OeNB-Gouverneur Robert Holzmann

© OeNB/ Lisi Niesner/LISI NIESNER

Wirtschaft von innen
09/28/2019

Nationalbank-Mitarbeiter befürchten "System Kickl"

Kündigung, Pensionierung: Neuer, FPÖ-naher Gouverneur Holzmann schockt Belegschaft.

von Andrea Hodoschek

Beim Town Hall Meeting, der Belegschaftsversammlung, waren die Mitarbeiter von ihrem neuen Gouverneur Robert Holzmann durchaus angetan. Der 70-jährige ehemalige Weltbank-Direktor, der auf einem Ticket der FPÖ an die Spitze der OeNB segelte, wirkte umgänglich und konsensorientiert.

Nach einem knappen Monat hat sich die Stimmung um 180 Grad gedreht. „Die Mitarbeiter sind schockiert, intern wird bereits vom System Kickl gesprochen, das jetzt auch bei uns durchgesetzt werden soll“, berichten Notenbanker, die nicht genannt werden wollen, dem KURIER. Es solle Angst verbreitet werden, „damit die Leute nicht kritisch sind und spuren“.

Drei Personalmaßnahmen sorgen in der Bank für helle Aufregung.

Die langjährige Personalchefin, Susanna Konrad-El Ghazi, wurde am Freitag gekündigt und mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Ihr Zimmer wurde versiegelt, die Managerin vom Sicherheitsdienst aus der Bank geleitet. Die Bank bestätigte einen profil-Bericht.

Dem Chef der Hauptabteilung Zahlungsverkehr, Stefan Augustin, 62, wurde nahegelegt, um seine Pensionierung anzusuchen. Andernfalls werde er gekündigt.

Dem Leiter der Pressestelle, Christian Gutlederer, wurde empfohlen, in die Außenstelle Innsbruck zu übersiedeln.

Alle drei Betroffenen stehen der ÖVP nahe. Weshalb in Politkreisen auch von einer Aktion „FPÖ gegen ÖVP“ gesprochen wird.

Teure Sonderverträge

Die OeNB will sich erst am Montag äußern. Inzwischen sickerte jedoch einiges an Informationen durch. Bei Konrad-El Ghazi, der Tochter von Ex-Raiffeisen-Generalanwalt (und Ex-KURIER-Aufsichtsratspräsident) Christian Konrad, geht es um die Konditionen für die Karenzierung eines Managers, der für eine hochrangige Position an die Europäische Zentralbank ausgeliehen ist. Diese Karenzierung wurde noch vom „alten“ Direktorium beschlossen.

Inoffiziell könnte ein ganz anderer Grund ausschlaggebend gewesen sein. Konrad-El Ghazi soll sich geweigert haben, hochdotierte Verträge mit Beratern der neuen blauen Direktoren abzuschließen. Dabei soll es heftige Diskussionen gegeben haben.

Vor allem um Holzmanns neuen Berater, den aus dem Finanzministerium kommenden Peter Brandner, Mitgründer des liberalen Think Tank „Weis(s)e Wirtschaft“ und ehemals Chefökonom von Karl-Heinz Grasser.

Sowie um die neue Büroleiterin von Holzmann, die zuvor von der Bank für Geldwäsche-Themen ans BVT ausgeliehen war. Sie tritt intern äußerst energisch auf, hört man.

Augustin gilt als Top-Manager, er verantwortete die reibungslose Einführung des Euro. Angeblich habe er strategische Vorgaben nicht umgesetzt.

Der Banker ist fachlich jedenfalls um Klassen besser qualifiziert als sein neuer Chef, Direktor Eduard Schock. Der vormalige Wiener FPÖ-Stadtrat ist selbst bei der Bank Austria seit 13 Jahren karenziert. Und bei Gutlederer habe halt die Chemie mit Holzmann nicht gestimmt.

Insider rechnen nicht damit, dass die Kündigung halten wird. Sie soll nur von Holzmann und Schock unterschrieben sein, obwohl die beiden ÖVP-Direktoren auch im Haus waren. Das vierköpfige Direktorium ist quasi der Vorstand der Bank. Die Blauen haben dort das Sagen, denn bei Stimmengleichheit hat der Vorsitzende Holzmann ein Dirimierungsrecht.

Der Generalrat ist wie ein Aufsichtsrat, dort herrscht zwischen FPÖ und ÖVP Gleichstand.

Vize-Betriebsratschefin Birgit Sauerzopf will sich noch nicht konkret dazu äußern: „Wir sind in ständigem Austausch mit Generalrats-Präsident Harald Mahrer und Arbeitsrechtsexperten, um uns ein Bild zu verschaffen“.

Anzunehmen, dass sich Ex-Gouverneur Ewald Nowotny bei seiner festlichen Verabschiedung am Dienstag zu den Vorgängen äußern wird. Angesagt haben sich u. a. Noch-Kanzlerin Brigitte Bierlein und der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

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