Politik | Inland
29.09.2018

"Das Wir ist größer als das Ich“: Ovationen für Rendi-Wagner

Erst Misstöne, jetzt Versöhnung: SPÖ-Basisfunktionäre in Schwechat belohnten Grundsatzrede - "teile Werte schon sehr lange".

Tagelang hatten Misstöne den Personalwechsel an der SPÖ-Spitze begleitet. Am Samstag präsentierte sich das neue Führungsduo, die designierte Parteichefin Pamela Rendi-Wagner und Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda, erstmals den Basisfunktionären: die SPÖ-Niederösterreich hielt ihren Parteitag ab.

Ein exterritorialer Gast deutete darauf hin, dass die SPÖ nun den internen Frieden ausrufen will: der steirische Landesparteichef Michael Schickhofer kam eigens aus Budapest nach Schwechat, um das Signal zu setzen, dass er die Ablöse des Steirers Max Lercher als Bundesgeschäftsführer zu verzeihen bereit ist. Und als Pamela Rendi-Wagner effektvoll in den Konferenzsaal einzog, wurde sie mit stehenden Ovationen und Hochrufen gefeiert.

Sie herzte die Frauen, begrüßte die Männer, warf Küsse in die Menge. „Einige werden schon noch länger brauchen, bis sie sich an eine Frau an der Spitze gewöhnt haben“, vermutete ein älterer Delegierter im KURIER-Gespräch. „Wir sind froh, dass wir nach 130 Jahren erstmals eine Frau an der Spitze haben“, sagte eine Gruppe weiblicher Delegierter. Dass Michael Ludwig Rendi-Wagner mit Klub- und Parteivorsitz überlastet sieht, wiesen alle Befragten zurück: „Er hat ja selber zwei Funktionen, den Parteivorsitz und den Bürgermeister.“

Hätte besser laufen können

Eher reserviert reagierten die Delegierten auf die Erwähnung des Namens Christian Kern. „Der Übergang hätte besser laufen können“, so der Tenor.

In ihrem Referat stellte sich Pamela Rendi-Wagner den Delegierten vor, indem sie ihre Lebensgeschichte erzählte. Sie sagte, sie wisse, dass es die SPÖ auch „Überwindung kostet“, jemanden, der so kurz in Politik und Partei ist, zur Vorsitzenden zu machen. Sie habe ihre Heimat in der SPÖ gefunden, weil diese ihr das Leben ermöglicht habe, das sie führt. Sie wolle nun etwas zurückgeben. „Die Werte der Sozialdemokratie teile ich schon sehr, sehr lange“, sagte sie unter viel Applaus.

Forderung nach 1200 Euro Mütter-Mindestpension

Den Unterschied zur Bundesregierung beschrieb Rendi-Wagner mit dem Menschenbild und dem Gesellschaftsbild. „Niemanden allein zu lassen, das war stets unser Credo in der Regierung. Auf diese Weise wurde Österreich eines der wohlhabendsten und der sozialsten Länder der Welt. Das wird heute in Frage gestellt. Und es geht schnell. Man sieht, wie schnell ein 12 -Stunden-Tag möglich ist“, sagte Rendi-Wagner. Sie nannte drei konkrete Forderungen, die die SPÖ durchsetzen will: 1200 Euro Mindestpension für alle Frauen mit Kindern, volle Anrechnung der Karenzzeiten und höhere Entlohnung der Überstunden in Teilzeitbeschäftigung.

„Das Wir ist größer als das Ich“, sagte Rendi-Wagner. Ein Satz, für den sie vom niederösterreichischen SPÖ-Chef Franz Schnabl gelobt wurde: „Du wirst die erste Bundeskanzlerin werden.“