Strache und die Kameras: Foto vom Tag der Nationalratswahl im Oktober 2017.

© KURIER/Jürg Christandl

Politik Inland
10/30/2019

FPÖ stieg aus: Kommt der Strache-Kinofilm noch?

"Ein Drehbuch, das das Schicksal schreibt": Regisseur Barylli weiß selbst nicht, wann seine Strache-Doku herauskommt.

Im Herbst 2018 begann Regisseur und Schriftsteller Gabriel Barylli, den damaligen FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache mit Kameras für einen Dokumentarfilm zu begleiten. Der Film mit dem Arbeitstitel "Ein Jahr mit HC Strache" sollte in diesem November in die Kinos kommen.

Im ORF-"Report" erzählt Barylli, dass das Werk aber wohl nicht so bald fertig wird. Die Entstehung sei nach den Ereignissen von 2019 - Ibiza-Video und Spesenaffäre - "ein ergebnisoffener Prozess". Die Geschehnisse seien "mehr als ein Tsunami" gewesen, und "die Erzählstruktur des Drehbuchs, das das Schicksal schreibt, ist ja noch offen".

Gemeinsamer Ibiza-Urlaub

Ex-Parteichef Strache und Regisseur Barylli sind befreundet und stehen sich auch ideologisch nahe. Beim Opernball im Februar wusste Strache den Künstler ebenso an seiner Seite wie in einem Ibiza-Urlaub im vergangenen Juli.

Die Idee für den Film sei einst von Strache selbst gekommen, die Produktionskosten habe die FPÖ getragen. Wie hoch sein Honorar ist, will Barylli nicht sagen. Bezahlt habe es die Partei jedenfalls bereits.

"Kein Interesse"

Die FPÖ will aber nichts mehr mit dem Kinofilm zu tun haben. In einer Antwort an den ORF heißt es von den Freiheitlichen: "Das Film-Projekt wurde seinerzeit von Heinz-Christian Strache kreiert und auch beauftragt. Die FPÖ hat das Projekt nach dem Ende der Koalition (…) gestoppt. An einer Fertigstellung des Films hat die FPÖ kein Interesse."

Da die Koalition im Mai zerbrach, musste Barylli sein "Jahr mit HC Strache" also schon nach rund der Hälfte der Drehzeit ohne Sanktus der FPÖ weiterführen.

Barylli berichtet, 30 Drehtage habe man für den Film bereits hinter sich. Gefilmt wurde auch noch nach Straches Rücktritt am 18. Mai. Gedreht wurde laut ORF auch am 12. August - dem Tag, an dem eine Hausdurchsuchung bei Strache wegen der Umstände der Bestellung des FPÖ-Politikers Peter Sidlo zu einem der Casinos-Austria-Vorstände stattfand.

Entscheidend für eine etwaige spätere Veröffentlichung des Dokumentarfilms dürfte sein, was im Vertrag oder den Verträgen zwischen Regisseur Barylli und dem damaligen FPÖ-Obmann Strache steht.

Sollte es der Strache-Film doch noch in die Kinos schaffen, ist nicht mit einer kritischen Aufarbeitung der Ereignisse der vergangenen Monate zu rechnen. Barylli dürfte seinem Freund eher eine filmische Hagiographie widmen wollen. "Ich gehe von einem liebevollen Ansatz aus", sagt der Regisseur. Da bekomme man "hundertmal mehr" als mit einem kritischen Ansatz.

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