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Politik Inland
09/26/2018

Buwog-Prozess: Viele Geldflüsse und Grüße mit "Doppel-S"

Der Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki erklärte unter anderem, warum er "stinksauer" auf Grasser und Meischberger sei.

Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und andere muss heute den zweiten Tag der Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki der Richterin Marion Hohenecker Rede und Antwort stehen. Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen. Er soll geholfen haben, Geldtransaktionen zu vertuschen. Wicki erklärte sich gestern unschuldig und beschuldigte eine Bank in Liechtenstein.

Den heutigen, 52. Prozesstag, eröffnete mit der Präsentation seiner Startnummer bei einem Promi-Skirennen im Jahr 2008, das bei seinen Vernehmungen eine Nebenrolle gespielt hatte. Danach ging es wieder gewohnt sachlich weiter, Hohenecker stieg wie immer direkt ins Thema ein. In diesem Fall in die "Kontoverdichtung".

Buwog-Prozess: Tag 52 im Live-Ticker

  • Heute, 09:26 AM

    Guten Morgen aus dem Großen Schwurgerichtssaal im Wiener Straflandesgericht! In wenigen Minuten beginnt der 52. Tag im Buwog-Prozess gegen Karl-Heinz Grasser und andere.

  • Heute, 09:29 AM

    Norbert Wicki, Gerald Toifl, Walter Meischberger und Peter Hochegger sind im Gerichtssaal. Auch die Staatsanwälte haben bereits ihre Plätze eingenommen.

  • Heute, 09:31 AM

    Lesen Sie hier, was meine geschätzte Kollegin Elisabeth Hofer gestern über die Befragung von Vermögensverwalter Norbert Wicki getickert hat.

  • Heute, 09:32 AM

    Auch Karl-Heinz Grasser ist eingetroffen und unterhält sich mit seinen Anwälten Manfred Ainedter, Norbert Wess. Mitangeklagter Meischberger hat sich dazugesellt.

  • Heute, 09:39 AM

    Richterin Marion Hohenecker ist im Saal. Wie immer weist sie darauf hin, dass Bild- und Tonaufnahmen verboten sind. Über die Sitzordnung gibt es heute keine Diskussion.

     

  • Heute, 09:44 AM

    Start mit Meischis Startnummer

    Dennoch gibt es noch eine Verzögerung. Walter Meischberger geht nach vorne und bringt der Richterin, wie versprochen, eine Startnummer von einem Hobby-Schirennen aus Kitzbühel.

    Das sei am 11. 1. 2008 gewesen und auch genau der Tag an dem Grasser den Hypo-Banker W., ehemaliger Vermögensberater Meischbergers, kennengelernt habe, erklärt Meischberger.

    Die Richterin nimmt's lächelnd zur Kenntnis, lässt Meischberger die Startummer, auf der übrigens eine Hypo Bank als Sponsor aufgedruckt ist, wieder mitnehmen.

    W. ist übrigens als Zeuge geladen.

  • Heute, 09:50 AM

    Zurück zu Vermögensverwalter Wicki: Er muss nun wieder zu verschiedenen Zahlungsflüssen Rede und Antwort stehen. Zunächst geh es um den Mai 2008, seine Leute hätten 100.000 Aktien der HVB verkauft, sagt Wicki. Er habe nur die grundsätzliche Anlagestrategie mitgeprägt, mit der konkreten Entscheidung und Durchführung habe er nichts zu tun gehabt.
  • Heute, 09:53 AM

    Wieder fragt Hohenecker nach der Zürich-Reise von Grasser im Juni 2008, wo er mit Julius Meinl V. zusammentraf. Wicki habe keine Wahrnehmung, ob er Grasser damals getroffen hat, es sei zu lange her. Insgesamt habe er Grasser "eine Handvoll Mal" persönlich getroffen.

  • Heute, 10:04 AM

    MIP-Aktienpaket um 500.000 Euro

    Im Juni 2008 hätten WIckis Portfolio Manager 90.000 Aktien gekauft, bestätigt Wicki. Es handelt sich um ein AKtionenpaket der Meinl International Power, insgesamt um 500.000 Euro, fasst Hohenecker zusammen, Wicki bestätigt das, diese Vorgabe sei erfüllt worden.
  • Heute, 10:09 AM

    Abgewickelt wurden diese Transaktionen über die Mandarin Group, die die Anklage Grasser zurechnet. Dieser bestreitet dies. Ob die 90.000 MIP-Aktien nun zur Gänze Meischberger gehört haben? Ein Teil dieser Aktien sei auch für ihn, Wicki, gekauft worden.

