Impfen nur ein Teil der Apotheker-Strategie

Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr: „Patientenstrom-Steuerung“ bis telemedizinisches Angebot. Fortbildungstagung in Schladming.
Apotheke

In Zukunft soll es in den österreichischen Apotheken auch Impfungen geben. Was die Österreichische Ärztekammer bekämpft, ist nur ein Teil der Apotheker-Strategie. Ziel sei es, im Patientenstrom-Management mitzuwirken, erklärte Sonntagnachmittag die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr, zur Eröffnung der Fortbildungstagung der Apotheker in Schladming (8. bis 11. März).

Der "APOkongress" der Österreichischen Apothekerkammer befasst sich in diesem Jahr in Schladming mit dem Thema von "Biologika und Small Molecules an der Tara - von der Onkologie bis zur Dermatologie". Biotech-Medikamente mit monoklonalen Antikörpern als Leitsubstanzen und kleine, synthetisch herstellbare Wirkstoffe, welche gezielt in krank machende Prozesse eingreifen, haben in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten viele Bereiche der Medizin revolutioniert, zuvorderst die Onkologie und Autoimmunologie-Krankheiten (Rheuma etc.).

Am Beginn des jährlich stattfindenden Kongresses stehen aber traditionsgemäß Anmerkungen der Standesführung der Apothekerkammer. Sie hat in den vergangenen Tagen einen lang ersehnten Erfolg errungen. Die Bundesregierung will in Zukunft die Möglichkeit für die Vornahme von Impfungen in den Apotheken schaffen.

"Pflock" eingeschlagen

Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr am Sonntag: "Ich bin froh, dass die Bundesregierung hier einen "Pflock" eingeschlagen hat. Die Bundesministerin (Korinna Schumann/SPÖ; Anm.) wird das operationell umsetzen." Wichtig sei, dass das Ziel von Impfungen in den Apotheken nun angegangen werde. Viele der rund 1.400 Apotheken sind durch Ausbildungsprogramme bereits darauf vorbereitet.

Doch für die österreichischen Apotheker seien die Impfungen der Teil eines Gesamtprojekts für die Zukunft des Standes und die Krankheitsprävention abseits der bloßen Abgabe von Medikamenten. "Nur wenn ich (als Apotheke; Anm.) Dienstleistungspartner-Funktion habe, dann kann ich die Arzneimittel in den Apotheken halten", so die Kammerpräsidentin.

Umkämpfter Markt

Europaweit sind in den vergangenen Jahren vor allem Drogeriemärkte und Versandhandels-"Apotheken" in den Markt eingedrungen. Auf der anderen Seite haben die klassischen öffentlichen Apotheken auch in Österreich über ständig sinkende Margen in ihrem gesetzlich und sozialrechtlich eng umgrenzten Markt geklagt. In Deutschland gab es in der jüngeren Vergangenheit bereits viele Apotheken-Konkurse bzw. Stilllegungen.

Dem will die Österreichische Apothekerkammer mit zunehmend mehr Dienstleistungen begegnen. "Impfen in den Apotheken ist Teil eines Ganzen", sagte Ulrike Mursch-Edlmayr. Es handle sich jedenfalls um ein ganz wichtiges Präventionsthema. In der jüngeren Vergangenheit sind zum Beispiel Bluttests (Fingerkuppe) auf Cholesterin etc. breit eingeführt worden. Sie können als "Screening" für Risikopersonen verwendet werden.

Doch die sprichwörtliche "Reise" soll weitergehen. "Impfen ist eines der wichtigsten Präventionsthemen. Wir wollen einen Präventionsplan für Österreich." Diesen könnte man via E-Card individualisieren und für jeden Patienten individuell gestalten und speichern. Der zweite Teil im Bereich der Apotheken soll die Teilnahme an der Patientenstrom-Steuerung sein.

Hier könne, so die Kammerpräsidentin, der Weg von "betreuter Selbstmedikation" bis hin zu einem telemedizinischen Angebot in den Apotheken gehen. Wenn der sogenannte "Notfallparagraf" für die Abgabe von akut benötigten Arzneimitteln nicht mehr zum Tragen kommen könne, sollte es die Möglichkeit für einen "Telearzt" via Apotheke geben, der auch rezeptpflichtige Medikamente verschreibe. Sie würden dann in der Apotheke abgegeben. Dies sollte allerdings für Fälle gelten, die anders nicht zu einer akut notwendigen Versorgung kämen.

Man wolle und werde "ein Gesundheitszentrum" sein, sagte Ulrike Mursch-Edlmayr. Nur so würden die österreichischen Apotheken ihren Stellenwert im Gesundheitswesen behaupten können.

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