaubt, da wieder rauszukommen.“
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Ein Kompliment für Hochegger
Wie beschreibt Peter Hochegger sein Verhältnis zu Christian Pilnacek? „Er hat mir ein Kompliment gemacht. Sehr bewundernswert, wie Sie sich verhalten haben“, sagt Hochegger. Er meint damit die Geständnisse bei Verfahren wie der Buwog. Rund eineinhalb Jahre habe er, Hochegger, Pilnacek gekannt, man habe sich über juristische Fragen ausgetauscht, Pilnacek habe sich gegenüber ihm, Hochegger, aber nicht über Missstände in der Justiz ausgelassen. Rauball habe Pilnacek „sehr oft“ im Cavalluccio (Lokal in 1010, Anm.) getroffen.
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Wann war das Gespräch?
Ein spannender Moment im Ausschuss: Peter Hochegger behauptet, er hätte mit Wolfgang Rauball erst NACH dem Tod von Christian Pilnacek über den möglichen Hauskauf und den Kredit an Pilnacek gesprochen. Dazu passt seine Ausführung, es hätten „alle Alarmglocken geschrillt“, aber nicht. Denn: Ein finanzielles Risiko kann es ja nur geben, wenn Pilnacek noch am Leben war. Nach kurzem Nachdenken sagt Hochegger: „Es ist alles im Nachhinein passiert.“ Kurzum: Er will mit Rauball erst über den Hauskauf gesprochen haben, als Pilnacek schon tot war. Insofern müsste Hochegger sagen „Es wäre ein Risiko gewesen, hätte Rauball je das Geld hergegeben.“ Verfahrensrichterin Christa Edwards und offenbar alle Abgeordneten hatten den Eindruck, das Gespräch Hochegger-Rauball habe VOR dem Ableben Pilnaceks stattgefunden.
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Warum gibt ein Freund einen Laptop weiter?
Verfahrensrichterin Christa Edwards hinterfragt, warum ein väterlicher Freund, Wolfgang Rauball, den Laptop seines Freundes Christian Pilnacek an die Öffentlichkeit weitergeben wollte. Hochegger erklärt das so: Rauball habe „maßlos geärgert“, dass Ex-Kanzler Sebastian Kurz öffentlich den Eindruck erweckte, die Justiz hätte Pilnacek in den Tod getrieben. Es sei Rauballs Ansinnen gewesen, dem zu widersprechen, weil es, so die Erklärung, möglicherweise andere Gründe für Pilnaceks Suizid gab. Für Hochegger ist dieses Motiv, also das Offenlegen der wahren Gründe von Pilnaceks Suizid, ein „legitimes Anliegen“.
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1,3 Millionen aus Dubai
Hochegger bestätigt, dass Pilnacek von Rauball eine Zwischenfinanzierung für einen Hauskauf in der Nähe von Rossatz haben wollte. „Es ging um 1,3 Millionen Euro.“ Bei ihm, Hochegger, hätten „alle Alarmglocken geläutet“. Er habe sich gefragt, woher ein Sektionschef zu so einer Summe komme. Rauball habe das aber nicht „vertieft beantworten wollen“. Anders gesagt: Hochegger wollte das nicht hinterfragen.
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Gibt es Zufälle?
„Durch Zufälle, sofern es diese gibt, bin ich in die Geschehnisse rund um den verstorbenen Christian Pilnacek involviert worden“, sagt Hochegger eingangs. Alles, was er an Wahrnehmungen habe, sei in seinem Buch beschrieben. Wolfgang Rauball bezeichnet Hochegger als “väterlichen Freund“ von Pilnacek. Bei dem bereits beschriebenen, von Journalist Michael Nikbakhsh initiierten Treffen sei es um die Laptop von Christian Pilnacek gegangen.