  • Heute, 10:10 AM

    Zur Erklärung: Wicki ist wegen Geldwäsche, Beweismittelfälschung und versuchter Begünstigung angeklagt. Die Vorwürfe drehen sich um die Transaktionen auf dem Konto der Offshore-Gesellschaft Mandarin mit Sitz auf Belize bei einer Bank in Liechtenstein. Auf das Mandarin-Konto floss das - um den Ertrag aus einem Hypo-Genussschein vermehrte - "Schwiegermuttergeld", das Grasser nach seinen Angaben von seiner Schwiegermutter in bar erhalten hatte und bei der Meinl Bank bar auf ein Konto der Schweizer Gesellschaft Ferint einzahlte. Auf das Mandarin-Konto flossen auch 500.000 Euro vom Konto 400.815 bei der Hypo Investmentbank Liechtenstein, auf das der Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger einen Teil der Buwog-Provision eingezahlt hatte und das laut Meischberger ihm gehört, das die Staatsanwaltschaft aber Grasser zurechnet. Und auf das Mandarin-Konto gab es auch Bareinzahlungen in beträchtlicher Höhe sowie Wertpapiertransaktionen.

  • Heute, 10:25 AM

    Der Securities Lending Vertrag

    Meischberger leiht sich damals Geld, um Aktien der MIP zu kaufen. Um Grasser, der im Vorstand der MIP war, zu helfen, als die sogenannten "Meinl-Rebellen" eine feindliche Übernahme zu planen begannen, habe er in einer Generalversammlung von seinem Stimmrecht Gebrauch machen müssen. Er wollte aber nicht persönlich dort auftreten und hatte deshalb mit einem sogenannten Securities Lending Vertrag versucht, Wicki bzw. der Mandarin Group alle Rechte und Pflichten des Wertpapierhalters zu übertragen. Dieser Plan scheiterte aber dennoch, weil Meischbergers Name trotzdem genannt hätte werden müssen.

  • Heute, 10:34 AM

    Immer wieder fragt Hohenecker, wer im Außenverhältnis, wirtschaftlich Berechtiger der Aktien war. Die Mandarin, sagt Wicki. Nach innen hin sei es immer Meischberger gewesen, wiederholt Wicki mehrmals. Die Richterin will wissen, wann Wicki dahintergekommen sei, dass der Plan mit dem anonymen Stimmrecht bei der MIP-Hauptversammlung nicht klappen würde. Während der Erarbeitung der Dokumente, sagt Wicki. Die Richterin sieht hier einen logischen Fehler: Der Securities Lending Vertrag sei ja genau dafür abgeschlossen worden, damit der wirtschaftlich Berechtigte, also Meischberger, nicht aufscheint. Ja, aber "wir" waren damals der Meinung, dass wir als Treuhänder das nicht machen konnten. "Wer ist wir?" setzt Hohenecker nach. Er und seine Mitarbeiter, antwortet Wicki. Für sie war klar, dass der Name Meischbergers genannt werden müsste. "Ich hatte gedacht, dass wir die Mandarin als juristische Person nennen können, aber ich habe mich geirrt. Wir hätten die natürliche Person nennen müssen", sagt WIcki. Das wäre Meischberger gewesen.
  • Heute, 10:37 AM

    Meischberger ist kurz am Wort. Wie er die Sache sehe. Meischberger erklärt, der Securities Lending Vertrag sei eine althergebrachte Finanzierungsform. Er habe es so verstanden, dass durch gewisse Änderungen im internationalen Bankenrecht sich die Rechtslage geändert habe. Daher sei man erst im Lauf der Transaktion draufgekommen, dass er, Meischberger, nicht anonym als Stimmberechtigter bei der MIP-Versammlung auftreten könne. Er wollte, wie schon früher ausgesagt, Grasser gegen die sogenannten "Meinl-Rebellen" unterstützen.

