Alexander Van der Bellen: Speeddating in Brüssel und eine sehr persönliche Rede

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Präsidentschafts-Pläne
02/15/2017

Der Professor in der Hofburg macht Tempo

VdB setzt weiter auf Pro-EU, die Jungen und "einen neuen Bürger-Dialog".

von Josef Votzi

Speeddating in Brüssel mit den EU-Spitzen und eine sehr persönliche Rede vor dem EU-Parlament. Und was nimmt Alexander Van der Bellen selber von seiner "ersten Reise als Staatspräsident außerhalb der Heimat" (VdB) mit? "Der Empfang war ungemein freundlich und herzlich. Ich habe überall einen Seufzer der Erleichterung gespürt. Alle wollen wissen, wie das in Österreich gelaufen ist" – sprich wie es gelungen ist, den Aufstieg eines weiteren Rechtspopulisten in Europa zu verhindern. Das Thema beherrschte so auch seine Rede in Straßburg.

Im kleinen Kreis erzählt der Professor gerne, was er aus dem Marathon-Wahlkampf als Lehre mit in die Hofburg genommen hat. Er ist überzeugt: Auf dem flachen Land habe ihm sein Heimat-Wahlkampf und haben ihm auch die – von manchen Parteifreunden naserümpfend beäugten – Kirtagsbesuche den Weg in die Hofburg geebnet. Viele Menschen fühlen sich von der Politik immer mehr allein gelassen – erst schloss der Greißler, dann die Post und jetzt auch das Gasthaus. Sie sind dankbar, wenn ihnen jemand nur zuhört. In den Städten waren es die vielen Grassroot-Initiativen junger Wähler. Auf die Bürger am flachen Land und Jungen in den urbanen Gebieten setzt der 73-Jährige auch künftig.

Sein Hofburg-Team bereitet bereits die ersten Bundesländertouren vor. Im Vorfeld der österreichischen EU-Präsidentschaft 2018 arbeitet die Hofburg auch an "neuen Formen des Dialogs mit der Bevölkerung", so Strategie-Berater Lothar Lockl. Van der Bellen: "Wir sollten aus der negativen Grundstimmung rauskommen, dass nichts weitergeht. Wir dürfen dieses Geschenk, das wir uns mit Europa gemacht haben, nicht aus Faulheit oder Überdruss aufgeben."

Trump nützlich

Van der Bellen sieht so auch Donald Trump primär nicht als gefährliche Bedrohung, sondern als nützlichen Katalysator: "Ich könnte mir vorstellen, dass der Wahlausgang in den USA den friedlichen Zusammenschluss Europas bestätigt und nicht behindert. Denn man muss verrückt sein zu glauben, dass Nationalismus den Ländern mehr Macht gibt als die EU. Im Weltmaßstab sind wir alle allein klein, sogar das große Deutschland." Der bedächtige Professor wird selten einmal emotional, als er Bilanz über seine EU-Visite zieht.

Morgen Donnerstag geht es zum ersten Staatsbesuch ins wirkliche Ausland, in die Schweiz. Kein Speeddating-Trip wie in die EU-Hauptstädte , sondern für Van der Bellen noch gewöhnungsbedürftige protokollarische Festspiele.In Straßburg dirigiert Dienstagnachmittag eine Motorrad-Eskorte der französischen Polizei die kleine Fahrzeugkolonne des Präsidenten auf das Rollfeld der General Aviation. Es geht zurück nach Wien zu einem Bürotag, bevor die Schweiz ruft.In der Hofburg warten neue dicke Unterschriftenmappen mit Ernennungen und Ehrungen. Dass jede Beförderung zum Kommerzial- und Schulrat über seinen Tisch muss, hat Van der Bellen in den ersten Tagen erst irritiert, dann verwundert. Infrage stellen will er das aber nicht, weil er inzwischen weiß, wie wichtig es vielen Geehrten ist, dass die Urkunde aus der Hofburg kommt und das Autogramm des Staatsoberhaupts trägt.Wie lebt es sich eigentlich als Politiker mit grünen Wurzeln als rot-weiß-rotes Staatsoberhaupt, das überall oft mit mehr Tempo, als die Polizei erlaubt, Vorfahrt hat? Van der Bellen: "Als Parlamentarier ging es in einer Delegation mit Heinz Fischer einmal mit 100 km/h und Sirenen durch Bukarest. Im Vergleich dazu ist das jetzt diskret – also gut republikanisch gelöst."

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