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Umfrage
09/23/2013

Die Kunst der richtigen Wahl

Der KURIER befragte 26 KünstlerInnen, Kulturschaffende und Intellektuelle zur Nationalratswahl.

Drei einfache Fragen:

1. Was erwarten Sie von der Nationalratswahl?
2. Werden Sie selbst wählen?
3. Verraten Sie, wen Sie wählen?

Diese drei Fragen zur Nationalratswahl am 29. September stellte der KURIER 26 namhaften KünstlerInnen, Kulturschaffenden und Intellektuellen des Landes - und so haben sie geantwortet:

Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele

1. Ich befürchte eher etwas. Nämlich, dass das Wahlergebnis zu extrem schwierigen Koalitionsverhandlungen führen wird.

2. Selbstverständlich. Nicht zur Wahl zu gehen, ist eine Geringschätzung unserer Mitbestimmungsmöglichkeiten, die mich geradezu empört. Auch 2013 wird der Mehrheit der Menschheit noch immer dieses demokratische Grundrecht verweigert, das uns aber offensichtlich so selbstverständlich ist, dass es laufend an Attraktivität verliert.

3. Ich gehöre zur aussterbenden Spezies der Stammwähler. Was ich als ehemalige ÖVP-Parlamentarierin 2013 wähle, können Sie also unschwer erraten.“

Christine Nöstlinger, Autorin

Ich fürchte mich jetzt schon vor dem Wahlergebnis. Bis vor ein paar Wochen hab’ ich noch gehofft, dass der Herr Stronach dem Herrn Strache viele Stimmen wegnimmt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, bei dem Plunder, den der Mensch daherred’, dass den noch einer wählt. Was der will, das weiß ja kein Mensch mehr. Der redet ja irgendwas. Und eigentlich hat er nur zwei Wörter: Die Funktionäre und die Werte. Und ein paar Mal hat er jetzt schon gesagt, dass er sich für begnadet hält, tatsächlich sagt er aber immer begnadigt.

Ich kann ja ruhig sagen, was ich wählen werde. Ich wähle normalerweise immer SPÖ, ich bin ein in der Wolle rot gefärbtes Kind. Mein Mann hat immer Grün gewählt, meine Töchter auch, und dann dachte ich, so, jetzt wähl’ ich auch die Grünen. Aber als ich dann in der Wahlzelle stand, hörte ich plötzlich meine längst verstorbene Mutter – ich glaub wirklich nicht an den Himmel und ich glaub wirklich nicht, dass meine Mutter dort ist – aber plötzlich hörte ich sie ihre ärgste Rüge sagen: ,Madl, jetzt scham di.‘ Da hab ich gehorsam wieder bei der SPÖ mein Kreuzerl gemacht.

Das werd ich wahrscheinlich wieder tun. Ich hab allerdings im Internet die Wahlkabine gemacht. Und da kommt die KPÖ raus. Gefolgt von den Grünen. Aber in Wahrheit überleg ich gar nicht, ich wähl die SPÖ, ich werd’ mir das nimmer abgewöhnen. Ich bin da so wie die Elfriede Jelinek, die gesagt hat: Und wenn die SPÖ einen Pavian als Vorsitzenden hat, wird sie sie wählen.

André Heller, Universalkünstler

Ich stehe das erste Mal im Leben vor der Situation, keiner einzigen im Parlament vertretenden Partei auch nur halbwegs das Vertrauen aussprechen zu können. Alle haben mich völlig desillusioniert. In ähnlich verzweifelten Situationen waren mein Notausgang gelegentlich die Grünen, aber der Umstand, dass sie in Salzburg auf den, ihnen von der SPÖ angebotenen, Landeshauptmann verzichteten, um lieber in der zweiten Reihe mit ÖVP und Stronach zu koalieren, scheint mir eine sträfliche Mutlosigkeit zu sein.

Aus demokratiehygienischen Gründen werde ich aber doch nicht zum Nicht-Wähler. Vielleicht kommt mein Kreuzerl zu den Neos. Die hatten ja bisher noch keine Chance, mich zu enttäuschen.

