Auswertung zeigt: Die FPÖ spricht am häufigsten von "woke". Wieso eigentlich?

85 Prozent aller Nennungen in Anfragen und Anträgen im Parlament kommen von der FPÖ.
Herbert Kickl im Parlament

In den USA ist "Wokeness" längst fixer Bestandteil des dort unverhohlen sogenannten "Kulturkampfes". 

Wobei jede Seite dabei ihre stets eigene Definition von "woke" ins Feld führt. Was für die einen bedachter Umgang mit diskriminierenden Äußerungen ist, steht für die anderen mitunter sinnbildlich dafür, "nichts mehr sagen zu dürfen". 

"Woke" sein geht aber auch hierzulande. Seit 2021 ist das Wort im Duden-Lexikon - und ist Teil der politischen Debatte im Parlament. Thematisiert wird "woke" dabei aber vor allem von einer Partei. 

Wie eine Auswertung des Parlamentsdienstes im Auftrag des SPÖ-Abgeordneten Mario Lindner zeigt, ist die FPÖ für 85 Prozent aller Nennungen im Hohen Haus verantwortlich. 

50 Mal kam zudem "trans/transgender" 2025 in Anträgen der FPÖ vor - über vier Mal so oft wie in allen Anträgen der vier restlichen Parteien. Ganze 95 Prozent der Nennungen von "woke" in Aussendungen seit 2023 stammen von der FPÖ.

"Die einzige Partei, die wirklich ständig vom Gendern, Trans und Woke-sein spricht, ist die FPÖ selbst. 5-6 Mal pro Woche, fast doppelt so oft wie alle anderen Parteien zusammen. Das grenzt an Besessenheit", kommentierte Lindner das Ergebnis gegenüber der APA. 

Für andere Parteien ein Minderheitenthema

Laut der Auswertung machen allen voran die Freiheitlichen "trans" zum Thema im Nationalrat. 117 Mal kam das Schlagwort in den letzten drei Jahren in Reden, Anfragen und Anträgen der Freiheitlichen vor, keine andere Partei schafft auch nur zehn Nennungen.

Auch von "Frühsexualisierung" sprechen quasi nur die Blauen. 67 Mal kam der Vorwurf - der sich oftmals gegen Dragqueens und Auftritte solcher vor Kindern richtete - in Anträgen und Anfragen vor. Auch hier gilt: Für die anderen Parteien ist das eher ein Minderheitenthema, keine andere Partei nutzte den Begriff öfter als vier Mal (Grüne). 

Ein nahezu identes Bild zeigt sich beim Begriff "woke", wo die FPÖ für 60 von 70 Nennungen verantwortlich ist. Auch das "Gendern" beschäftigt am meisten die Freiheitlichen, 54 Prozent aller Nennungen in den letzten drei Jahren stammen von Ihnen.

Auch bei den Presseaussendungen, die sich Gender oder Transpersonen widmen, ist die FPÖ absoluter Spitzenreiter. Mit 95 Prozent aller Nennungen des Wortes "woke" entstammen fast alle Aussendungen zum Thema einer blauen Feder. Auch die Schlagworte Gender (61 Prozent), trans (68 Prozent) oder Frühsexualisierung (73 Prozent) bringt zum größten Teil die FPÖ aufs Tapet. Insgesamt fand der Parlamentsdienst 802 Nennungen der untersuchten Begriffe in Aussendungen und im Parlament in den letzten drei Jahren.

Die FPÖ reiht sich damit in den rechten Themenkanon ein. Weltweit warnen rechte Parteien vor einer um sich greifenden "Wokeness". Überbordende Rechte einer Minderheit würden zu Lasten der Mehrheitsgesellschaft zu sehr in den Fokus gerückt, so der Vorwurf, mit dem auch Donald Trump und seine MAGA-Bewegung den Kulturkampf-Diskurs in Amerika dominieren.  

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