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Politik Inland
11/20/2019

Lehrer am Pranger oder auf dem Schild?

Zwischenergebnisse der Lehrerbewertungs-App zeigen, dass das Feedback der Schüler deutlich positiver ist, als vermutet.

von Bernhard Gaul

Die Lehrerbewertungs-App ist vorerst außer Betrieb. Überraschenderweise nicht, weil die Pädagogen und deren Gewerkschaft juristische Mittel gefunden haben, das System wegen möglicher Verletzung von Persönlichkeitsrechten abzudrehen. Sondern weil der junge App-Erfinder angesichts der Welle von Hass-Mails vorerst einmal eingeknickt ist.

Das kennt wiederum Kurt Scholz gut: Der einstige Wiener Stadtschulratspräsident hatte schon in den 1990er Jahren ein schulinternes bundesweites Bewertungssystem vorgeschlagen und dafür nur gewerkschaftliche Watschen kassiert. Scholz sagt heute, er wünsche sich eine offenere Haltung an den Schulen, schließlich werde jeder Beruf heutzutage bewertet. Vom Installateur bis zum Zahnarzt.

Warum also nicht die Lehrer? Warum haben wir eigentlich keine Feedback-Kultur an den Schulen? Wäre es nicht toll, sich in positiver Konkurrenz zu seinen Kollegen auch im Schulbetrieb sehen zu können? Würde das nicht die Motivation, den Unterricht spannender und interessanter zu gestalten, stark erhöhen?

Die bisherigen Zwischenergebnisse der App zeigten doch, dass das Feedback der Schülerinnen und Schüler deutlich positiver ist, als vielleicht vermutet. Unfaire Beurteilungen werden ohnehin gelöscht. Kann es sein, dass sich die Pädagoginnen und Pädagogen also grundlos fürchten, und es den Schülern weniger um einen digitalen Pranger für schlechte Lehrer, sondern vielmehr um den digitalen Schild geht, auf den man die besten Wissensvermittler heben kann? Ein wenig Wettbewerb könnte auch dem Schulbetrieb gut tun und vielleicht auch die Lust am noch besseren Unterricht wecken.

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