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Politik Inland
10/18/2019

Ein knuspriges Weihnachtsgansl

Der gefürchtete Verhandler Fritz Neugebauer wusste, dass ein gutes Ergebnis oft lange braucht - und zog einen Küchenvergleich

von Daniela Kittner

Seit der Volksabstimmung über den Brexit sind mehr als drei Jahre vergangen. Nach unzähligen Turbulenzen könnte es in allerletzter Minute doch noch eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien geben. Damit wäre das Schlimmste vermieden.

Der langjährige frühere Beamtengewerkschaftschef Fritz Neugebauer, ein gefürchteter Verhandlungsgegner, pflegte zu sagen: „Das Gansl wird in den letzten fünf Minuten knusprig.“ Soll heißen: Man muss oft einen langen Weg gehen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Was lernen wir daraus für die Regierungsbildung?

Erstens, in der Politik sind überraschende Wendungen in letzter Minute nie auszuschließen. Wird’s zum Schluss doch noch Türkis-Rot? Jedenfalls hat die SPÖ am Donnerstag überraschend schnell erklärt, dass sie mit Sebastian Kurz in echte und exklusive Regierungsverhandlungen eintreten möchte.

Zweitens, durchs Reden lernt man einander besser kennen. Emotionen und Vorurteile aus dem Wahlkampf lassen sich abbauen, auch inhaltlich lernen die Parteien, die roten Linien des Gegenübers besser einzuschätzen.

Sebastian Kurz hat in seiner ersten Kanzlerschaft die Gesprächsfähigkeit zur Opposition vernachlässigt. Das kann er jetzt im Zuge der Sondierungen nachholen. Er wird die guten Kontakte brauchen können, insbesondere, falls am Ende eine türkis-grüne Koalition ohne Mehrheit im Bundesrat heraus kommt.

Drittens, gut Ding braucht manchmal etwas länger, wenngleich drei Jahre wie in Großbritannien doch etwas übertrieben scheinen. Durch diese Sonderwahl gab’s ohnehin Monate des Stillstands. Oder, frei nach Neugebauer, ein knuspriges Weihnachtsgansl sollte sich ausgehen.

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