Politik | Inland
20.11.2018

Europas Juden ehren Kurz mit "Jerusalem Navigator"

Kantor bei Festessen am Vorabend der EU-Konferenz zu Antisemitismus: "Wahrer Freund des jüdischen Volkes"

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ist vom Europäischen Jüdischen Kongress (EJC) mit dem Ehrenpreis "Jerusalem Navigator" ausgezeichnet worden. "Sie haben bewiesen, dass sie ein Mann von Grundsätzen und Visionen sind und ein wahrer Freund des jüdischen Volkes", sagte EJC-Präsident Moshe Kantor am Dienstagabend bei der Übergabe des Preises in Wien.

President of the European Jewish Congress Kantor talks during an interview with Reuters in Vienna

Bei einem Festessen am Vorabend der von Kurz veranstalteten EU-Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus in Wien dankte Kantor dem Kanzler dafür, dass er die Frage des Antisemitismus und der Sicherheit des jüdischen Volkes zur Priorität gemacht habe. "Beim Blick auf die dunkelsten Kapitel Österreichs haben Sie sich nicht vor der historischen Wahrheit gedrückt, sondern Sie nahmen sie an mit der Verantwortung eines großen Staatsmannes", sagte der EJC-Präsident bei einem Dinner im Naturhistorischen Museum, an dem auch der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (JWC), Ronald Lauder, teilnahm.

Kantor zeigte sich auch erfreut über die "Blüte" der Beziehungen zwischen Österreich und Israel, da der jüdische Staat "unseren Herzen sehr nahe liegt". "Als sie erklärten, dass die israelische Sicherheit Österreichs Staatsräson ist, bedeutete uns das sehr viel." Als Dankeschön "für alles, was sie für Europas jüdische Gemeinden getan haben" überreichte Kantor nach seiner Rede dem Kanzler den Preis " Jerusalem Navigator", den zuvor etwa der belgische Ex-Premier Yves Leterme oder der italienische Außenminister Angelino Alfano erhalten hatten. "Ich bin sicher, dass sie den Weg nach Jerusalem auch ohne Navigator finden werden", fügte Kantor hinzu.

Die Hauptrede beim Festessen im Naturhistorischen Museum hielt der Holocaust-Überlebende Arik Brauer, der heuer schon anlässlich des Staatsakts zum Kriegsende am 8. Mai mit seiner Rede über seine persönlichen Erfahrungen berührt hatte. Kurz und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) hatte er dabei ins Stammbuch geschrieben, "mit Geduld und Freude die Kritik und Kontrolle der Öffentlichkeit zu ertragen - je mehr davon, umso besser".