Politik | Inland
25.08.2018

Kneissl zu Tanz mit Putin: "Es war ein Knicks und kein Kniefall"

In St. Johann in Tirol hat die Außenministerin bei einem Polit-Talk erstmals öffentlich über ihre Hochzeit gesprochen. Der KURIER war dabei.

Am Freitagabend ist Außenministerin Karin Kneissl erstmals nach ihrer umstrittenen Hochzeit am vergangenen Samstag und einer kurzen Flitterwoche wieder auf die Polit-Bühne zurückgekehrt. Die Bühne ist eine kleine und steht in der „Gerberei“ in St. Johann in Tirol. 100 Gäste sind zu einem Polit-Talk gekommen, den der Alumni-Verein des örtlichen Gymnasiums veranstaltet. Die Vorsitzende des Vereins, Aloisia Wörgetter, sitzt mit Kneissl auf der Bühne und gibt ihr Stichworte. Ein Gespräch über die „heißen Thema“ der Politik wurde angekündigt.

Kritische Fragen muss die Politikerin an diesem Abend zunächst nicht fürchten. Wörgetter ist Botschafterin in Weißrussland und somit eine Beamtin des Außenministeriums. Nach einer Stunde Talk ist die Gemütlichkeit mit der Eröffnung einer Runde von Publikumsfragen aber zu Ende. Denn die Hochzeit Kneissls mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin als Ehrengast ist selbst ein heißes Polit-Thema geworden.

Empörter Besucher

Die Bilder von der Hochzeit hätten ihn „sprachlos“ gemacht, sagt der erste Besucher, der zu Wort kommt. „Ein Tanz hat Symbolsprache. Ein tiefer Knicks hat Symbolsprache“, sagt der Mann, der sich an eine Geste des russischen Hochadels vor dem Zaren erinnert fühlt und auch angesichts der internationalen Rezeption, in welcher der Knicks als Unterwerfung und Kniefall gewertet worden sei, eine Erklärung von der Außenministerin fordert.

„Ich bin die allerletzte, die sich unterwirft. Es war ein Knicks und kein Kniefall“, entgegnet Kneissl. Sie sehe sich auch nicht in der Tradition des russischen Hochadels. „Putin hat sich verbeugt und ich habe am Ende des Walzers spontan einen Knicks gemacht.“ Der Rest des Publikums hält sich mit Fragen zur Trauung in den steirischen Weinbergen zurück. Russland ist dennoch Thema. „Wir haben uns zur Neutralität verpflichtet. Wir dürfen bei den Sanktionen gegen Russland nicht mitmachen“, sagt ein älterer Herr.

"Nie ein Freund von Sanktionen"

Nicht zuletzt, weil die EU gegen Russland Sanktionen verhängt hat, wurde das Hofieren Putins durch die Außenministerin von Österreich, das gerade Ratsvorsitzender ist, auch international kritisch gesehen. „Wir ergehen uns in einer Sanktionitis. Da wird es verdammt schwierig, unternehmerisch tätig zu sein“, sagt Kneissl, nicht nur die Maßnahmen gegen Russland, sondern auch jene gegen den Iran und von den USA gegenüber China meinend. „Ich selbst war nie ein Freund von Sanktionen“, gesteht die Außenministerin ein.

Kneissl sieht "Erbsenzählerei" in der EU

Auch der Zustand der EU wird während des zweistündigen Talks immer wieder Thema. „Wir verlieren uns in der EU in Erbsenzählerei“, sagt Kneissl einmal. Und attestiert später: „Wir haben eine Krämerseele in Brüssel. Geht es, die großen Fragen, mit 28 an einem Tisch anzugehen. Sehr, sehr schwierig. Man muss eingestehen, es funktioniert nicht so, wie es jetzt ist.“ Trotzdem zu Lösungen innerhalb der EU zu finden, ist freilich in diesem Halbjahr gerade die Aufgabe der österreichischen Regierung.

Ein Interview mit Karin Kneissl lesen Sie am Sonntag im KURIER