ÖVP-Ministerin warnt: "Dann würde jeder siebte Zivildiener wegfallen"

Eine Frau steht an einem Rednerpult mit der Aufschrift „Bundeskanzleramt“.
Die zuständige ÖVP-Ministerin Claudia Bauer plädiert für eine Verlängerung des Zivildienstes, die Obergrenze sollte bei 12 Monaten liegen. Was das kosten würde ist unklar.

In Österreich absolvierten im vergangenen Jahr 15.000 junge Männer Zivildienst. Angesichts der demografischen Entwicklung der Bevölkerung werde diese Zahl aber nicht konstant bleiben, sagte Ministerin Claudia Bauer am Dienstag vor Journalisten. 

Bleibt das System wie bisher, dann stehen in 18 Jahren nur noch 13.000 Zivildiener zur Verfügung, bis zum Jahr 2040 sollen 4.000 junge Männer fehlen. Jeder siebte Zivildiener würde dann wegfallen. "Das betrifft 800 Personen im Rettungsdienst und rund 500 in der Altenpflege", erklärte Bauer. 

Gleichzeitig steigt auch der Bedarf in den 1.500 Einrichtungen, in denen Zivildienst geleistet werden kann. 39 Prozent der Zivildiener waren im vergangenen Jahr bei der Rettung, etwa ein Viertel in der Sozial- und Behindertenhilfe. Derzeit leben in Österreich rund 1,9 Millionen Menschen über 65, in den 2040er-Jahren werden es laut Statistik Austria knapp 2,5 Millionen sein - die Bevölkerungsgruppe, die die Zivildiener maßgeblich unterstützen, wächst also stark an. 

Bedarf an 16.000 Zivildienern

Der steigende Bedarf zeigt sich auch an Zahlen aus den Einrichtungen selbst: Vor 20 Jahren kamen rund 13.000 Zivildiener auf etwa 1,4 Millionen über 65-Jährige. Heute brauchen die Einrichtungen bereits mehr als 16.000 Zivildiener – ein Plus von rund 25 Prozent. 

Die von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Wehrdienstkommission hatte sich vergangene Woche für die Verlängerung des Präsenzdienstes ausgesprochen, auch der Zivildienst soll weiterentwickelt werden. Die Experten empfahlen eine Verlängerung auf zwölf Monaten, Bauer nannte dies die "Obergrenze". 

Mehr Ausbildungen in der Behindertenhilfe

Man wolle auch zusätzliche Ausbildungen während des Zivildienstes anbieten, vor allem im Bereich der Sozial- und Behindertenhilfe. "Wir haben derzeit nicht die Möglichkeit, in diesem kurzen Zeitraum Ausbildungen, wie zum Beispiel die Unterstützung in der Basisversorgung, anzubieten. Diese Grundsatzausbildung würden wir in der Behindertenhilfe aber klar empfehlen", sagte Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe. Nur dadurch könne das Personal in den Pflege- und Altersheimen auch tatsächlich entlastet werden. 

Wie hoch die Kosten für den verlängerten Zivildienst ausfallen würden, sei derzeit noch nicht klar, heißt es am Dienstag. "Der Zivildienst betrifft ja viele verschiedene Sparten. Da müsste man sich dann auch anschauen, welche zusätzlichen Ausbildungen man wo anbietet", erklärte Bauer. Und betont: "Wirtschaftlich betrachtet beträgt der gesamtgesellschaftliche Nutzen des Zivildienstes pro Jahr 1,8 Milliarden Euro. Zieht man die Kosten für den Zivildienst ab, dann bleibt ein Mehrwert von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr."

Volksbefragung zur Wehrdienstreform

Hintergrund der Debatte ist der Vorstoß von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), eine Volksbefragung zur Wehrdienstreform durchzuführen. Diese Ankündigung sorgte für Verwunderung bei den Koalitionspartnern und Kritik aus der Opposition. Zum einen geht es um die Sinnhaftigkeit, zum anderen um die konkrete Fragestellung. 

Angesprochen auf die Volksbefragung, meinte Bauer, sie verstehe die Aufregung nicht. "Ja, wir müssen uns gut überlegen, wie wir die Frage stellen, aber die Österreicherinnen und Österreicher können hier denke ich sehr wohl klar beurteilen, welches Modell hier zukunftsweisend für Österreich sein kann."

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