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Die erste Rüge
Ex-Lobbyist Peter Hochegger ist mittlerweile im Ausschuss-Lokal. Der 77-Jährige trägt weißes Hemd und ein dunkles Sakko - und hat sich eine zarte Rüge eingefangen. Der Grund: Als Fotografen Aufnahmen machten, positionierte Hochegger sein Buch auf dem Tisch - was einigen Abgeordneten so nicht gefallen hat. Das sei keine Werbeveranstaltung, monierte Grünen-Mandatarin Nina Tomaselli. Der Vorsitzende Walter Rosenkranz musste nicht besonders lange argumentieren, Hochegger entfernte das Buch sehr schnell.
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Komplizierter Kauf
Sophie Wotschke (Neos) will ergründen, wie genau Christian Pilnacek den Hauskauf abwickeln wollte, von dem in der Causa mehrfach die Rede war. Laut den Akten bzw. offensichtlich vorliegenden Vertragsentwürfen wäre der Kauf über eine komplizierte Kauf-Konstruktion abgewickelt worden. Warum macht man das so?, will Wotschke wissen. Der kolportierte Verkäufer der Immobilie, Signa-Manager Christoph Stadlhuber, ist freilich erst morgen geladen.
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Fehlt die Software?
Spannend wird heute, was der nach Hochegger geladene Polizist zu erzählen hat. Er gehörte zu jenen, die die Smartwatch von Christian Pilnacek ausgewertet und keine relevanten Daten gefunden haben. Das ist insofern bemerkenswert, als die Techniker der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft dann doch relevante Daten auslesen konnten. War die Polizei technisch oder vom Know How her nicht in der Lage, die Daten zu finden? Fehlt im Vergleich zur Justiz die Software? Dies und anderes will unter anderem Antonio Della Rossa (SPÖ) herausfinden, wie er vorab festhält.
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Im Keller
Christian Hafenecker, FPÖ-Fraktionschef im U-Ausschuss, hat mit den Ausführungen von ÖVP-Mann Grüner wenig Freude. Dass Grüner von einer „parlamentarischen Beschäftigungstherapie“ spreche, sei eine „arrogante“ Fehlleistung der zweitgrößten Fraktion im Parlament. Hochegger sei interessant, weil er an einem Kellergespräch (initiiert von Journalist Michael Nikbakhsh) teilgenommen hat, bei dem eine Mitarbeiterin Wolfgang Sobotkas erklärt haben soll, Pilnaceks Laptop müsse verschwinden. Hocheggers Vita sei bekannt, trotz allem sei er gut vernetzt. „Wir wollen einfach einen Einblick haben, was er im Umfeld von Pilnacek mitbekommen hat - zum Beispiel zum geplanten Haus-Kauf in Rossatz.“
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„Wir drehen uns im Kreis“
„Aus meiner Sicht produzieren wir mehr Schlagzeilen als Aufklärung“, sagt ÖVP-Abgeordneter Jakob Grüner vor dem Start der Befragungen. „Wir drehen uns im Kreis.“ Der ÖVP geht es bei Hochegger um die „Cavalluccio“-Runde (benannt nach einem Wiener Innenstadt-Lokal), an der Hochegger teilgenommen hat. Ärgerlich ist für Grüner, dass die Befragungen - im Vergleich zu den Akten - zu keinen wesentlichen neuen Erkenntnissen führen. „Empörungsschlagzeilen“ seien nicht Ziel des Ausschusses, sondern Aufklärung - und die sieht der ÖVP-Mann offenbar nicht.
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Schönen Vormittag!
Wir sind vor Ort, in Bälde gehts los und Peter Hochegger wird - wieder einmal - die innenpolitische Bühne bespielen. Der frühere PR-Berater hat in der Telekom-Causa 2013 wegen Untreue und Geldwäsche eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren bekommen, er war voll geständig. Fünfeinhalb Monate musste er ins Gefängnis. In der BUWOG-Affäre hat der Ex-Lobbyist, der sich mittlerweile ein Leben in Brasilien aufgebaut hat, eine Strafe von zwei Jahren bedingt und einem Jahr unbedingt bekommen. Heute geht es um seine Beziehung zu Pilnaceks Freund Wolfgang Rauball, für den Hochegger treuhänderisch an Treffen mit Pilnaceks Vertrauten teilgenommen hat.
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