Rudolf Buchbinder, Starpianist und Festivalchef

Ich bin Wechselwähler und gebe keine Empfehlungen ab. Es gibt aber ein Wort, das ich nicht vertrage: Gesinnung. Das erinnert an schlimme Zeiten, wenn man bedingungslos einer Partei folgt. Ich glaube, nach dieser Nationalratswahl wird sich nichts ändern.

Es wird weiterhin eine Große Koalition geben. Das Problem an so breiten Mehrheiten ist, dass die Angst vor politischen Entscheidungen vorherrscht. Es gibt kein klares Ja oder Nein, sondern die Befürchtung, bei der nächsten Wahl Stimmen zu verlieren. Das ist ein Bumerang, der zurückkommt. Ich vermisse solche klaren Entscheidungen.

Robert Dornhelm, Regisseur

Ich bin für denjenigen, der am ehesten Strache verhindert. Man muss aber auch alles tun, um Stronach aufzuhalten. All diese ungustiösen Widerlinge dürfen nicht salonfähig gemacht werden. Die primitive Sprache des Herrn Strache ist schrecklich. Und Stronach hat ja gar keine Sprache. Ich bin soeben mit dem Auto durch ganz Österreich gefahren – es ist unfassbar, wie viel Geld da ist für Plakate dieser beiden. Ich wünsche mir, dass der Hausverstand der Österreicher wiedererweckt wird, dass die Vernunft wieder einkehrt statt Opportunismus, Populismus und niedrigster Instinkte.

Franz Welser-Möst, General-musikdirektor der Staatsoper

Wir werden bei der Nationalratswahl eine große Überraschung erleben. Es wird danach keine Zwei-Parteien-Regierung mehr möglich sein. Ich rechne damit, dass die SPÖ stärkste Partei wird und die ÖVP ziemlich absackt. Gemeinsam werden sie 50 Prozent nicht mehr schaffen. Ich glaube auch, dass Stronach schlechter abschneidet als von vielen erwartet. Und ich kann mir vorstellen, dass die Neos den Sprung in den Nationalrat schaffen. Selbstverständlich werde ich zur Wahl gehen.

Florian Scheuba, Kabarettist

1. Viel Spaß bei unserer Staatskünstler-Vorstellung mit frisch gedrehtem exklusivem Wahlkampf-Material und anschließender Wahlparty im Akademietheater am Wahlsonntag und am Abend davor.

2. Da ich nicht alle zur Wahl stehenden Parteien exakt gleich gut finde und parlamentarische Demokratie nicht grundsätzlich ablehne, bleibt mir nichts anderes übrig, als wählen zu gehen."

3. Nein.

Manuel Rubey, Schauspieler und Kabarettist

Ich erwarte mir leider nicht viel Erfreuliches. Ich denke, dass die Polterer (Strache und Stronach) gemeinsam um die 30 Prozent abstauben werden, wobei ich zumindest bei Stronach noch die Hoffnung habe, dass er am Wahltag bekannt geben wird, dass seine Kandidatur tatsächlich ein großes Satire-Projekt war.

KURIER-Karikaturist Michael Pammesberger fasst zusammen

Paulus Manker, Schauspieler und Theatermacher

1. Mögen die größten Deppen wieder gewinnen! Es ist schön zu sehen, dass es bei jeder Wahl immer noch tiefer an Niveau geht.

2. Selbstverständlich. Schon aus Überwindung des Ekels vor Politikern, der verlogensten Rasse in der an Lügnern so reichen menschlichen Welt.

3. Grün, grün, grün. Nur leider nicht aus Überzeugung. Die Sozialdemokratie hat abgewirtschaftet, die Schwarzen hätten Herrn Kurz aufstellen sollen, Kabarettisten wie Frank sind nicht satisfaktionsfähig, und HC wähle ich nur als Doktorat.

Kathrin Zechner, Fernseh-Direktorin des ORF

Ich erwarte mir, dass die Wählerinnen und Wähler durch die neu gestalteten ORF-TV-Konfrontationen, die ,Wahlfahrt‘ und die aktuelle Berichterstattung umfassend informiert ihre persönliche Entscheidung treffen können.

