Politik | Inland
04.05.2017

Kopftuch-Sager: Van der Bellen räumt Fehler ein

Der Bundespräsident bleibt im KURIER-Interview inhaltlich bei seinen Aussagen, räumt jedoch Fehler ein.

Der Kopftuch-Sager von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sorgte international für Aufregung. Im Interview mit dem KURIER sieht er seine Aussage, wonach man bald alle Frauen bitten müsse, aus Solidarität ein Kopftuch zu tragen, zwar als Fehler. Aber das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

"Jede Frau kann zwar ein Kopftuch tragen. Aber in der Diskussion, die in Bild und Ton mitgeschnitten wurde – was ich in der Hitze des Gefechts nicht gemerkt habe und das war mein Fehler – ging es um etwas anderes", sagt Van der Bellen, der einräumt, eine Vorlesung im Hörsaal mit einem Auftritt des Bundespräsidenten verwechselt zu haben. Aber Kern der Sache sei: "Ich habe das alles zu einer Schülerin gesagt, die wegen ihres Kopftuches angepöbelt wurde und sich Sorgen machte, wegen ihres Kopftuches am Arbeitsplatz diskriminiert zu werden."

Die mitunter harsche Kritik, die auch von Frauenrechtlerinnen geäußert wurde, er sei "Opfer eines naiven Toleranzverständnisses" geworden, kann Van der Bellen nicht nachvollziehen. "Bei erwachsenen Frauen in allen Fällen zu unterstellen, das Kopftuch werde als Symbol der Unterwerfung unter dem Mann getragen, das finde ich in dieser Allgemeinheit nicht richtig."

In der angesprochenen Diskussion griff Van der Bellen auch zum Vergleich mit Dänemark in der Zeit der Besatzung durch Nazi-Deutschland. Damals hätten nicht-jüdische Dänen begonnen, den Davidstern zu tragen - als Geste des Widerstands gegen die Deportation von Juden. Abgesehen davon, dass letzteres historisch zumindest umstritten ist, stießen sowohl der Holocaust-Vergleich als auch die Kopftuch-Aussage sogar international auf negative Resonanz. "Mir ging es darum, ein Beispiel für zivilen Widerstand gegen die Einschränkung von Grundrechten zu finden. Aber das Beispiel des Judensterns hätte ich besser bleiben lassen sollen", räumt Van der Bellen im KURIER-Interview ein.

In der Diskussion um ein Kopftuch-Verbot gehe für Van der Bellen noch immer "das Grundrecht vor: Ich kann mich so kleiden wie ich will."

Die Langfassung des Interviews lesen Sie am Freitag auf Kurier.at