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Politik Inland
03/04/2021

Hausdurchsuchung bei Blümel: Ein Spaziergang mit dem Laptop im Kinderwagen

Ein IT-Experte erklärt, was passiert sein könnte.

von Raffaela Lindorfer

Nächster Akt in der Laptop-Causa um Gernot Blümel: Der ÖVP-Finanzminister und Wiener Landesparteichef besitzt zwar keinen dienstlichen Laptop – er arbeitet nur am Handy –, aber einen privaten Laptop, den er gemeinsam mit seiner Frau nutzt.

Als die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) diesen Laptop bei der Hausdurchsuchung am 11. Februar mitnehmen wollte, war er nicht da. Wie der Standard berichtete, fuhr die Frau des Finanzministers mit dem Laptop und dem gemeinsamen Baby im Kinderwagen spazieren. Blümel hatte sie angerufen, als er bei seinem Termin in der WKStA-Zentrale über die anstehende Hausdurchsuchung informiert wurde und sich mit den Ermittlern auf den Heimweg machte.

Laptop absichtlich mitgenommen?

Laut Protokoll wurde Blümels Frau dabei beobachtet, wie sie um 9.43 Uhr das Haus verließ. Die WKStA traf mit Blümel dort um 9.50 Uhr ein, das Fehlen des Laptops wurde bemerkt. Blümels Kabinettschef vereinbarte daraufhin mit der Frau einen Treffpunkt auf dem Spazierweg und holte den Laptop ab. Um 10.36 Uhr wurde er den Ermittlern übergeben.

Sofort unterstellte die Opposition, der Laptop sei absichtlich versteckt, die Inhalte vielleicht gelöscht worden. In Blümels Büro weist man den Verdacht, dass man versucht habe, etwas verschwinden zu lassen, zurück. Der Finanzminister habe die Ermittler ja selbst auf den Laptop hingewiesen, deshalb wurde auch danach gesucht.

Spuren bleiben am Laptop

Theoretisch, so IT-Experte Markus Häfele von Attingo, einem Wiener Unternehmen, das auf Datenrettung spezialisiert ist, ließe sich in diesem Zeitraum locker der gesamte Inhalt eines Laptops löschen.

Der Erfolg so einer Aktion hänge freilich von den IT-Kenntnissen des Löschenden ab. Ein Profi löscht auf Rohdaten-Basis alles, hinterlässt keine Spuren. Löscht man aber auf herkömmliche Weise, dann bleibt im Dateisystem ein Eintrag, erklärt Häfele. Und dort ist der Zeitpunkt der letzten Änderung (sprich: Löschung) angeführt.

Im Fall Blümel ließe sich nachverfolgen, ob jemand während des Spaziergangs Daten vernichten wollte. Der Haken: „Bei modernen Laptops mit SSD-Festplatte sind gelöschte Daten binnen Sekunden ganz weg und können kaum noch rekonstruiert werden“, erklärt Häfele. Dafür müsse man kein Profi sein. Ermittler sehen in dem Fall, dass etwas da war, aber nicht was genau.

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