Rudi Fußi vor einem Gerichtsprozess gegen Heinz-Christian Strache.

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Politik | Inland
05/31/2019

Branchenkenner Fußi: SPÖ-Beraterhonorar „ein Rätsel“

Der Politikberater kann sich nicht erklären, wofür Werner Faymanns Ex-Sprecher 20.000 pro Monat erhält.

Mehr als 20.000 Euro bekommt Nedeljko Bilalic monatlich von der SPÖ dafür, Parteichefin Pamela-Rendi Wagner und Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda zu beraten. Der entsprechende Bericht des KURIER sorgte am Freitag für gehöriges Aufsehen.

Doch ist das nicht ein angemessenes Honorar?

An sich ja, sagt Rudolf Fußi. Der 40-Jährige ist einer der schillerndsten Politikberater des Landes und hat schon für unterschiedlichste Kunden gearbeitet. Im Fall des früheren Faymann-Sprechers Bilalic ist ihm das Honorar aufgrund der Performance allerdings „ein Rätsel“.

Den Misstrauensantrag gegen Sebastian Kurz kommunikativ zu „vergurken“ und die Kandidatin, also Rendi-Wagner, „so zu verunsichern, dass sie ihre Natürlichkeit verliert“, sei eine „von außen sichtbar schlechte Beratungsleistung“, analysiert Fußi. Sein Fazit: „Was ich von der Arbeit sehe, ist alles andere als überzeugend.“

Geschäft nimmt zu

Grundsätzlich nimmt der Bereich der Medienberatung stark zu, konstatiert Heidi Glück. Die frühere Sprecherin von Wolfgang Schüssel ist ebenfalls selbstständige Beraterin und kennt das Geschäft. Hätten frühere Minister einen oder maximal zwei Sprecher gehabt, hätten die Teams heutzutage „massiv zugenommen“, sagt Glück. Wie Fußi betont auch sie, dass eine pauschalierte Bezahlung externer Berater durchaus üblich sei – besonders, wenn diese auch operativ arbeiten, fügt Fußi hinzu.

Im Agenturbereich wird hingegen üblicherweise nach Stunden abgerechnet. Verrechnet werden Stundensätze von 200 bis 500 Euro, je nach Seniorität bzw. Ansehen der eingesetzten Person. Diese Sätze sind jedoch nur schwer mit Honoraren externer Berater vergleichbar, erzählt der Geschäftsführer einer Wiener Agentur.

 

Agenturen würden einerseits „Rundum-Verfügbarkeit“, sprich immer einen verfügbaren Mitarbeiter garantieren, und hätten dadurch andererseits auch ganz andere Kostenstrukturen.

Grundsätzlich herrscht am Markt für Selbstständige freie Preisbildung, sagt der Kenner. Sprich: Es wird bezahlt, was einem die erhoffte Dienstleistung wert ist.