Politik | Inland
04.12.2018

Dornauer provoziert nach "Horizontalen"-Sager erneut

Designierter Tiroler SPÖ-Chef sieht Sexismus "beim Empfänger" entstehen. Grüne und Frauenministerin kritisieren Täter-Opfer-Umkehr.

Der Landesparteivorstand der Tiroler SPÖ ließ Georg Dornauer nicht fallen. Dem geschäftsführenden Vorsitzenden, der nach seinem breit diskutierten Sexismus-Sager am Montag die Vertrauensfrage stellte, wurde eben dieses klar ausgesprochen. Beim Parteitag am 2. März will er sich nun der Wahl zum ordentlichen Vorsitzenden stellen.

Zur Erinnerung: Dornauer hatte bei einer Landtagssitzung in Richtung der Grünen-Landesrätin Gabriele Fischer ob ihrer krankheitsbedingten Abwesenheit erklärt, dass er sich diese "nicht in der Horizontalen vorstellen" wolle.

Tiroler SPÖ-Chef Dornauer stellt Vertrauensfrage

"Solche Tonalitäten meinerseits gehören der Vergangenheit an", versprach Dornauer nach dem gestrigen Landesparteivorstand. "Meine Aussage war flapsig, aus meiner Sicht aber missverstanden", sagte der 35-Jährige, der somit sein Verhalten doch wieder relativierte. Er nehme zur Kenntnis, dass " Sexismus beim Empfänger entsteht".

Grüne: "Sexismus entsteht beim Sexisten"

Die Tiroler Grünen orten in dieser Aussage Dornauers eine "klassische" Täter-Opfer-Umkehr. "Sexismus entsteht beim Sexisten und bei niemandem sonst", betonte die grüne Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha am Dienstag.

"Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass in der Sozialdemokratie im Jahr 2018 eine solche Aussage Platz hat", so die grüne Gleichstellungssprecherin. Dornauer versuche die Verantwortung an die Empfänger abzuschieben, meinte Jicha: "Mit so einem Vorsitzenden hat die SPÖ ein ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem." Denn wer sich zuerst geläutert zeigt und dann direkt im Anschluss "erneut so danebengreift", der könne es nicht ernst meinen.

Auch Bogner-Strauß sieht "Täter-Opfer-Umkehr"

Kritik an der Bestätigung Dornauers übte am Dienstag auch ÖVP-Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß. Dadurch sei die "Hemmschwelle für Sexismus massiv gesenkt" worden. Ferner ortete die ÖVP-Politikerin in der Aussage "Sexismus entsteht beim Empfänger" einen Versuch von Täter-Opfer-Umkehr.

Daran zeige sich auch "wie wenig Einsicht" bei Dornauer vorhanden sei. Die Familienministerin sah jetzt die neue SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner in der Verantwortung. Diese müsse ein "klares Signal für und nicht gegen Frauen" setzen und in der eigenen Landespartei durchgreifen. "Die SPÖ hat mit dieser Entscheidung bedauerlicher Weise eine großen Teil glaubwürdiger Frauenpolitik verspielt", so Bogner-Strauß.