Politik | Inland
24.06.2018

Konflikt um 12-Stunden-Tag: Heile Bergwelt gegen Straßendemo

Regierung lockt Beamte am 30. Juni auf die Planai, während Gewerkschaft zu Großdemo aufruft.

Klimawandel in der heimischen Innenpolitik. Nach dem Ende der rot-schwarzen Koalition  ist nun auch die Sozialpartnerschaft einem Belastungstest ausgesetzt.

Die  Regierung schafft bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit  die Mitsprache der Belegschaftsvertreter in den Betrieben  ab. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache begrüßt das  ausdrücklich als  Errungenschaft seiner Partei.  Gewerkschafter hingegen werfen der FPÖ vor,  innerbetriebliche Demokratie auszuhebeln.

Wie immer man den Konflikt über die  Höchstarbeitszeit sieht – Faktum ist: Österreichs Konsensklima wandelt sich in ein Konfliktklima.

Ein  Showdown zeichnet sich am kommenden Samstag, den 30. Juni, ab. Die gesamte kommende Woche über werden die Gewerkschafter – und zwar rote und schwarze – zuerst in Betriebsrätekonferenzen und dann mittels Informationsveranstaltungen in den Betrieben ihre Mitglieder mobilisieren. Am Samstag rufen sie  dann zur Großdemonstration auf die Mariahilfer Straße nach Wien.

„Der Tag wurde nicht zufällig gewählt“, erfuhr der KURIER aus dem Gewerkschaftsquartier. „Wir wollen, dass aus Österreich auch andere Bilder in die Welt gehen als die von der Planai.“

Gemeint:  Kanzler Sebastian Kurz wird am 30. Juni im Rahmen eines Almfests auf der Schladminger Planai feierlich den EU-Ratsvorsitz  übernehmen. Diese Inszenierung  der heilen Bergwelt  will die Gewerkschaft mittels Bildern von empörten Arbeitnehmern in den Straßen Wiens konterkarieren.

Doch auch die Türkisen schlafen nicht. Dem KURIER liegt ein Mail vor,  in dem die Bundesregierung  die Ministeriumsbeamten mit einer Einladung auf die Planai lockt. „Gratis Seilbahnfahrt, Gipfelpicknick entlang des Panoramawegs, kulinarische und musikalische Highlights“ werden den Beamten in dem Mail angepriesen. Weiters heißt es, die Veranstaltung finde zwar nicht in der Arbeitszeit statt, es werde jedoch ein Bustransfer in die Steiermark angeboten.

Almfest gegen Straßendemo  lautet die Propagandaschlacht nächste Woche.