IT-Techniker über Pilnaceks Laptop: Er war nicht passwortgeschützt
Harald M. war der Erste. Der IT-Techniker war derjenige, dem Anna P. und Karin Wurm den Laptop des verstorbenen Sektionschefs Christian Pilnacek im Herbst 2023 überantwortet haben.
Die offizielle Erklärung: M. sollte für Wurm wichtige Dokumente wie Entwürfe für einen Kaufvertrag vom Gerät sichern, das dem Vernehmen nach mit keinem Passwort gesichert war.
Wie lautete die genaue Abmachung? Hat M. für seine Dienstleistung Geld bekommen? Und war er es, der die sogenannte Powershell gelöscht hat und damit Spuren verwischte?
All das sind Fragen, die unter anderem die FPÖ, die ihn geladen hat, heute stellen möchte.
Seit zehn Uhr läuft die Befragung. Am Nachmittag ist dann noch der ranghöchste Polizist geladen, der an der Bergung der Leiche Pilnaceks beteiligt war.
Pilnacek U-Ausschuss, Tag 9
-
Wer hat gelöscht?
Es geht nach wie vor darum, wie die Powershell am Laptop gelöscht werden konnte. Laut einem Bericht der WKStA wurde sie gelöscht - und zwar mutmaßlich in dem Zeitraum, in dem der Laptop noch bei M. war. Der IT-Techniker kann sich das nicht erklären und wiederholt mehrfach, dass er keine Löschungen vorgenommen hat. Er habe lediglich die Festplatte kopiert. Und er schließt aus, dass jemand anderer auf das Gerät Zugriff hatte.
-
Was soll ich ohne Passwort knacken?
Hafenecker konfrontiert IT-Techniker M. damit, dass Personen gesagt hätten, er sei nicht in der Lage gewesen, den Pilnacek-Laptop zu knacken. Dazu sagt M., der Pilnacek-Laptop habe keinen Passwort-Schutz gehabt. „Was soll ich ohne Passwort knacken?“
-
Keine Löschung - auch nicht der Powershell
Gefragt von Hafenecker, ob er die Powershell des Laptops gelöscht hat, sagt M., dass dem nicht so ist. Und: Er traut den beiden Frauen P. und Wurm auch nicht zu, dass sie die Powershell gelöscht haben. Die Frage bleibt: Wer war es dann?
-
Nicht handlungsfähig
FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker will wissen, ob M. Den Eindruck hatte, dass Anna P. diejenige war, die im Zusammenhang mit dem Laptop alles „gesteuert“ bzw. entschieden hat. M. sagt „Es war eine Sondersituation.“ Karin Wurm „war damals nicht handlungsfähig“. Damit ist gemeint: Der Tod von Pilnacek habe sie sehr mitgenommen. Und deshalb sei sein Eindruck gewesen, „dass P. die maßgeblichen Entscheidungen getroffen hat“.
-
M. bekam kein Geld
Rund fünf Stunden, schätzt IT-Techniker M., hat er mit dem Kopieren der Daten von Pilnaceks Laptop zugebracht. Er habe nichts dafür bekommen.
-
Was hat er sich dabei gedacht?