Ich erwarte mir von der Politik Unterstützung für einen starken ORF mit Zukunft, der auch die Möglichkeit zu Reformen hat. Noch ein allgemeiner Wunsch? Kluge und vorausschauende Arbeit im Sinne der Zukunft.

Gustav Peichl, Architekt

Ich persönlich werde wohl Michael Spindelegger wählen. Ich glaube, er ist der seriösere, wenn auch der langweiligere Kandidat. Ihm fehlt zwar das Charisma, aber das ist mir nicht so wichtig. Ich habe Angst, dass eine wirkliche unangenehme Entwicklung eintritt, wenn Werner Faymann mit den Grünen oder den Linken weiter so tendenziös arbeitet. Das würde ich nicht wollen. Daher wähle ich Spindelegger, ÖVP.

Die große Koalition wird wohl weiterbestehen. Ich glaube nur, dass Eva Glawischnig, die sehr tüchtig und gut ist, unbedingt Vizekanzlerin werden will. Und dass dann Rot-Schwarz-Grün kommt. Das wäre möglich, und das habe ich sogar schon in einer Karikatur gezeichnet. Zu Frank Stronach fällt mir nichts ein, zum Mitreden, Regieren oder Mitbestimmen halte ich ihn nicht für geeignet. Ich habe noch für Bruno Kreisky mit Begeisterung und Überzeugung unterschrieben. Aber für wen kann ich heute unterschreiben? Mit Kreisky und Sinowatz konnte ich streiten, reden, diskutieren. Aber was soll ich mit Faymann reden?

Patrick Pulsinger, Musiker und Produzent

1. Im besten Fall eine hohe Wahlbeteiligung und dass die Leute vorm Kreuzerlmachen bitte ihr Gedächtnis auffrischen. Wo sind die teilweise verurteilten Verbrecher zu Hause und wo die Sachpolitik? Wer hat dem Land geschadet, in die eigene Tasche gewirtschaftet, und wer übernimmt wirklich politische Verantwortung? Viele scheinen am Wahltag unter Amnesie zu leiden.

2. Ja, ich bin begeisterter Wähler und habe diesmal wegen eines Auslandsaufenthaltes bereits per Briefwahl gewählt. Ich beschäftige mich im Vorfeld sehr gerne mit den Themen und Inhalten (soweit vorhanden) der einzelnen Parteien und benutze sehr gerne wahlkabine.at. Da ich mich über das Gefasel und die Gemeinplätze von manchen PolitikerInnen sehr ärgern kann, muss das ja dann irgendwie raus, und das geht dann am besten am Wahltag in der Kabine. Nicht zu wählen aus Protest finde ich infantil, narzisstisch und einer offenen, kritischen Gesellschaft nich würdig.

3. Nein!

Isolde Charim, Publizistin

Konservativer müsste man sein! Dann hätte man bei dieser Wahl echt die Wahl. Da gibt es für jeden Geschmack etwas. Von – bis: Neos, ÖVP, BZÖ, FPÖ, Stronach. Da kann man sich bis ins Feintuning hinein die passende Partei aussuchen. Spannend für alle ist hingegen, ob diese Vervielfältigung der Parteienlandschaft tatsächlich einen Demokratisierungsschub bedeutet. Zur Zeiten der Zwei-Parteienherrschaft in Österreich hieß es ja immer, lasst drei, vier Parteien blühen und das goldene Zeitalter der Demokratie beginnt. Jetzt machen wir die Probe aufs Exempel: Mehr Demokratie oder italienische Verhältnisse (der „Besuch des alten Herrn“ ist ja schon ein Schritt in Richtung Italien). Für eine linke Wechselwählerin wie mich ist die Wahl deutlich eingeschränkter. Da gibt es nur: entweder – oder. Rot oder Grün. Was es allerdings diesmal wird, möchte ich nicht verraten. Denn das Wesentliche am Wählen ist ja das demokratische Ritual, sich von allen seinen Besonderheiten zu befreien und zur reinen Zahl zu werden. Als Wähler sind wir nichts anderes als eine Zahl und darin alle gleich. Und dazu gehört eben auch die Anonymität.

