Politik | Inland
03.10.2018

Parteivorsitz gegen Hofburg-Kandidatur: Frauenachse in SPÖ

Doris Bures ebnete Rendi-Wagners Weg an die SPÖ-Spitze. Das kann sich bei der Bundespräsidentenwahl 2022 bezahlt machen.

Die beiden Frauen haben unter vier Augen geredet. Den Inhalt ihrer Besprechung haben sie für sich behalten, aber das Ergebnis ist offenkundig. Doris Bures unterstützt Pamela Rendi-Wagner auf dem holprigen Weg an die SPÖ-Spitze nach Kräften.

Die Unterstützung von Doris Bures ist besonders wertvoll. Zum einen ist Bures in der SPÖ angesehen, weil sie mehrfach in verfahrenen Situationen eingesprungen ist und die Partei aus misslichen Lagen gerettet hat. Zum anderen gehört die Liesingerin Bures zum rechten Flügel, zum Lager um Ex-Kanzler Werner Faymann oder, um eine aktuelle Konfliktlinie zu zitieren, zu den Wiener Außenbezirklern um Bürgermeister Michael Ludwig. Wenn also Doris Bures von den rechten Außenbezirklern zur innerstädtischen Bobo-Fraktion wechselt, dann verschieben sich in der SPÖ die Gewichte.

Genau das ist im Streit um die Nachfolge von Christian Kern als SPÖ-Chef passiert. „Der Seitenwechsel von Bures hat Rendi-Wagner den Weg geebnet“, meint ein Zeuge der Vorgänge.

Sicher ist, Bures hat die Streiterei erheblich verkürzt. Während Ludwig noch wochenlang weiter sondieren und „inhaltlich diskutieren“ wollte, erklärte Bures schriftlich, sie stehe nicht als SPÖ-Chefin zu Verfügung („Mein Platz ist im Präsidium des Nationalrats“). Damit verlor Ludwig, mangels eigener Kandidatin, das Match um die Kern-Nachfolge.

Vor zwei Tagen in der Vorstandssitzung der Wiener SPÖ ging es dann um die Versöhnung von Rendi-Wagner mit Ludwig. Und wieder war es Bures, die sich zu Wort meldete und eindeutig für Rendi-Wagner Partei ergriff. „Rendi-Wagner hat das Herz am rechten Fleck, und sie hat den Intellekt, die Partei zu führen“, sagte Bures später auch öffentlich.

Die Unterstützung gilt offenbar wechselseitig. Als der KURIER Rendi-Wagner am vergangenen Freitag interviewte, sagte die designierte SPÖ-Chefin: Hätte sie sich entscheiden müssen, wen sie an ihrer Statt als Parteichef unterstützt – einen der genannten Männer oder Bures – „wäre meine Wahl eindeutig auf Doris Bures gefallen“. Gut möglich, dass Rendi-Wagner bald in die Situation kommt, wo sie zwischen Männern und Doris Bures wählen muss: bei der Bundespräsidenten-Kandidatur 2022. Bures, berichten Eingeweihte, bereite sich bereits mit vollem Elan auf die Hofburg vor.

Mag sein, dass die beiden Frauen unter vier Augen nicht explizit einen Deal vereinbarten – aber auf Frauensolidarität von seiten der Parteichefin kann Bures jedenfalls setzen.