Norbert Hofer

Norbert Hofer will der FPÖ auch eine urbane Ausrichtung geben

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Politik Inland
09/04/2019

FPÖ-Parteitag ohne Strache - Hofer: "Jeder ist verzichtbar"

Norbert Hofer wird am 14. 9. offiziell Parteichef. Wie er den Blauen ein neues Profil geben will.

von Ida Metzger

Eine neue Ära beginnt. Heinz-Christian Strache ist Geschichte – er kommt nicht zum Parteitag am 14. September. Norbert Hofer wird in Graz offiziell zum Parteichef gekürt. Der stets schmeichelweiche Hofer wird der Partei seinen Stempel aufdrücken und die Distanzierung von Strache wird immer größer.

KURIER: Herr Hofer, am 14. September werden Sie offiziell zum neuen Parteiobmann gekürt. Unter welches Motto werden Sie den Parteitag stellen?

Norbert Hofer: Es gibt viel zu tun. Der Parteitag steht unter dem Motto Erneuerung. Ich möchte in die Breite gehen, um neue Wähler anzusprechen. Es muss künftig mehr FPÖ-Bürgermeister, mehr blaue Gemeinderäte geben und auch in den Kammern möchten wir hier stark auftreten. Ein wichtiges Ziel: Wir brauchen eine Antwort auf das Modell der Urbanisierung. Die FPÖ ist sehr stark im ländlichen Raum, aber uns fehlen die Wähler im städtischen Bereich. Wir wollen ein Modell der urbanen FPÖ mit einem sehr modernen Auftritt entwickeln.

Welche Ideen gibt es da?

Ich habe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, wo auch ausländische Experten mitarbeiten, um dieses neue Modell zu entwickeln. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Wer sind diese Experten?

Es sind Experten, denen ich seit drei Jahren vertraue, und die mich schon jetzt im Wahlkampf beraten.

Sie wollen ein Durchgriffsrecht innerhalb der Partei. Wollen Sie die FPÖ intern nach einem Modell wie Sebastian Kurz die ÖVP führen?

Mir ist wichtig, dass ich im Fall des Falles sofort reagieren und im Bedarfsfall auch hart durchgreifen kann. Das ist mit den FPÖ-Landeschefs so abgestimmt und soll am Parteitag in den Statuten verankert werden.

Als Philippa Strache einen sicheren Listenplatz für ein Mandat bekam, interpretierte man den Schachzug so, dass die FPÖ nicht auf den Namen Strache verzichten kann. Philippa Strache spielt jedoch keine Rolle im Wahlkampf. Ein nächster Schritt der Abnabelung?

Man kann auf jeden verzichten. Die FPÖ hat auf Haider verzichtet und hatte eine gute Zukunft. Die FPÖ wird irgendwann einmal auf Hofer oder Kickl verzichten müssen. Man darf eine Partei nicht auf einen Namen reduzieren. Das ist ein echtes Risiko, wenn alles an einer Person hängt. Was die FPÖ ausmacht, sind die Inhalte.

Wie war Straches Reaktion, als er erfuhr, dass er nur mehr einfacher Redakteur seiner Facebook-Seite ist?

Die Begeisterung von ihm war nicht riesig groß, aber es war auch Verständnis da, dass die Seiten im Wahlkampf zentral koordiniert werden.

Wessen Idee war das Paartherapie-Video, das eine peinliche Anbiederung ist?

Das gab es bis jetzt nicht, dass eine Partei vor der Wahl sagt, was sie will. Aber wir biedern uns nicht an. Wenn die ÖVP unbedingt mit den Grünen zusammengehen will und den Herrn Kogler zum Vizekanzler und die Frau Maurer zur Familienministerin machen will, dann wünsche ich viel Glück. Ich glaube, das funktioniert nicht. Aus den Fokusgruppen wissen wird, dass die wichtigste Frage für die Österreicher ist: Geht es mit dieser Koalition weiter? Wir wollen das. Das Video ist eine humorvolle Form, das zu zeigen.

Sehen Sie sich nicht vor dem Problem, dass die ÖVP immer mehr Hürden wie das Identitären-Verbot aufstellt?

Die Identitären sind nicht mein Thema. Ich will diese Gruppe nicht groß machen, und es ist am besten, man erwähnt sie nicht. Wir gehen mit der Position in die Verhandlungen hinein, dass Herbert Kickl wieder Innenminister wird.

Steht der Partei eine Spaltung bevor, wenn sie nicht in die Regierung kommt?

Wenn die FPÖ nicht in die Regierung kommt, wird sie bei den Umfragen auf 30 Prozent klettern. Da befürchte ich gar nichts.