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Politik Inland
08/03/2019

Noch zwei Monate: „Auf den Stimmungswähler kommt es an“

Die Wahl 2019: Acht Parteien treten bundesweit an, die Koalitionsfrage ist zentral

von Michael Bachner

Am 29. September wissen wir es genau. Aber rund acht Wochen vor der Nationalratswahl dürften noch 15 bis 20 Prozent der 6,4 Millionen Wahlberechtigten nicht hundertprozentig sicher sein, wem sie ihre Stimmen geben – auch wenn die meisten bereits eine Tendenz haben werden, sagt OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer.

Entscheidend sind für den Profi-Politbeobachter daher zwei Dinge: „Die eigenen Anhänger motivieren und mobilisieren und wenn ich noch einen Knüller im Köcher habe, das richtige Timing in einem für die Kandidaten durch TV und Medien großteils fremdbestimmten Wahlkampf.“

Für die ÖVP ist die Mobilisierung ihrer Anhänger herausfordernd. Setze sich in der Bevölkerung die Stimmung durch, Sebastian Kurz habe bereits gewonnen und werde ohnehin wieder Kanzler, „dann bleibt der eine oder andere vielleicht daheim oder wagt den Seitensprung zu den Neos“, sagt Bachmayer. Auch die SPÖ müsse um jeden Wähler rennen. Für Pamela Rendi-Wagner gelte es, den Abfluss zu den Grünen zu begrenzen.

Punkten im Finish

Habe man sich früher vor allem mit den Stamm- und Wechselwählern beschäftigt, so kommt es nun auf den „Stimmungswähler an“, sagt Meinungsforscher Peter Hajek.

Dieser sei besonders flexibel und habe zwei bis drei Parteien im Fokus. Er entscheidet sich immer kurzfristiger für jene Gruppierung, die ihn oder sie „emotional am meisten bewegt“. Im Englischen heißen sie „leaning voters“. Sie können von den Parteien mit speziellen Themen auch im Wahlkampffinish noch erfolgreich angesprochen werden. Ihr Anteil liege je nach Partei zwischen fünf und 15 Prozent, sagt Hajek.


Den Klein- und Kleinstparteien wie der Liste Jetzt oder dem linken „Wandel“ gibt der Experte relativ geringe Chancen, stünde doch eine „Richtungsentscheidung“ an. Die ÖVP sei zwar in den Umfragen unangefochten Erste. Aber es gehe vor allem um die Frage der künftigen Regierung. Viele Experten halten eine Fortsetzung von Türkis-Blau trotz Ibiza und trotz des Streits um die Rolle von Herbert Kickl für die wahrscheinlichste Variante. Freilich ist dieses Rennen noch völlig offen.