EUROPÄISCHES FORUM ALPBACH 2017: INTERVIEW SCHELLING

Ex-ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling

© APA/BARBARA GINDL / BARBARA GINDL

wirtschaft von innen
02/19/2021

Glücksspiel: Ex-Finanzminister Schelling prüfte Beratungsangebote

SMS im Casinos-Akt über Vereinbarkeit von Jobs für Sazka und Novomatic. Schelling: Angebote, aber nicht tätig geworden

von Andrea Hodoschek

Ehemalige Minister sind bei Unternehmen als Berater meist sehr gefragt. Der einstige Top-Manager, Unternehmer und Ex-ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling ist offenbar ganz besonders begehrt. Nicht nur beim russischen Energie-Giganten Gazprom, sondern auch in der Glücksspielbranche.

Unter der Ordnungsnummer 1118 findet sich im Casinos-Akt seit der Hausdurchsuchung bei Finanzminister Gernot Blümel ein SMS, das Schelling am 8. 2. 2018 an Ex-Novomatic-Chef Harald Neumann schickte. Darin informiert er Neumann, dass die Sazka Group mit seinem Unternehmen einen Beratervertrag abschließen wolle, siehe Faksimile. Schelling bezieht sich auf eine von Neumann angebotene Aufsichtsratstätigkeit für Novomatic in Deutschland und ersucht um ein kurzfristiges Telefonat.

Schelling war erst knapp zwei Monate zuvor mit dem Platzen der rot-schwarzen Regierung am 18. Dezember 2017 als Minister abgetreten. Während seiner Amtszeit hatte er intensiv mit beiden Konzernen zu tun. Als Finanzminister war er Eigentümervertreter der teilstaatlichen Casinos Austria-Gruppe, um die Novomatic und Sazka heftig ritterten, sowie oberster Aufseher über die Branche. Unmittelbar vor Schellings Abschied gab das Finanzministerium noch grünes Licht für einen weiteren Einstieg der Tschechen, was eine österreichische Lösung für die Casag letztlich verhinderte.

Bei dieser engen Verknüpfung mit der Gaming-Branche wäre wohl eine längere Cooling-off-Phase angemessen gewesen. Doch Schelling sieht keine Unvereinbarkeit, da er weder für Sazka noch für Novomatic tätig gewesen sei. „Ich wurde aktiv gefragt, habe mir das angehört, Fragen gestellt und mich dann entschieden, beides nicht zu machen“, sagte Schelling gegenüber dem KURIER. Zwischen Interesse und es zu tun sei ein „doch wohl ein großer Unterschied“. Er habe viele andere Angebote von Unternehmen angehört, aber außer bei Nord Stream 2 überall abgesagt. Beim umstrittenen Pipeline-Projekt ist Schelling inzwischen nicht mehr dabei.

Das Interesse an Sazka und Novomatic dürfte doch etwas intensiver gewesen sein. Laut dem SMS-Text hatte Schelling immerhin bei „Karel“ (Sazka-Eigentümer Karel Komarek) die Vereinbarkeit mit einem Novomatic-Mandat abgeklopft.

Bei Novomatic heißt es dazu, Schelling sei „in keiner Weise“ für das Unternehmen tätig gewesen, auch nicht als Aufsichtsrat einer Tochtergesellschaft. Ein Sazka-Sprecher betont, man könne nur erneut bestätigen, weder Schelling noch eine seiner Firmen stehe oder stand bei der Sazka Group unter Vertrag. Von einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Novomatic und Schelling habe man keine Kenntnis.

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