Politik | Inland
27.04.2018

Duell um Innsbruck: Zwei Gegner, die gemeinsam regieren wollen

Herausforderer Willi und Bürgermeisterin Oppitz-Plörer stehen im Falle einer Niederlage auch als Stadträte bereit

Am 6. Mai entscheidet sich in einer Stichwahl, ob Innsbruck einen grünen Bürgermeister bekommt oder die bürgerliche Stadtchefin (Für Innsbruck) behält. Dem KURIER gaben die Kontrahenten ihr erstes gemeinsames Interview nach dem ersten Wahlgang und vor dem entscheidenden Duell.

KURIER: Frau Bürgermeisterin, Ihr Wahlslogan lautet „Zusammenarbeit“. Können sie sich eine mit Georg Willi vorstellen?

Christine Oppitz-Plörer: Selbstverständlich. Und ich hoffe sogar, dass wir zusammenfinden und zusammen arbeiten können.

Und in welcher Konstellation?

Durch den Einzug der FPÖ in den Stadtsenat hat dieser jetzt fünf und nicht mehr vier Fraktionen. 2012 hatte ich den Grundsatz, dass alle im Stadtsenat vertretenen Parteien mitarbeiten sollen. Dieses Angebot lasse ich aufrecht. Ich traue mir zu, wenn ich Bürgermeisterin werde, dass sich alle mit einer Ressortverantwortung beteiligen.

Ist das für Sie überhaupt eine Option, Herr Willi? Sie schließen die FPÖ ja aus.

Georg Willi: Ich habe großen Respekt, dass die Bürgermeisterin 2013 gesagt hat, mir kommen die Burschenschafter nicht in die Messe hinein. Jetzt ist einer von denen auf der Liste vom Rudi Federspiel (FPÖ-Chef). Und wenn ich mir seine Konzepte anhöre, dann merke ich: ER grenzt aus. Wir müssen die Stadt weiterentwickeln und weiterbauen. Mit der FPÖ sehe ich keine Schnittmengen. Sie soll die wichtige Rolle der Kontrolle ausüben.

Befürchten Sie, dass die Grünen als stimmenstärkste Partei vielleicht gar nicht in die Regierung kommen?

Ich denke das nicht. Von der Verteilung her wäre es rechnerisch möglich. Aber ich denke, wir werden an einer Regierung beteiligt sein. Ich hoffe, dass wir eingebunden werden, auch wenn ich nicht Bürgermeister werden sollte.

Frau Oppitz-Plörer, Sie haben gesagt, dass es mit Ihnen den von Willi geforderten Ausbau der Straßenbahn und den Bau von 8000 neuen Wohnungen nicht geben wird. Sind das schon rote Linien für Verhandlungen?

Oppitz-Plörer: Es gibt keine roten Linien vor Koalitionsverhandlungen. Verhandlungen haben das Wesen in sich, dass man erst einmal verhandelt. Bei den Programmen der anderen Senatsfraktionen sehe ich aber, dass es beim Straßenbahnbau in den Dimensionen, die die Grünen wollen, ganz wenig Schnittmengen gibt. Das Tempo, das wir mit den Bürgern in den vergangenen Jahren gegangen sind, war enorm. Es braucht jetzt auch einmal Zeit zum Luft holen. Wir haben ja auch noch genug fertigzustellen.

Gibt es unter Georg Willi keine Atempause für Die Stadt?

Willi: Innsbruck ist eine wachsende Stadt. Das finden manche nicht gut. Ich stelle das als Faktum fest und möchte die Stadt und uns alle auf das vorbereiten, was auf uns zukommt. Zu meinen, die Verkehrsprobleme bei mehr Einwohnern zu lösen, in dem man das Öffi-Netz so lässt, ist eine Verkennung der Realitäten. Wir Grüne wurden zur stärksten Kraft gewählt. Das zeigt mir: Viele Menschen wollen das, was wir vorschlagen.

Frau Bürgermeisterin. Sie werben mit dem Schlagwort Sicherheit. Ist Innsbruck keine sichere Stadt? Die Zahlen legen das nicht nahe.

Oppitz-Plörer: Die Kriminalitätsstatistik ist eine durchaus erfreuliche, aber Zahlen allein sind hier zu kurz gegriffen. Das Stadtbild hat sich gewandelt. Deshalb braucht es entsprechende Ge- und Verbote, um der größeren Gruppe von Menschen eine gleiche Möglichkeit zu bieten, den öffentlichen Raum zu nützen.

Willi: Für mich sind Verbote das letzte Mittel. Etwa beim Nächtigungsverbot denke ich, ist es die Kunst, die richtigen Angebote zu legen, die diese Leute annehmen, damit sie nicht in der Innenstadt nächtigen.

Oppitz-Plörer: Das ist die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Wir haben von Anfang an gesagt, es muss die entsprechenden Obdachloseneinrichtungen geben und wir wollen diese ausbauen. Ich kann aber nicht alle Menschen in alle Betreuungseinrichtungen lassen. Ich muss sie unterscheiden. Wir sind hier bei der grünen Landesrätin gegen eine Wand gelaufen. Ich kann nicht in eine Einrichtung die nordafrikanische Szene hinein lassen. Dann gehen andere aus dem Balkanbereich nicht hinein.

Noch einmal zur Stichwahl. Herr Willi, Sie haben Frau Oppitz-Plörer den Vizebürgermeister angeboten. Was ist, wenn Sie verlieren?

Diese Aussage ist Ihnen, Frau Bürgermeisterin, ein bisschen in die falsche Kehle gekommen. Das tut mir leid. Was ich ausdrücken wollte ist, dass mir eine Vizebürgermeisterin Oppitz-Plörer lieber ist, als ein Vizebürgermeister Federspiel. Das ist auch ein Gebot der Stärkenverteilung. In der Koalition, die ich mir vorstelle, wäre Für Innsbruck die zweitstärkste Kraft. Wenn ich unterliege, fände ich es fair, wenn ich Vizebürgermeister werde.

Herr Willi möchte auch im Falle einer Niederlage der Regierung angehören. Und Sie?

Oppitz-Plörer: Ich auch.