Werner Schneyder, Autor, Regisseur, Kabarettist

1. Ein exakt ausgezähltes Ergebnis. Stellungnahmen der Führungspersönlichkeiten, die ich mitsprechen kann, Wählerstromanalysen, die ich nicht begreife. Eine Regierung, die irgendwie weitermacht.

2. Selbstverständlich. Ich fühle mich bei der Stimmabgabe zwar wehrlos, gestehe mir die Wehrlosigkeit aber nicht ein. Die Verweigerung wäre das Eingeständnis der Wehrlosigkeit. Das wäre mir zuwider.

3. Das ,kleinere Übel‘. Damit sind die Möglichkeiten schon drastisch eingeschränkt. Klarheit schaffe ich nur in privatem Kreis. Allianzen der Intelligenz und des Problembewusstseins kann ich mir malen.

Werner Boote, Filmemacher

Das Seltsame ist: Heuer ist es für mich klarer als je zuvor. Ich bin eigentlich Wechselwähler. Ich komme aus einer bürgerlichen Familie, deren Werte ich schätze. Ich bin stark davon überzeugt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, das an einem Miteinander interessiert ist. Deshalb ist soziale Gerechtigkeit eines der wichtigsten Elemente für mich. Ich will, dass wir alle irrsinnig reich werden – ich will aber, dass alle sehen, dass das nicht nur mit materiellen Werten zu tun hat. Ich bin zudem ein sehr umweltengagierter Mensch. Umwelt muss für die Gesetzgebung einen stärkeren Stellenwert bekommen, und ich finde, dass man jene in die Pflicht nehmen muss, die sich auf Kosten anderer bereichern.

Ulrich Seidl, Filmemacher

Ich stelle keine Erwartungen an die Wahl. Wer auch immer gewinnt, wie immer eine zukünftige Regierung aussehen wird, sie wird an den essenziellen Problemen unserer Zeit nichts ändern. Die Politik hat ihre Macht längst der Wirtschaft abgegeben. Politiker sind zu Handlangern der globalen Wirtschaft geworden.

Wo sind die Politiker (unerheblich, von welcher politischen Partei), die imstande sind, wirkliche gesellschaftliche Änderungen herbeizuführen? Wie sollen junge Menschen Vertrauen in die Politik und die Politiker gewinnen, wenn jeglicher Vorbildcharakter abhanden gekommen ist? Um nur einiges an Unbehagen zu nennen.

Peter Weibel, Kunst- und Medientheoretiker

Die seinerzeitige schwarz-blaue Koalition unter Bundeskanzler Schüssel hat zumindest politische Gestaltungsmacht bewiesen. Sie hat Österreich nach ,neo-liberalen‘, Thatcher-affinen Grundsätzen umgestaltet, so die allgemeine Meinung. Ob zum Guten oder Schlechten wird je nach politischem Lager anders beurteilt. Die neue Koalition unter den SPÖ-Bundeskanzlern hat meines Wissens keine einzige dieser Maßnahmen rückgängig gemacht. Die SPÖ fuhr also auf den Gleisen weiter, welche die ÖVP gelegt hat. So nimmt es nicht wunder, dass alles beim Alten blieb und keine neuen Agenden in die Wege geleitet wurden, die Österreich angesichts der korrupten Verhältnisse dringend benötigt. Stattdessen lautet die Maxime von Bundeskanzler Faymann: ,Inserieren statt regieren.‘ Ich werde daher diese Koalitionsparteien nicht wählen. Ich wähle wegen ihrer Anti-Korruptionspolitik (siehe Peter Pilz) und ihres Kulturengagements (siehe Wolfgang Zinggl) die Grünen.