  • Heute, 10:43 AM

    Wickis Mutter

    Im Oktober 2008 war aber weiterhin Wickis Mutter wirtschaftlich Berechtigte des Kontos der Mandarin Group. Richterin Hohenecker will wissen, warum man nicht einfach die Mutter bei der Aktionärsversammlung der Meinl International Power genannt habe. Wicki antwort erneut, dass "wir der Meinung waren, dass wir Meischberger hätten nennen müssen."

  • Heute, 10:46 AM

    Standardformular verwendet

    Die Richterin sieht das anders. Laut dem Vertrag hätte die Mandarin das "Vollrecht" über die MIP-Papiere gehabt. Wicki antwortet, dass es sich bei dieser Pasasge lediglich um Teile eines Standardformulars der UBS handle.

  • Heute, 10:49 AM

    Meischberger überflog Vertrag nur

    Nicht jedes Wort sie damals auf die Goldwaage gelegt worden, sagt Wicki. Meischberger ist wieder kurz am Wort. Er bestätigt, den Securities Lending Vertrag zwar gelesen zu haben, "aber nicht rechtlich in der Tiefe".

    Die Kontrollbank hätte damals gesagt, dass man trotz des Vertrags den wahren Eigentümer der Papiere bekannt geben hätte müssen, führt Meischberger weiter aus. Wicki nennt das den "ultimate beneficial owner". Die Richterin wirkt etwas entgeistert: "Da kann ich mir alle solchen Securities Lending Verträge sparen."

  • Heute, 10:54 AM

    Grasser-Einwurf

    Grasser meldet sich auch kurz zu Wort. Seiner "bescheidenen Erfahrung" nach hätten die Banken damals zu solchen Verträgen geraten, da sie in bestimmten Fällen sinnvoll sein könnten.
  • Heute, 11:01 AM

    Alle Aktien hätten damals Meischberger gehört, bestätigt Wicki. Meischberger standen die per Kredit finanzierten 500.000 Euro plus 3,5 Prozent Zinsen zu, sagt Wicki. Nach Auflösung der Verträge habe Meischbeger diese 500.000 Euro plus 3,5 Prozent erhalten und schließlich die MIP-Papiere.

  • Heute, 11:11 AM

    Der nächste Geldfluss auf die Mandarin stammt vom 23. Oktober 2008, es handelt sich um rund 209.000 Euro. Aus eine Aufzeichnung der Bank geht hervor, dass es sich dabei um die Abdeckung des Kreditsaldos dreht, das Geld stamme vom Konto der wirtschaftlich Berechtigten bei der UBS im Schweizerischen Zug. Dazu gibt es unterschiedliche Darstellungen. "Ich kenne das nicht, ich sehe das zum ersten Mal", sagt Wicki. Die Bank hätte nachfragen müssen und habe dabei ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Auch den Vermerk "laut Tel. Wicki" kann er sich nicht erklären.

    Wegen der Bargeldtransporte habe die Bank nie nachgefragt, sagt Wicki erneut. Das sei zwischen der Schweiz und Liechtenstein kein Problem gewesen.

Wicki kennt Grasser nach Eigenangaben seit dem Jahr 2006 oder 2007 und hat ihn seitdem lediglich ein paar Mal getroffen. Kennengelernt hat Wicki den Ex-Minister über dessen Ehefrau Fiona, deren langjähriger Vermögensverwalter er war.

"Verdichtung" auf Mandarin-Konto

Wie schon gestern interessierte sich auch heute Richterin Hohenecker für die "Verdichtung" der Einzahlungen auf das Konto "Mandarin" in der Steueroase Belize. Auf diesem vermengen sich nämlich Gelder von Wicki, von Grasser ("Schwiegermuttergeld") und vom Zweitangeklagten in diesem Prozess, Grassers Trauzeuge Walter Meischberger. Laut Anklage sind jedoch auch dies Gelder von Grasser, die er aus der Buwog-Provision bekam - was Grasser, Wicki und Meischberger bestreiten.

Wicki räumte in seiner Befragung am Dienstag Fehler ein - allerdings habe er diese nicht verschuldet. Es sei ein Fehler seiner Mitarbeiterin gewesen, die Treuhandgeschäfte nicht der das Mandarin-Konto führenden Bank in Liechtenstein anzugeben. Allerdings hätte auch die Bank in Liechtenstein erkennen müssen, dass da eine größere Geldsumme von einem Konto von Meischberger gekommen sei. "Die Bank hat in der Compliance völlig versagt", empörte sich Wicki am Dienstag mehrmals.

