Politik | Inland 11.06.2018

Neos-Anfrage: Minister halten nichts von Energetik

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Neos wollten wissen, ob Regierung auf Energetik setzt. Finanzministerium bietet Cranio-Sacral-Therapie - aber nur von Fachpersonal.

Es war nicht die teuerste Panne beim Krankenhaus Nord, aber wohl die peinlichste. Für den Bau des Spitals in Wien-Floridsdorf war ein „Bewusstseinsforscher“ angeheuert worden. Für 95.000 Euro wollte er das Haus, in dem künftig Spitzenmedizin geboten werden soll, von Energieflüssen reinigen – ein Debakel für Ex-Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ), ihre Projektleiterin wurde im Nachhall der Affäre gar abgezogen.

Neos-Wissenschaftssprecherin Claudia Gamon wollte im Parlament nun erfahren, ob auch in den Ministerien Geld für Energetikberatung fließt. Parlamentarische Anfragen an alle Regierungsvertreter sollten ermitteln, ob Türkis-Blau für die „Hilfestellung zur Erreichung körperlicher Ausgewogenheit“ etwa durch Biofeedback, Magnetfeldanwendung oder die Auswahl von Aromastoffen Geld ausgibt.

Immerhin: Im März hatte der KURIER erfahren, dass zumindest Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) im Jahr 2010 einen Gewerbeschein als Energetikerin erlangt hatte. Laut Gewerbeanmeldung wollte sie energetische Ausgewogenheit unter anderem mit der Auswahl von Farben, Düften, Lichtquellen und Edelsteinen herstellen. Wissend um das Image-Fiasko beim KH Nord gab Schramböck sich auf damalige KURIER-Nachfrage einsilbig. Sie habe sich um die Gewerbeberechtigung „rein aus persönlichem Interesse“ bemüht und sie gleich nach der Anmeldung im November 2010 wieder ruhend gestellt.

Neos-Abgeordnete Claudia Gamon. © Bild: APA/ROBERT JAEGER

Nachgeordnete Dienststellen nicht geprüft

Die Anfragen der Neos wurden nun aber von allen Ministern negativ beantwortet, kein Ministerium investiere in Energetikberatung für seine Mitarbeiter. Nur Finanzminister Hartwig Löger ( ÖVP) gab in seiner Anfragebeantwortung bekannt, es gebe „in Abstimmung mit der Arbeitsmedizinerin“ des Ressorts ein Angebot der Cranio-Sacral-Therapie. Ein solches Angebot sei medizinisch sinnvoll, weil die Mitarbeiter im Finanzministerium mehrheitlich eine sitzende Tätigkeit ausführen. Man lege aber großen Wert darauf, „dass diese Therapie von ausgebildetem Fachpersonal wie Osteopathen, Physiotherapeuten oder staatlich geprüften Masseurinnen und Masseuren durchgeführt wird“.

Justizminister Josef Moser und Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) beantworteten Gamons Anfrage ebenfalls negativ, baten aber um Verständnis, dass man nachgeordnete Dienststellen (z. B. Schulen und Gerichte) nicht geprüft habe – dies hätte den Verwaltungsaufwand gesprengt. Wirtschaftsministerin Schramböck quittierte die Anfrage übrigens mit nur einem Wort: „Nein.“

( kurier.at , kap ) Erstellt am 11.06.2018