Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling

© Peter Provaznik/Welldone

Politik Inland
06/22/2020

Ex-Minister Schelling leitet Thinktank: Neues Weißbuch zum Gesundheitssystem

Der ehemalige Finanzminister Hans Jörg Schelling leitet den Thinktank "Praevenire", der sich mit der Zukunft des Gesundheitssystems befasst.

von Michael Bachner

Er kommt gerade aus dem Weingarten, als ihn der KURIER am Telefon erreicht. „Der Grüne Veltliner soll hervorragend gegen Corona immunisieren“, scherzt Hans Jörg Schelling sogleich, um dem ernsten Interview-Thema sozusagen die Spitze zu nehmen.

Der Ex-Finanzminister (bis Ende 2017) und vielfach ausgezeichnete Winzer (Stiftsweingut Herzogenburg) hat zu einer seiner früheren Wurzeln zurückgefunden und ist heute auch Präsident von „Praevenire“, dem größten Thinktank für das österreichische Gesundheitssystem.

Dessen wichtigste Initiative: Mehr als 600 Experten arbeiten seit dem Vorjahr in 15 Themenkreisen an einem Weißbuch zur Zukunft des heimischen Gesundheitssystems im Jahr 2030. Aus aktuellem Anlass werden mögliche Lehren aus der Corona-Krise als zusätzliches Kapitel aufgenommen. Die Arbeiten daran laufen.

Der Hintergrund: Schelling war vor seiner Zeit im Finanzministerium Präsident im Hauptverband der Sozialversicherungsträger und kennt all die Doppelgleisigkeiten, Schnittstellenprobleme und Fragen der „undurchsichtigen und komplexen Finanzierung“. Schelling sagt: „Die beiden Kostentreiber sind die älter werdende Bevölkerung und vor allem der gigantische permanente medizinische Fortschritt.“

Folgerichtig reicht die Themenpalette im geplanten „Praevenire“-Weißbuch, das im Oktober präsentiert werden wird, von der Prävention bis zur Rehabilitation, von den Gesundheitsberufen bis zur Pflege, aber auch bis hin zu Fragen der Infrastruktur und weiteren Digitalisierung in der Medizin.

Lehren aus der Corona-Krise

Hier verstecken sich auch mögliche „Learnings“ aus der Corona-Zeit.  Schelling – der dezidiert keine anderen politischen Themen kommentieren will – sagt: „Die Krise hat gezeigt, dass bestehende Einrichtungen schnell überfordert sein können. Der verstärkte Einsatz von digitalen Hilfsmitteln während der Corona-Krise hat vorgezeigt, wie Telemedizin in Zukunft aussehen könnte. Beispielsweise ist die Möglichkeit des E-Rezepts grundsätzlich eine Erleichterung für die Patientinnen und Patienten.“

Jedoch habe sich auch gezeigt, so die Einschätzung des Experten, dass man die ärztliche persönliche Begleitung der Patienten nicht außer Acht lassen darf, da hier „ein Austausch über Notwendigkeit bzw. Wirkung einer Therapie stattfindet“. Daher sei auch der eingeschränkte Zugang zum Gesundheitssystem für Nicht-Corona-Patienten während der Krise ein Thema, so Schelling. Es dürfe im Sinne eines „patientenorientierten Gesundheitssystems“ für künftige Krisen nicht außer Acht gelassen werden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.