 

BUWOG GRASSER PROZESS: MEISCHBERGER

BUWOG GRASSER PROZESS: ZARBL / WESS / GRASSER / AINEDTER / MEISCHBERGER

BUWOG GRASSER PROZESS: ZARBL / WESS / GRASSER / AINEDTER

BUWOG GRASSER PROZESS: MARCHART / DENK

BUWOG GRASSER PROZESS: HOHENECKER

BUWOG GRASSER PROZESS: GRASSER / AINEDTER / MEISCHBERGER

BUWOG GRASSER PROZESS: WICKI / MARCHART / DENK

BUWOG GRASSER PROZESS: HOCHEGGER

BUWOG GRASSER PROZESS: EICHENSEDER / WICKI

Geschenk oder Darlehen?

Einmal mehr stand das "Schwiegermuttergeld" von 500.000 Euro im Mittelpunkt. Wicki musste der Richterin heute erklären, warum er von einer Schenkung spricht, wenn auf einer Unterlage von ihm Darlehen steht. Wicki begründet dies mit einer Ungenauigkeit.

Auch Grasser hatte ursprünglich, als die angeklagte Causa Buwog medial hochkochte, von einem 500.000-Euro-Darlehen seiner Schwiegermutter an ihn gesprochen, die sein Anlagevermögen testen habe wollen. Nun soll es ein Geschenk gewesen sein - das zurückgezahlt wurde. Spannend ist das Schwiegermuttergeld deswegen, weil es sich mit Geldern von Wicki und dem mitangeklagten Meischberger am Konto der Gesellschaft Mandarin mit Sitz in der Steueroase Belize vermischt.

Die Schwiegermutter habe jedenfalls nichts davon gewusst, dass ihr Geld in Belize veranlagt war, was auch egal gewesen sei, da es ein langjähriges Vertrauensverhältnis zwischen ihr und Wicki gegeben habe, betonte Wicki heute. Die Schwiegermutter sei sehr verärgert darüber gewesen, in die ganze Causa hineingezogen zu werden, so Wicki. "Damit ist sie nicht alleine", meinte daraufhin Hohenecker, wohl anspielend darauf, dass sich einige Angeklagte fragen, warum sie überhaupt als Angeklagte im Gerichtssaal sitzen. Und auch die Schwiegermutter dürfte ob einer Steuerprüfung im Nachhang an die Ermittlungen nicht begeistert gewesen sein. Bei einer Einvernahme hat sie jedenfalls ausgesagt, dass das "Schwiegermutter-Geld" nicht ihres sei.

Genaue Erinnerung an Unterschrift Grassers

Wicki konnte sich heute an mehrere vorgelegte Akten rund um die Mandarin nicht mehr erinnern, zeigte aber sehr gutes Erinnerungsvermögen bezüglich einer Unterschrift Grassers, die laut Anklagebehörde gefälscht sein soll. Mit diesem Vorwurf konfrontiert soll Grasser versucht haben diese Unterschrift zu üben, so die Staatsanwaltschaft - was Grasser bestreitet. Die Anklagebehörde stützt sich dabei auf vermeintliche Schriftproben, die bei einer Hausdurchsuchung von Grasser gefunden wurden. Wicki konnte sich nun heute ganz genau erinnern, wie Grasser in Wien, praktisch im Vorbeigehen, die Unterschrift getätigt haben soll.

Richterin Marion Hohenecker konfrontierte Wicki mit den Bankunterlagen der Liechtensteiner Bank, die das Konto der Mandarin geführt hatte. Dort war bis 2009 von einer Erbschaft seiner Mutter die Rede. Auch die hohen Transaktionen auf dem Konto wurden mit einer erwarteten Erbschaft von Wickis Mutter, der Wirtschaftlich Berechtigten des Kontos, in den Bankunterlagen erklärt. Geld aus einer allfälligen Erbschaft sei aber nie auf dem Mandarin-Konto gelegen, bestätigte Wicki heute in der Einvernahme: "Aber meine Mutter hat immer darauf gehofft, daher war das korrekt."