Rupert Henning, Autor und Schauspieler

Als Schriftsteller oder Satiriker ist es meine Aufgabe, vielleicht die Auswirkungen von Wahlen zu thematisieren und die Leute unter die Lupe zu nehmen, die aufgrund von Wahlen an die sogenannte Macht kommen. Aber es ist für mich ein absolutes No-Go, so etwas wie eine Wahlempfehlung auszusprechen oder mich parteipolitisch zu betätigen. Das habe ich nie getan und werde ich nie tun. Davon lasse ich die Finger. Aber ich finde: Man soll wählen. Auch wenn es – wie auch mir selber – schwerfällt, zur Wahl zu gehen und sich guten Gewissens für eine Partei zu entscheiden. Aber man muss wählen, und sei es, dass man einen leeren Wahlzettel abgibt.

Direktor des Museums für angewandte Kunst MAK

Für mich, der ich in der Kultur tätig bin und früher sehr viel mit Wirtschaft und internationaler Politik zu tun hatte, ist es wichtig, eine Partei zu wählen, die den Stellenwert von Kultur für dieses Land hochhält. Kultur ist kein Luxus, sondern ich glaube, Kunst und Kultur haben auch für die Gestaltung unserer Zukunft enorm viel beizutragen. Und gerade in einem Land wie Österreich, das international so stark kulturell wahrgenommen wird, hat das eine doppelte Bedeutung. Deshalb sind alle Parteien gut beraten, wenn sie diesen Stellenwert von Kunst und Kultur insgesamt hochhalten.

Schauspielerin, Vorstandsmitglied im Verband Österreichischer FilmschauspielerInnen

Ich werde in einer Woche sicher keinen derjenigen wählen, die bei den TV-Konfrontationen verhaltensauffällig den größten theatralischen Effekt erzielt haben. Von der Politik wünsche ich mir klare Bekenntnisse zum – und mutige Unterstützung des österreichischen Films, dringendst eine Reform des Künstlersozialversicherungs-Gesetzes und endlich eine Vereinbarkeit der Arbeitsverhältnisse von selbstständigen und unselbstständigen Künstlern!!! Wichtig ist auf jeden Fall: Hingehen! Wählen! Und ich zitiere – wie viele – gerne Monty Python: Jeder nur ein Kreuz!

Alexander Horwath, Direktor Filmmuseum

1. Im Wort ,erwarten‘ steckt ein utopischer Anteil (das Erhoffen) und ein sogenannter ,realistischer‘ Anteil (das Befürchten). Mir ist der erstere lieber. Ich erwarte mir daher einen Erdrutschsieg für jenes nicht-chauvinistische Parteiengemisch, das sich für die Besitzlosen und Zugereisten einsetzt, das eine radikale und sozial orientierte Modernisierung des Bildungssystems betreibt und eine Kulturpolitik, die den aktuellen Neofeudalismus und die Fetischisierung des Tourismus zurückweist.

2. Ja, natürlich.

3. Ja – wenn Sie nach dem Besuch der Wahlzelle am 29.9. auf mich warten.

Sven Hartberger, Intendant Klangforum Wien

Ich erwarte mir von der wahl, daß meine mitbürgerInnen keine partei mehr in den nationalrat wählen, deren obmann ein lump ist, der sich seit jahr und tag aus angst vor einer gerichtlichen niederlage öffentlich als kellernazi beschimpfen lassen muß (www.kellernazis­inderfpoe.at). das trifft auf herrn strache zu. ich erwarte mir, daß auch keine partei gewählt wird, die eine koalition mit einer von einer solchen person geführten partei nicht unbedingt ausschließt. das trifft – zu ihrer schande – auf die vormals christlichsoziale övp zu. ich selbst werde eine partei wählen, die sich in wort und tat sozial und solidarisch mit den schwachen in der gesellschaft zeigt, die eine friedliche und freundliche begegnung zwischen verschiedenen bevölkerungsgruppen fördert, statt die leute aufeinander zu hetzen, und die glaubwürdig für eine gerechte verteilung des gesellschaftlichen reichtums eintritt.

Ernst Molden, Sänger und Literat

1. Ich reiß mich zusammen und hoffe das Beste.

2. Selbstverständlich.

3. Nein.

Gerhard Zeiler, President Tur-ner Broadcasting International

Was ich mir von der Wahl erwarte? Eine Regierung, die die Herausforderungen des Landes aktiv und entschlossen in Angriff nimmt. Jeder sollte immer sein Wahlrecht nutzen. Aufgrund meiner Geschichte ist es nur unschwer zu erraten, welche Partei ich wähle.