Verfahrensrichterin Christa Edwards will wissen, warum M. den Laptop ausgewertet bzw. die Daten kopiert hat. Er erklärt das so: „Am 20. oder 21. Oktober hat es geheißen, die Karin (Wurm, Anm.) hat ein Problem, die hat das Haus gekündigt, weil sie ein neues kaufen wollte.“
Laut M. hätten sich auf dem Laptop auch „Daten für die Übernahme des Geschäfts (von Wurm) in Krems“ befunden, für die Pilnacek Verträge vorbereitet habe bzw. haben sollte. „Ich hatte keinen Zweifel, dass P. und Wurm auf den Laptop zugreifen durften“, sagt M. Sinngemäß erklärt er, er habe helfen wollen. Und: „Ich wusste nicht, dass Pilnacek verheiratet war. Da habe er sich gedacht: Gut, dann kopierst du die Daten raus für die Karin.“ -
Herr M. hat nichts verändert
Der IT-Techniker M. erzählt von einem Augenleiden und grenzt ein, wann er den Laptop von Christian Pilnacek sowie fünf USB-Sticks hatte. Das war von 31. Oktober bis 7. November 2023. Die wesentliche Feststellung vorweg: „Ich habe keine Veränderungen am Datenbestand des Laptops vorgenommen. Ich habe lediglich Daten kopiert.“
-
Krainers Essenz
Kai Jan Krainer, SPÖ-Fraktionschef, fasst sich kurz. Bislang sei das wesentliche Ergebnis des U-Ausschusses für ihn gewesen, dass die Polizei einen „fragwürdigen Umgang mit Datenträgern“ pflegt. Von der heutigen Sitzung erwartet er sich wenig Neues. „Aber ich lass mich gern überraschen.“
-
Fehlerkultur
Sophie Wotschke, Fraktionsführerin der Neos, kommt nun noch einmal auf das Thema Log-Daten zu sprechen: Wie auch Grüne und FPÖ unterstützen die Neos den Gang zum Verfassungsgerichtshof, der nun klären soll, ob das Innenministerium die Logdaten im Detail übermitteln muss. Die drei genannten Parteien wollen die Daten haben, um zu sehen, welcher Polizist wann wie Zugriff auf die Akte Pilnacek hatte und vor allem: Wer was wann genau im Akt geändert hat. Dies sei, so die Parteien sinngemäß, im Sinne einer Fehlerkultur wichtig. Das Innenministerium sieht darin einen Eingriff in die Menschenrechte der betroffenen Beamten.
-
Wozu der IT-Techniker?
Nina Tomaselli, Fraktionschefin der Grünen, versteht nicht, warum Anna P. und Karin Wurm einen IT-Techniker mit der Auswertung von Pilnaceks Laptop gebraucht haben. Sie will das hinterfragen. „Denn der Laptop hatte keinen Passwortschutz - wozu dann der Informatiker?“
-
Im Ansatz konstruktiv
Es geht los mit den Statements der Fraktionsvertreter im U-Ausschuss: Thomas Elian, Abgeordneter der ÖVP, dämpft die Erwartungen: Es werde wohl keinen großen Erkenntnisgewinn geben - zumindest was die Polizei bzw. den geladenen Polizisten angeht. Bei IT-Techniker M. sei zu hinterfragen, wie dieser mit dem Laptop umgegangen ist. Christian Hafenecker, FPÖ-Fraktionsführer, lobt Elian - er sei zumindest im „Ansatz konstruktiv“. Hafenecker kritisiert das Innenministerium, das nicht bereit sei, Daten herauszugeben. Dazu zählen für Hafenecker die so genannten Log-Daten, die zeigen, wer wann auf die Akten der Pilnacek-Verfahren zugegriffen hat. Was geändert worden ist, sagt Hafenecker, könne man aus den übermittelten Unterlagen aber nicht nachvollziehen. „Bitte gehen Sie dem Innenminister nicht auf den Leim“, sagt Hafenecker zu den Journalisten. „Jeder, der einen Handyvertrag hat weiß, wie lange Rufdaten gespeichert werden müssen.“ Hafenecker will von IT-Techniker M. wissen, wie lange genau er Pilnaceks Laptop hatte - und wer ihm den Auftrag zur Auswertung gegeben hat.
-
Es geht wieder los!
Schönen Vormittag! Am 9. Tag des Pilnacek-U-Ausschusses geht es unter anderem um den Laptop des verstorbenen Sektionschefs. Herr M., ein IT-Techniker, der von Pilnaceks Vertrauten Anna P. und Karin Wurm engagiert worden ist, soll erklären, was genau er warum mit dem Laptop gemacht hat. Soweit bekannt, hat M. Sicherungskopien erstellt. In einigen Minuten werden die Fraktionsführer im U-Ausschuss ihre Eingangsstatements abgeben.
Kommentare