Mandarin-Konto im Zentrum

Das Konto der Briefkastengesellschaft Mandarin bei einer Bank in Liechtenstein stand bereits am Vormittag im Zentrum der Befragung Wickis. Richterin Hohenecker verfolgte am akribisch die Transaktionen auf dem Mandarin-Konto.

Auf dem Mandarin-Konto war Wickis eigene Mutter als wirtschaftlich Berechtigte der kontoführenden Bank angegeben worden, weil sie laut Wicki eine höhere Erbschaft erwartet hätte. Tatsächlich gab es aber kein Geld von Wickis Mutter auf dem Konto, sondern Bargeldeinzahlungen im Jahr 2008 in Höhe von rund 943.000 Euro, die laut Wicki sein eigenes Geld waren. Weiters flossen 500.000 Euro von einem Konto in Liechtenstein, auf dem ein Teil der Buwog-Provision lag, auf das Mandarin-Konto.

Dieses Liechtenstein-Konto gehörte Walter Meischberger, versichern dieser und Wicki. Die Staatsanwaltschaft rechnet dieses Liechtenstein-Konto und das Mandarin-Konto aber dem Hauptangeklagten Grasser zu. Auch zahlreiche Wertpapiere wurden am Mandarin-Konto gekauft und verkauft. Schließlich wurde auch das "Schwiegermuttergeld" Grassers, vermehrt durch den Ertrag aus dem Hypo-Genussschein, von der Meinl Bank auf das Mandarin-Konto transferiert, rund 784.000 Euro.

Stimmen gegen "feindliche Übernahme" der MIP

Mit dem Geld, das Meischberger über einen Kreditvertrag der Mandarin geliehen hatte, wurden Meinl International Power-Aktien gekauft, sagte Wicki. Damit habe Meischberger bei den Hauptversammlungen der MIP - wo Grasser Manager war - stimmen wollen, ohne dass er namentlich aufscheine. Das habe man mittels eines "Securities Lending Vertrag" (datiert mit 6. Oktober 2008) versucht, wodurch Meischbergers MIP-Aktien an die Mandarin geliehen wurden. Für die Stimmrechtsausübung hätte man aber den tatsächlich Wirtschaftlich Berechtigten - Meischberger - angeben müssen, das habe Meischberger aber nicht gewollt. Daher sei die Stimmrechtausübung bei der MIP-HV gescheitert. "Meischberger ist mit seinem Ansinnen an mich gekommen", sagte Wicki.

BUWOG GRASSER PROZESS: HOHENECKER

Meischberger gibt im Prozess an, Grasser habe nichts von seinen MIP-Aktien gewusst. Grasser sagte heute, er habe damals als MIP-Manager in ganz Europa versucht, Stimmen zu sammeln gegen eine feindliche Übernahme. Mittels Securities-Lending-Verträgen hätten verschiedene Aktionäre ihre Stimmrechte übertragen. "Wir haben immer transparent offengelegt, für den Anleger üben wir die Stimmrechte aus - da hat das Securities Lending funktioniert."

Meischberger sagte heute zum Securities-Lending-Vertrag, er habe ihn unterschrieben. "Ich werde das sicher gelesen haben, aber nicht rechtlich in der Tiefe, da war ich gar nicht in der Lage das genau zu lesen", sagte er heute. Wicki habe ihn damals über die Möglichkeit eines derartigen Vertrags informiert.

Doppel-S in der Schweiz und bei Meischberger

Zu einem Exkurs über die Rechtschreibregeln in Österreich und der Schweiz kam es, als die Richterin ein Dokument vorlegte, das von Meischberger unterschrieben und an die Mandarin gerichtet war. Darin erklärt Meischberger, er habe MIP-Aktien auf das Mandarin-Konto übertragen. Wicki erklärte, er bzw. seine Firma habe dieses Schreiben nicht verfasst - als Richterin Hohenecker darauf hinwies, dass auf diesem Brief "Mit freundlichen Grüssen" mit Doppel-S geschrieben war. Das entspricht der Schweizer Rechtschreibung, die kein scharfes "ß" kennt. Meischberger mischte sich ein und meinte, wegen der Debatte zur Abschaffung des scharfen "ß" "hat man sehr oft, sicherheitshalber, mit Doppel-S geschrieben - so habe ich's zumindest gemacht, vor zehn Jahren", sagte er. Der verdutzten Richterin sagte er dann: "Sie schauen mich an wie meine Lehrerin damals." Hohenecker konterte: "Ich komm mir auch so vor."