Franz Schuh, Philosoph und Autor

Kein Wunder, dass der KURIER die Grundfrage stellt, ob man überhaupt wählen geht. Diese merkwürdige Propaganda, die das politische System – über seine Exponenten – für sich selber macht, ist derartig tief angesiedelt, dass ich mich, wenn ich als Wähler mitspiele, erniedrigt fühle. Daran sind die Politiker weniger direkt schuld – es ist die Hilflosigkeit, mit der sie sich ,Beratern‘, ,Kommunikationsspezialisten‘, ‚Public-Relations-Fuzzies‘ ausgeliefert haben. Von diesen Leuten (früher einmal – das war die heimische Urform – von den Kalinas und den Glücks) werden die Spitzenfunktionäre der Parteien marktgerecht hergerichtet. Dabei gibt es in dieser Gesellschaft, nicht nur bei Wahlen, ein tief schürfendes und weit gehendes Grundproblem: Wenn Menschen sich ganz und gar nach den Regeln von Angebot und Nachfrage zurechtmachen, dann sind sie lächerlich, ,ohne Würde‘, um es mit Armin Thurnher zu sagen.Noch lächerlicher sind sie, wenn sie in ihren würdelosen Attitüden Würden beanspruchen. Ich wähle die SPÖ aus folgenden Gründen: wegen der drei Intellektuellen in der Arbeiterkammer, wegen der Reminiszenz an die Gewerkschaft und wegen der alten Genossinnen und Genossen, die in Floridsdorf das Bezirksmuseum führen.

Josef Winkler, Autor

Ich wünsche mir, dass die neue Regierung den Bundesrat abschafft. Selbst eine politische Blindschleiche wie der ehemalige Landeshauptmann von Kärnten, Gerhard Dörfler, hat ihn als ,verlängerten Arm‘ der Parteien bezeichnet. Nachdem Gerhard Dörfler, der als Landeshauptmann von Kärnten einmal gesagt hat, dass er so viel verdient wie ein Fliesenleger, auf dramatische Art und Weise mit einem Verlust von fast 30 Prozent der Stimmen als Landeshauptmann abgewählt wurde, schlüpfte auch er in den Notnagel des Bundesrates hinein. Als man ihn fragte, ob es sich dabei nicht um einen Versorgungsposten für ihn handle, antwortete er, dass es sich um 2200 Euro netto um keinen Versorgungsposten handeln könne.

Das Geld, das man sich bei der Abschaffung des inzwischen längst sinnlosen und überflüssigen Bundesrates erspart, sollte für ein Bibliotheksgesetz verwendet werden. Und der schöne Raum, in dem die Bundesräte – weibl. und männl. – plaudern und plappern und sich von Steuergeldern grundversorgen lassen, soll der Universität Wien zur Verfügung gestellt werden, damit bald keine Studenten mehr um 3 Uhr früh auf der Straße warten und Schlange stehen müssen, um rechtzeitig in einen Hörsaal hineinzukommen.

Österreich ist eines der wenigen Länder in Europa, das kein Bibliotheksgesetz hat. Ein Bibliotheksgesetz soll den Staat um die 200 Millionen Euro kosten. Gäbe es ein bundesweites Bibliotheksgesetz, wäre auch eine Stadt wie Klagenfurt mit fast 100.000 Einwohnern gezwungen, eine Stadtbibliothek zu errichten. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat Klagenfurt keine eigene Stadtbibliothek. Graz hat sieben Stadtbibliotheken. Es ist beschämend für das Land Kärnten, für die Stadt Klagenfurt und auch für die Republik Österreich, dass Klagenfurt keine Stadtbibliothek hat.

Dafür aber haben wir in Klagenfurt ein leer stehendes Fußballstadion mit 30.000 Sitzplätzen, das seit seinem Bau die Bevölkerung 1,5 Milliarden Schilling kostet. Gebaut hat man es für die Fußball-Europameisterschaft 2008, für 3 Fußballspiele, für 4 Stunden internationalen Fußball.

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