Auch für solche Entscheidungen demonstrieren die Schüler jeden Freitag.

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Politik | Inland
03/20/2019

Nach Demos: Faßmann engagiert sich für Umweltschutz im Lehrplan

Gymnasiasten und der Minister trafen sich in der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Umwelt- und Klimaschutz komme derzeit im regulären Unterricht zu kurz, zeigten sich Bildungs-und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sowie Schüler Mittwochfrüh beim Besuch der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) auf der Wiener Hohen Warte überzeugt. Nicht ganz einig war man darüber, ob die "Schul-Streiks" besser während der Woche oder am Samstag stattfinden sollen.

Pflichtfach Umweltschutz

Dass dem Thema in der Schule viel mehr Raum gegeben werden sollte, fordern die heimischen Vertreter der weltweiten "Fridays-for-Future"-Demonstrationen. Der Ressortchef ließ sich persönlich von Vertretern des Gymnasiums Maria Regina einen Überblick über den Status quo geben: Konkrete Wissensvermittlung für alle scheint derzeit nicht gegeben, vieles spricht für ein Pflichtfach Klima-, Natur und Umweltschutz bzw. Nachhaltigkeit, das im Lehrplan verankert werden könnte. Es gäbe zwar durchaus engagierte Lehrkräfte, die auch interdisziplinäre Projekte und Initiativen anstoßen und umsetzen, derzeit könne es aber durchaus vorkommen, dass man als Schüler selbst bis nach der Matura kaum tiefer mit der Thematik in Berührung kommt.

Eigeninitiative gefragt

Die Jugendlichen selbst gaben an, dass ihnen Klimaschutz ein wichtiges Anliegen sei, für das sie durchaus bereit sind, aktiv zu werden: Von weniger Autofahren, regionalem und saisonalem Einkauf von Lebensmitteln oder auch der Reduktion von Plastik - der Einsatz soll nicht nur theoretisch sein, Eigeninitiative ist gefragt. Und doch zeigt sich: rund die Hälfte fährt täglich mit dem Pkw in die Schule.

Wissen, das man vermitteln könnte, gäbe es genug, erläuterte ZAMG-Direktor Michael Staudinger. Zu den dringlichsten zählt wohl die Frage nach einer Klimaerwärmung von mehr als zwei Grad. So liegen mittlerweile nach vielen Jahrzehnten Aufzeichnungen etwa viele verlässliche wissenschaftliche Daten zu Gletscherrückgang, Hitzewellen, Hochwasser, Lawinen oder Grundwasserveränderungen und andere regionale Extremereignisse vor. Klimamodelle werden immer komplexer, die Fakten immer konkreter, die Wissensvermittlung lässt aber noch zu wünschen übrig. Die ZAMG engagiert sich sehr in Sachen Wissenstransfer, nicht zuletzt weil man die Auswirkungen der Klimaerwärmung bereits konkret registriert.

Wissen kommt nicht in der Praxis an

"Die Diagnose ist wahrscheinlich sehr klar, bei der Therapie müssen wir noch etwas reden", resümierte Faßmann. Das "Dreieck" Politik, Konsument und Medien sei gefragt, alle müssen beginnen. Er habe den Eindruck, dass Österreich zwar wissenschaftlich gut aufgestellt ist, aber wenig in der Schule und zum Teil in der Praxis anzukommen scheint - die Raumordnung etwa wäre ein konkretes Feld. Er werde der Umweltministerin von dem Gespräch erzählen, versprach der Ressortchef zum Abschied.