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Borkenkäfer legen "heftig" los: Wer in Österreich betroffen ist

Der trockenste März und April seit Messbeginn haben Österreichs Wälder geschwächt – und dem Borkenkäfer ideale Bedingungen verschafft. Ein Überblick, wo die Lage besonders ernst ist.
2018 wurden durch Borkenkäferbefall Rekord-Schäden verursacht.

Der Frühling war für Österreichs Wälder kein guter. Extremtrockenheit, kaum Niederschlag, geschwächte Bäume – und mittendrin der Buchdrucker. So heißt die bedeutendste Borkenkäferart in Österreich, und ihr Schwärmflug ist bereits „in weiten Teilen des Landes in vollem Gange". Nach einer witterungsbedingten Verzögerung setzte der Käferflug nun konzentriert und regional heftig ein – die Hauptschwärmphase hat in tiefen und mittleren Lagen begonnen.

Besonders die Fichte leidet: Das faktisch österreichweit bestehende Niederschlagsdefizit kombiniert mit sommerlichen Temperaturen über 25 °C schwächt die wichtigste Wirtsbaumart des Buchdruckers und erhöht ihre Anfälligkeit für Befall massiv.

Wo die Lage besonders angespannt ist

Nicht alle Regionen sind gleich stark betroffen. Während sich die Situation im Vorjahr im Süden – also in Osttirol und Westkärnten – teilweise entspannte, verschlechterte sie sich anderswo deutlich: Im östlichen Kärnten, in Nordtirol, in Salzburg und in Vorarlberg stiegen die Schäden zuletzt merklich an. In tieferen Lagen treffen die Käfer derzeit auf durch Trockenheit geschwächte Bestände – ideale Bedingungen für eine rasche Ausbreitung.

Fachleute warnen: Bei anhaltender Trockenheit könnten sich die Käferpopulationen in diesen Regionen rasch weiter ausbreiten.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig warnt eindringlich in einer Aussendung seines Ministeriums: "Der Klimawandel hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Die bereits aufgetretenen Waldbrände und die steigende Borkenkäfergefahr verdeutlichen die zusätzlichen Herausforderungen durch den Klimawandel. Die aktuelle Situation erfordert rasches Handeln. Entscheidend sind die frühzeitige Erkennung und Bekämpfung sowie aktive Bewirtschaftungsmaßnahmen. Gleichzeitig müssen wir den Waldumbau hin zu klimafitten Beständen konsequent weiter vorantreiben.“

Was Waldbesitzer jetzt sofort tun müssen

Die Botschaft der Experten: Jetzt ist die Zeit für die Suche nach neuem Befall. Wer seinen Wald kontrolliert, sollte gezielt nach Bohrmehl suchen – dem feinsten Sägemehl rund um Bohrlöcher in der Rinde, das den aktiven Käferbefall anzeigt. Betroffene Bäume und jene in unmittelbarer Nähe müssen umgehend gefällt und aus dem Wald abtransportiert werden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch liegengebliebenem Holz: Noch im Wald verbliebenes Windwurf- oder Schneebruchholz wird jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit befallen und sollte ebenfalls schnellstmöglich entfernt werden. Jede Verzögerung erhöht den Befallsdruck für die kommenden Wochen.

Borkenkäfergefahr in Österreich wächst

Wo man die aktuelle Lage im Blick behalten kann

Das österreichische Borkenkäfermonitoring – getragen von Bundesforschungszentrum für Wald, Landesforstdiensten und Landwirtschaftskammern – liefert laufend aktuelle Daten. Unter borkenkaefer.at sind alle Lockstofffallen in einer Österreichkarte mit farbigen Symbolen dargestellt. Die wöchentlichen Fangergebnisse lassen sich über die gesamte Vegetationsperiode abrufen.

Ergänzt wird die Karte durch das Borkenkäfer-Dashboard (hier zu finden), das neben Informationen zu Entwicklungsfortschritt und Trockenheitssituation auch Details zur Anfälligkeit der Waldbestände für Borkenkäferbefall bietet. 

Der langfristige Plan

Kurzfristige Bekämpfung allein reicht nicht. Österreich setzt langfristig auf den Umbau hin zu klimafitten Mischwäldern. Im Rahmen des Waldfonds wurden bereits rund 36.500 Hektar aufgeforstet oder gepflegt – mit 29 Millionen klimaangepassten Forstpflanzen auf 11.600 Hektar allein durch geförderte Aufforstungen.

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