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Politik Inland
05/26/2019

EU-Wahl: "Kanzler Kurz"-Sprechchöre in ÖVP-Parteizentrale

Die ÖVP legt bei der EU-Wahl deutlich mehr zu als alle Umfragen vor dem FPÖ-"Ibizagate" erwarten ließen.

Der ÖVP haben der Crash der türkis-blauen Koalition und der Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) drohende Misstrauensantrag alles andere als geschadet: Sie legt bei der EU-Wahl deutlich mehr zu als alle Umfragen vor dem FPÖ-"Ibizagate" erwarten ließen. Laut APA/ORF/ATV-Trendprognose kann die ÖVP mit dem größten Plus und dem höchsten Stimmenanteil aller Parteien bei den nunmehr sechs EU-Wahlen rechnen.

Immer wieder erschallten in der ÖVP-Zentrale "Kanzler Kurz"-Sprechchöre. Die Volkspartei sei im Team angetreten, sagte Nehammer. „SPÖ und FPÖ werden angesichts des Wahlergebnisses heute Nacht intensive Sitzungen haben. Aber ändern wird sich eher nichts“, sagte der ÖVP-Generalsekretär. Er geht also davon aus, dass Kurz morgen trotzdem abgewählt werden wird.

Spitzenkandidat Othmar Karas und Listenzweite Karoline Edtstadler hätten Großartiges geleistet. Kurz habe sich dann in den letzten zwei Wochen intensiv in den Wahlkampf eingebracht, reklamierte Nehammer den Erfolg auch für den Parteichef.

"Besättigung für den Kurs"

ÖVP-Listenzweite Karoline Edtstadler hat durch den sich nach der ersten Trendprognose abzeichnenden Erfolg der Volkspartei bei der EU-Wahl Bundeskanzler Sebastian Kurz gestärkt gesehen. "Das ist eine klare Bestätigung für den Kurs in Österreich, den wir nun auf europäischer Ebene fortsetzen wollen", meinte Edtstadler.

"Wenn man der innerstaatlichen Entwicklung der vergangenen Woche etwas Positives abgewinnen möchte, dann dass die Menschen bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg waren", sagte Edtstadler. Zudem seien dadurch voraussichtlich mehr Menschen zu den Wahlurnen gekommen, spielte sie auf die höhere Wahlbeteiligung an.

Auch für das morgen drohende Misstrauensvotum im Parlament sah Edtstadler den Bundeskanzler "wirklich gestärkt". Die Menschen hätten gezeigt, dass sie mit dem eingeschlagenen Weg zufrieden seien.

Familienministern Juliane Bogner-Strauß, die Nehammer nach Erscheinen der Trendprognose umarmt hatte, bezeichnete den sich abzeichnenden Erfolg als "Belohnung für die Arbeit, die wir geleistet haben". "Es zeigt, das wir gut gearbeitet haben."

Die ÖVP hat der SPÖ nicht nur nachhaltig - zum dritten Mal in Serie - Platz 1 abgenommen, sondern auch den EU-Rekord. Der lag bisher bei den 33,33 Prozent, die die SPÖ im Jahr 2004 holte. Damals gab es ebenfalls schwere Turbulenzen der schwarz-blauen Regierung - aber die SPÖ profitierte davon mit einem leichten Plus und der klaren Verteidigung von Platz 1 gegenüber der ÖVP.

Der heutige Triumph ist wohl nicht wirklich der Europapolitik der ÖVP und auch nicht dem Spitzenkandidaten Othmar Karas gedankt - sondern der Tatsache, dass Kurz und die Volkspartei innenpolitisch den Regierungscrash zu ihrem Vorteil nutzten. Laut der Prognose kann die ÖVP - die 2014 auf 26,98 Prozent kam - heute mit einem Plus von 7,5 Prozentpunkten auf 34,5 Prozent rechnen. Das ist sehr viel mehr als die Umfragen vor Auftauchen des Ibiza-Videos zeigten: Da lag die ÖVP meist knapp unter, selten über 30 Prozent; 31 Prozent waren das höchste, was der ÖVP prognostiziert wurde.