Politik | Inland
15.11.2018

FPÖ-"Kontrollverlust": Wo die blauen Grafiker danebengriffen

Das "Pech gehabt, Ali" Video ist kein Einzelfall. Schon mehrmals zuvor erregten Sujets der Freiheitlichen die Gemüter.

Aus „Pech gehabt, Ali“ könnte bald „Pech gehabt, FPÖ“ werden. Jenes Video, das von der FPÖ als Beispiel für Missbrauch der E-Card auf Facebook hochgeladen wurde, sorgte nicht nur in den Sozialen Medien für herbe Kritik. Nachdem die NEOS eine Sachverhaltsdarstellung gefordert hatten, hat nun auch Angewandte-Rektor Gerald Bast Anzeige wegen Verhetzung erstattet.

Dabei hatte die FPÖ schon zuvor versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben. Das Video wurde von Facebook und dem YouTube-Kanal von FPÖ-TV entfernt, Vizekanzler Strache erklärte, er habe mit dem Video "keine Freude". Das Controlling hätte versagt.

FPÖ entschuldigt sich für Video

So schnell hatten die Freiheitlichen zuvor selten auf Kritik über ihre Plakate oder Fotomontagen reagiert. Dass die blaue Grafikabteilung aber nicht zum ersten Mal danebengriff, zeigt ein Blick auf vergangene Aufreger.

Erst im Oktober kassierten die Freiheitlichen Arbeitnehmer und ihr Obmann Bernhard Rösch eine Anzeige wegen des Verdachts auf Verhetzung. Grund dafür war die freiheitliche Kommunikation zur Indexierung der Familienbeihilfe für im EU-Ausland lebende Kinder. In sozialen Netzwerken kursierte dazu ein Sujet mit FPÖ-Logo und dem Slogan " Regierung kürzt Geld für Kinder im Ausland" und dem Bild einer dunkelhäutigen, kopftuchtragenden Frau an. Im Begleittext dazu hieß es: "Unser Geld für unsere Kinder!"

Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) selbst teilte auf Facebook zur Kürzung der Familienbeihilfe Mitte Oktober ein Sujet der "FPÖ Freiheitliche Arbeitnehmer", auf dem zwei fröhliche Kopftuchträgerinnen mit Geldscheinen zu sehen sind. Die Kürzung betrifft freilich vor allem Kinder in Ungarn, der Slowakei, Polen und Rumänien. Für Kinder außerhalb des EU- und EWR-Raums wird hingegen überhaupt keine Familienbeihilfe gezahlt.

Nicht Rassismus, sondern Sexismus lautete der Vorwurf nach einer Kampagne der FPÖ Linz im Sommer dieses Jahres. Das Plakat zeigt den Oberkörper einer Frau im Bikini, deren Gesicht nicht zu sehen ist und auf deren Brust der Schriftzug "Stolz auf Linz" tätowiert ist.

Auch die Grazer FPÖ hatte 2016 für einen Fauxpas gesorgt. Unter dem Slogan "Fremd im eigenen Haus - Gemeindewohnungen zuerst für Grazer"- warb die FPÖ Graz für eine neue Unterschriftenaktion. Illustriert wurde das Begehren mit dem Bild einer 16-köpfigen arabischen Familie, deren Mitglieder allesamt nicht sonderlich freundlich bei der Tür hereinschauen.

Die Grafik war nicht selbst erstellt. Dahinter steckte ein Bild, das auf den gängigen Bildagenturen unter dem Schlagwort "happy muslim arabic family" zu finden war. In der FPÖ-Version hatte man den Familienmitgliedern allerdings das Lächeln aus dem Gesicht retuschiert und sie grimmig dreinblicken lassen.

Für einen Eklat der etwas anderen Art sorgten die FPÖ Bauern bereits im Jahr 2010 mit einem Plakat. Neben dem Spitzenkandidaten Alois Nußbaumer war darauf das Bild einer Kuh abgebildet, darunter war auf gelbem Hintergrund der Schriftzug „Reinrassig & Echt“ zu sehen. Das Plakat habe aber nichts mit Rassismus zu tun, sondern habe lediglich einen landwirtschaftlichen Zusammenhang, erklärte Nußbaumer damals. In der Landwirtschaft sei reinrassig ein gängiger Begriff, teilte die FPÖ der APA mit.

Blümel (ÖVP) gegen Hass im Netz