Politik | Inland
23.11.2018

Frauen in der Politik: "Unter Männern ist der Ton rauer"

Was die "harten Kerle" in der Parteipolitik über ihre weiblichen Kollegen sagen.

Wenn an diesem Samstag mit Pamela Rendi-Wagner die erste Frau an die Spitze der SPÖ und damit der ältesten Partei des Landes gewählt wird, ist damit eine weitere politische Spitzenfunktion in weiblicher Hand. Wie sehen eigentlich prononcierte männliche Politiker diese Entwicklung? Gibt es so etwas wie eine weibliche Politik? Und wie haben Frauen die politischen Debatten, Funktionen und Entscheidungen verändert?

Der KURIER befragte jene Funktionäre, die bisweilen als "harte Kerle" und  „Kettenhunde“ bezeichnet werden – weil sie ihre Konkurrenz für gewöhnlich besonders scharf attackieren: die Generalsekretäre.

Wie also beurteilen die Parteimanager das Wirken von Frauen in der Politik? 

„Frauen haben eigene Blickwinkel, eigene Lebenserfahrungen – nicht zuletzt deshalb sind sie enorm wichtig“, sagt Karl Nehammer, Generalsekretär der ÖVP.

Nehammer beobachtet – frauenbedingt – eine deutliche Änderung der Sitzungskultur: „Jüngere Männer übernehmen die Verhaltensweisen von Frauen. Auch sie wollen nicht mehr endlos lang diskutieren, sondern schneller zum Punkt kommen – etwa, weil sie zu ihren Kindern nach Hause wollen.“

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hatte mit Marlene Svazek eine weibliche Co-Generalsekretärin und ist voll des Lobes: „Frauen haben andere Zugänge.“ Der Freiheitliche meint ebenfalls eine Änderung des Sitzungs- und Verhandlungsklimas auszumachen: „Sie heben das Niveau in Sachen Charme und Freundlichkeit.“

Charme und Freundlichkeit? Parlamentarier Reinhold Lopatka war Staatssekretär und Generalsekretär. Und in allen Funktionen konnte er Ähnliches beobachten. „Wenn Männer unter sich sind, ist der Ton rauer, es fallen öfter unüberlegte Äußerungen.“ In Sachen Fleiß und Gewissenhaftigkeit seien Frauen mehr als ebenbürtig. „Sie sind unglaublich belastbar, und das ist auf allen Ebenen ein Gewinn.“

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda pflichtet den Kollegen zwar bei, dass „weniger Testosteron oft mehr Eleganz bringt“.

Dem Sozialdemokraten geht es aber um mehr als um den guten Ton: „Politische Lösungen profitieren auch inhaltlich, wenn Frauen entscheiden.“ Das habe er, Drozda, nicht nur in der Politik, sondern auch im Kultur-Management gesehen: „Es ist empirisch belegt, dass Entscheidungen an Qualität gewinnen, wenn das Gremium möglichst divers ist.“

In der Debatte um den „guten Ton“ dürfe man freilich nicht vergessen, dass Politikerinnen seit jeher viel zu kämpfen hatten. Drozda: „Ich stehe da unter dem Eindruck von einer Johanna Dohnal oder einer Herta Firnberg. Sie haben selbstverständlich gewusst: Wer etwas durchsetzen will, der muss auch eine gewisse Bestimmtheit an den Tag legen.“