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Politik Inland
09/04/2019

Biomasse rechnet sich nicht mehr: Statt Hackschnitzel brennt jetzt Erdöl

Weil sich Biomasse nicht rechnet, sind Betreiber gezwungen, fossiles Öl zu verbrennen.

von Bernhard Gaul

Der Bruch der Regierung im Mai trifft eine Branche besonders hart: Die kleinen Betreiber Erneuerbarer Energie, also Windkraft, Kleinwasserkraft, Photovoltaik und Biomasse. Ihre Förderungen laufen aus, über eine Verlängerung wird gestritten.

Für die Betreiber von Biomasseanlagen hat der teilweise Zusammenbruch der Förderstrukturen besonders perverse Auswüchse: Statt dem nachwachsenden Rohstoff Holzschnitzel verfeuern einige Betreiber nun klimaschädliches Erdöl in ihren Anlagen, wie dem KURIER bestätigt wurde.

„Aktuell betreibe ich meine Biomassekraftwerke mit Öl. Ich habe aufrechte Lieferverträge für Wärme, die ich erfüllen muss“, sagt Herbert Mandl von der BIOMA Energie AG. Er betreibt derzeit zwei Anlagen, eine davon im niederösterreichischen Gmünd, eine weitere in St. Andrä in Kärnten.

Zwar sei durch Windwurf und Borkenkäfer aktuell ausreichend Holzmasse vorhanden. Doch aufgrund der viel zu geringen oder bereits ausgelaufenen Förderungen für Biomasse sei es für ihn „betriebswirtschaftlich nicht darstellbar“, Biomasse zu nehmen.

400 Tonnen Kohlendioxid

„Dass nun einige Öl statt Biomasse verheizen, kann ich bestätigen, teilweise wird auch Erdgas verfeuert“, sagt Eva Höllbacher von der IG Holzkraft, die Interessensvertretung der Betreiber von Ökostromanlagen. Konkret gehe es um sechs bis acht Anlagen, erklärt die Expertin für Bioenergie, genau könne man das aber nicht sagen, weil darüber in der Branche nicht gerne gesprochen werde.

Nur für den Zeitraum Juni bis August gehen Experten davon aus, dass 400 Tonnen durch Ölverbrennung emittiert wurden und rund 10.000 MWh Ökostrom weniger produziert werden konnte.

Damit aber nicht genug: Das Desaster rund um die fehlenden Förderregeln betrifft nämlich alle Betreiber von Erneuerbaren Energien:

So wird es Österreich als wahrscheinlich einziges Land in Europa schaffen, in diesem Jahr um rund ein Drittel weniger Photovoltaik-Anlagen zu installieren als noch im Jahr davor. Und das trotz 100.000-Dächer-Strategie der Bundesregierung. Hier fehlt es an finanziellen Mitteln für die Installierung solcher PV-Anlagen.

"Unklare Zukunft"

Zudem können hunderte Wind- und Kleinwasserkraftanlagen, die das aufwendige Prozedere der Planung und Bewilligung schon abgeschlossen haben, nicht gebaut werden, weil auch dafür kein geeignetes Förderregime vorhanden ist.

„Investitionen in bereits baufertig genehmigte Erneuerbare Energien im Umfang von 1,5 Milliarden Euro blicken auf eine unklare Zukunft“, schreibt der Dachverband für Erneuerbare Energien.

Dort geht man auch davon aus, dass Österreich die Ausbauziele bei den Ökoenergien für 2020 nun nicht mehr erreichen wird.

Was Mandl besonders ärgert: Bei seinen Anlagen, die seit 2006 in Betrieb sind, war schon damals – vor 13 Jahren – klar, dass die Förderung 2019 ausläuft. Dennoch steht er jetzt mit leeren Händen da.

Stillstand droht

Ab 2020 droht gar der völlige Stillstand beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dabei liegen dem Parlament zwei Anträge für eine neue Förderregelung vor – einer von der SPÖ, einer von der ÖVP. Neos-Energiesprecher Sepp Schellhorn bestätigt, dass es laufend Gespräche gibt, man hoffe noch vor der Wahl auf eine Not-Lösung für die Ökostrom-Branche.

Klar ist, dass der Ausbaustopp und die zu geringen Förderungen zudem Kündigungen und einen Stellenabbau in der angeblichen Zukunftsbranche der Erneuerbaren zufolge hat. Auch Biobetreiber Mandl bestätigt, dass er Mitarbeiter kündigen musste. „Ich schreibe derzeit monatlich hohe Verluste und kann nur hoffen, dass es nun rasch sehr kalt wird in Österreich. Liquide bin ich eigentlich nur, weil ich ein drittes Biomassekraftwerk verkaufen konnte. Das wird meines Wissens gerade abgebaut und soll in der Ukraine wieder in Betrieb genommen werden.“