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Politik Inland
03/13/2019

Live: Ministerrat beschließt Sozialhilfe neu

Es soll nun nicht mehr von "Mindestsicherung" gesprochen werden, sondern konsequent von "Sozialhilfe".

Die neue Sozialhilfe, die die bisher unterschiedlich in den Bundesländern geregelte Mindestsicherung ersetzen soll, wurde am heutigen Mittwoch im Ministerrat beschlossen und dem Parlament zugeleitet.

Obwohl es in der Begutachtung heftige Kritik an dem Regierungsentwurf gegeben hatte, hieß es zuletzt aus dem Sozialministerium, dass nur noch kleinere Änderungen vorgenommen würden.

Das Gesetz soll eine Vereinheitlichung bringen, es wird nicht mehr von "Mindestsicherung" gesprochen, sondern konsequent von "Sozialhilfe". Bei der Höhe der monatlichen Sozialhilfe orientiert sich das Modell laut dem Begutachtungsentwurf am Netto-Ausgleichszulagenrichtsatz von derzeit 863 Euro, für Paare gibt es maximal 1.208 Euro. Für Kinder bringt die Änderung durch eine Staffelung Einschnitte: Für das erste Kind ist eine Sozialhilfe-Satz von 25 Prozent des Netto-Ausgleichszulagenrichtsatzes vorgesehen (216 Euro), für das zweite Kind 15 Prozent (130 Euro) und ab dem dritten Kind gibt es 5 Prozent (43 Euro).

Zuwanderer mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen sollen außerdem eine gekürzte Sozialhilfe von 563 Euro erhalten. Den vollen Betrag gibt es erst ab Deutsch-Niveau B1 oder Englisch-Niveau C1. Die 300 Euro Differenz auf die volle Geldleistung erklärt die Regierung als Sachleistung zum "Arbeitsqualifizierungsbonus für Vermittelbarkeit". Damit sollen Sprachkurse finanziert werden. Für Drittstaatsangehörige sowie EU-und EWR-Bürger ist eine fünfjährige Wartefrist vorgesehen, bevor sie die Sozialhilfe beziehen können.

Zuschläge nach Länder-Ermessen

Alleinerzieherinnen und Behinderten können die Länder künftig nach eigenem Ermessen Zuschläge in einem gewissen Rahmen gewähren. Dabei handelt es sich jeweils um eine nicht verbindliche Kann-Bestimmung. Gleiches gilt für die Regelung beim Wohnzuschuss von bis zu 30 Prozent. Damit soll es möglich werden, die unterschiedlich hohen Mietkosten in den Bundesländern zu berücksichtigen. Bestehen bleibt die Möglichkeit der Länder, auf das Vermögen der Betroffenen zuzugreifen - und zwar bis zu einer Grenze von rund 5.200 Euro.

Nach dem Beschluss im Parlament haben die Bundesländer in einer mehrmonatigen Übergangsfrist Zeit, um die entsprechenden Landesgesetze zu erlassen. Die genauen Ausführungsbestimmungen sowie konkreten Sanktionen bei Missbrauch oder Arbeitsunwilligkeit müssen die Länder nämlich selbst festlegen. Schlagend werden die Neuerungen daher frühestens im Herbst.

In Wien hat Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) angekündigt, das Gesetz in der vorliegenden Form nicht umsetzen zu wollen.