Kennt keinen, den die Abwahl der SPÖ in Amstetten stört: Ernst Sieberer

© Atzenhofer Wolfgang

Politik Inland
01/28/2020

Machtwechsel in Amstetten: "Passiert nichts, ist er das nächste Mal wieder weg"

Kritiker der SPÖ-Abwahl sind bei Lokalaugenschein schwer zu finden, ÖVP- Sieger will neuen Stil und keine Parteipolitik im Rathaus.

von Wolfgang Atzenhofer

„Ich kenne keinen, der der SPÖ nachtrauert.“ Im Montagnachmittag gut besuchten Westbahnstüberl nahe dem Bahnhof begrüßt Ernst Sieberer an der Schank wortreich den Machtwechsel im Amstettener Rathaus. An der abgewählten SPÖ-Bürgermeisterin Ursula Puchebner übt er zudem heftige Kritik. Nach 55-jähriger roter Regentschaft in der früheren Eisenbahnerstadt wurde bei den sonntägigen Gemeinderatswahlen die SPÖ von der ÖVP mit einem Erdrutschsieg deutlich überholt.

Wie im Beisl ist es auch unter den Passanten in der Innenstadt schwer, Meinungen zu finden, die den Machtwechsel kritisch sehen. „Die Bürgermeisterin hat keine großen Fehler gemacht, ist aber auch sonst nicht sehr positiv aufgefallen“, meint ein Fußgänger mittleren Alters. 15 Jahre habe man auf den Wechsel gewartet, versichert Juwelier Franz Theuer. Den Wahlverlust der SPÖ habe er erwartet. „Die Höhe der Gewinne der ÖVP hat mich aber überrascht“, sagt Theuer.

Erwartungen

Die Erwartungshaltung in den Wahlsieger Christian Haberhauer von der ÖVP, der 42,98 Prozent erreichte und die Mandatszahl auf 19 Sitze fast verdoppelte, sei jetzt groß, meint Theuer. „Passiert nichts, ist er das nächste Mal wieder weg.“ Der Kaufmann kritisiert vor allem den gestalterischen Stillstand und bauliche Fehler am Hauptplatz. Hildegard Brants hat ein ähnliches Anliegen: „Mit den Geschäften hier gehört dringend etwas gemacht.“ Veränderung und eine Aufbruchstimmung seien längst notwendig, verlangt die Amstettnerin. Den Umbruch habe sie „irgendwie gespürt“, versichert Brants.

 

Positive Vorwärtsstimmung und Euphorie wollen die Kellnerinnen im Szenelokal und Café „Yellow“ im Stadtzentrum bei den Kunden bereits bemerkt haben. Unter den Vormittagsgästen habe es fast kein anderes Thema gegeben. Die Zugewinne der ÖVP seien dabei sehr gut weggekommen. In dem Lokal feierten Haberhauer und sein Team Sonntagnacht den Wahlsieg ausgelassen. „Der Champagner floss in Strömen“, präsentiert die Kellnerin stolz eine Galerie geleerter Schampus-„Leichen“.

 

Fehlersuche

Alles andere als Feierstimmung herrscht dagegen im baustellenbedingt in eine alte Berufsschule verlegten Rathaus. Dort arbeitete die abgewählte Stadtchefin Ursula Puchebner Sonntag bis 21.30 Uhr in der Wahlbehörde. Am Wahlabschluss der SPÖ habe sie nicht teilgenommen, berichtet sie nach dem „traurigen Tag für die Sozialdemokratie in Amstetten“. Die SPÖ verlor 9,25 Prozent und vier Mandate und rutschte mit 16 Sitzen deutlich hinter die ÖVP. „Dass diese Wahl nicht einfach wird, haben wir gewusst. Aber dieses Ergebnis war in keinster Weise zu erahnen“, sagt Puchebner.Ursachenforschung und eine Klärung, wie es weitergehen soll, wird in den SPÖ-Gremien am Dienstag passieren. „Wir müssen entscheiden, wie wir uns in Zukunft aufstellen“, so Puchebner. Die Entscheidung über ihre persönliche Zukunft wolle sie mit dem Team besprechen. Wahlsieger Haberhauer, der einen Koalitionspartner braucht, hat angekündigt eine Zusammenarbeit aller Fraktionen anzustreben. Ob die SPÖ diese ausgestreckte Hand akzeptieren wird, kann Puchebner noch nicht sagen: „Ich weiß nicht wie er diese Zusammenarbeit gemeint hat.“

 

Unter der am Sonntag anwesenden Rathausbelegschaft habe das Wahlergebnis große Betroffenheit ausgelöst, berichtet Puchebner. Für ÖVP-Sieger Haberhauer völlig unnötig. „Niemand braucht Angst haben. Ich will einen neuen Stil, ein Miteinander im Rathaus. Parteipolitik hat dort nichts verloren“, kündigt er an.

 

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