Netzbetreiber warnen: Planloser Gas-Ausstieg könnte zur Kostenfalle werden
Ohne klare Strategie drohen Netzkosten für verbleibende Kunden zu explodieren und Unsicherheit für die Industrie - das sagt die Gasindustrie selbst.
Nach dem Beschluss des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG, "Günstiger Stromgesetz“) fordern Energieexperten nun dasselbe Tempo für den Gasmarkt. Beim energiepolitischen Hintergrundgespräch des "Forum Versorgungssicherheit“ machten die Netzbetreiber deutlich: Der Abschied vom Erdgas muss geordnet ablaufen, sonst wird es teuer.
Die Spirale der Kosten
Die Nachfrage nach Erdgas sinkt bereits spürbar. Allein im Burgenland gab es Ende 2024 rund 12,8 Prozent weniger Gas-Zählpunkte als noch vier Jahre zuvor; österreichweit ging die Nutzung um etwa 10 Prozent zurück. Der Grund: Immer mehr Haushalte wechseln punktuell auf Wärmepumpen oder Fernwärme.
Das Problem dabei ist physikalischer und finanzieller Natur. "Je weniger Teilnehmer im Netz, desto höher der Anteil für den Einzelnen“, warnte Florian Pilz, Geschäftsführer von Netz Burgenland. Da die Fixkosten für die Infrastruktur gleich bleiben, müssen diese auf immer weniger Kunden umgelegt werden, was die Gebühren für die Verbliebenen in die Höhe treibt.
Ruf nach „Energieraumplanung“
Um diese Preisspirale und ineffiziente Parallelstrukturen zu verhindern, fordert das "Forum Versorgungssicherheit" eine umfassende "Energieraumplanung“. Die Politik - konkret ist das Energieminister Wolfgang Hattmansdofer - müsse klar definieren, in welchen Regionen Gasnetze komplett stillgelegt werden und wo sie langfristig erhalten bleiben.
- Privathaushalte: Wo das Netz stillgelegt wird, müssen Alternativen wie Fernwärme oder verstärkte Stromnetze für Wärmepumpen bereitstehen.
- Industrie: Für Gewerbe und Industrie ist Gas in vielen Prozessen nicht ersetzbar. Hier soll das Netz für klimafreundliche Alternativen wie Biomethan oder Wasserstoff erhalten oder sogar ausgebaut werden.
Wasserstoff nicht für die Heizung
Eine klare Absage erteilten die Experten der Idee, Wasserstoff flächendeckend zum Heizen von Wohngebäuden zu nutzen. Dieser Energieträger werde zwar an Bedeutung gewinnen, sei aber primär für die Industrie und E-Fuels vorgesehen.
Außerdem drängt mittlerweile die Zeit.
Bis August 2026 muss Österreich die EU-Erdgas-Binnenmarktrichtlinie umsetzen. Die Netzbetreiber hoffen nun auf eine rasche Einigung beim Gaswirtschaftsgesetz (GWG) und dem Gesetz für Erneuerbare Gase (EGG), um Investitionssicherheit zu erhalten und "teure Fehlentwicklungen“ zu vermeiden.
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