Meischberger habe für die Vermögensverwaltung keine Gebühren an die Gesellschaft von Wicki, die Private Asset Partners, gezahlt, hielt die Richterin fest. Die Gebühr war nämlich vom gesamten Vermögen auf dem Mandarin-Konto abgezogen worden. Meischberger erhielt die 500.000 Euro gemäß Kreditvertrags mit 32.000 Euro Zinsen zurück - Gebühr fiel für ihn nicht an.

Catherine-Briefkasten ebenfalls Thema

Neben dem Konto der Mandarin Group bei der Raiffeisenbank Liechtenstein spielt auch die Briefkastengesellschaft Catherine Participation, die als Sitz die selbe Adresse wie die Mandarin auf Belize angibt, eine Rolle in den Finanztransaktionen, die am Mittwoch im Grasser-Korruptionsprozess untersucht werden.

Die Catherine Participation wurde laut dem Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki ursprünglich für Fiona Grasser, Grassers Ehefrau, gegründet, da das Ehepaar Grasser einen Umzug in die Schweiz erwogen hätte. Als die Gesellschaft aber von Fiona nicht gebraucht wurde, habe er sie für deren Mutter, Grassers Schwiegermutter, genommen. Das erste Konto der Catherine sei geschlossen worden und ein neues eröffnet worden, mit der Schwiegermutter als Berechtigter, sagte der mitangeklagte Wicki in der Befragung durch Richterin Marion Hohenecker.

Als Direktoren der Catherine Participation wurde die Vermögensverwaltungsgesellschaft von Wicki sowie eine Mitarbeiterin Wickis eingesetzt.

Auf das Konto der Catherine Participation bei der St. Galler Kantonalbank wurde der Erlös aus Grassers "Schwiegermuttergeld" übertragen. Genau betrachtet hatte Grasser die 500.000 Euro, die er in bar bei der Meinl Bank in Wien eingezahlt hatte, durch den Ertrag aus dem Hypo-Genussschein vermehrt auf 784.000 Euro, die auf das Mandarin-Konto in Liechtenstein überwiesen wurden. Von dort wurden aber nur 700.000 Euro auf das Catherine-Konto überwiesen, sowie rund 200.000 Euro schwere Wertpapiere (Gazprom, Glencore, Crescendo). Wicki begründete dies damit, dass er der Schwiegermutter damit gleich einen Kredit zurückgezahlt habe, den sie ihm im Jahr 2000 gegeben habe - "großzügig, mit Zinsen", sagte er. "Sie hat gewusst, sie kriegt ihr Geld zurück, aber in welche Wertpapiere das Geld investiert ist, das interessiert die Frau nicht, für das hat sie Leute wie mich, die das entscheiden."

GRASSER-PROZESS: WICKI

Bei der Raiffeisenbank Liechtenstein hingegen hieß es in internen Bankunterlagen zu dem Übertrag vom Mandarin- aufs Catherine-Konto hingegen, der Grund dafür sei der Verlust des Vertrauens in den Bankplatz Liechtenstein: "...da der Kunde das Vertrauen in den Bankplatz Liechtenstein verloren hat und sich aus Gründen der Banksicherheit das Geld auf einer Kantonalbank veranlagen will...". Wicki sagte, er sehe das zum ersten Mal, von ihm stamme der Vermerk nicht. Warum das so in den Bankunterlagen auftauche, könne er sich nicht erklären.

Schreiben der Schwiegermutter ohne Unterschrift

In den in Wickis Vermögensverwaltergesellschaft Private Asset Partners (PAP) in Zürich beschlagnahmten Unterlagen findet sich auch ein Kündigungsschreiben von Grassers Schwiegermutter, wonach sie die Vermögensverwaltung durch die PAP für die Catherine-Gesellschaft kündige. "Mir sagt das Schreiben nichts", sagte Wicki heute. Außerdem habe es Frau Marina Giorgi-Langes - wie Grassers Schwiegermutter früher hieß - nicht handschriftlich unterschrieben. Grassers Schwiegermutter stammt aus der Eigentümerfamilie des Swarovski-Konzerns und ist Multimillionärin.

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