Politik | Inland
30.10.2018

Bild in Drozdas Büro: Gemälde ist wieder im Belvedere

Restauratoren des Belvederes hätten das 19.000-Euro-Werk gleich begutachtet und für in Ordnung befunden.

Die SPÖ hat am Mittwoch jenes ans Bundeskanzleramt verliehene Gemälde an das Belvedere übergeben, das der frühere Kulturminister und nunmehrige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda nach dem Regierungswechsel im Vorjahr in den SPÖ-Klub und danach in die SPÖ-Parteizentrale mitgenommen hatte. Es handelt sich dabei um ein Bild des Künstlers Kurt Kocherscheidt.

Das staatliche Museum war vom Bundeskanzleramt-Generalsekretär Dieter Kandlhofer beauftragt worden, eine Überprüfung des Kunstwerks auf etwaige Beschädigungen durch Restauratoren vornehmen zu lassen. Von Seiten der SPÖ heißt es, die Restauratoren des Museums hätten das Gemälde für in Ordnung befunden haben.

Weitere Gutachten

Zugleich habe auch der von der SPÖ beauftragte Restaurator Otto Hans Ressler den Zustand des Bildes für in Ordnung befunden und ein entsprechendes Gutachten erstellt. Ein weiterer Restaurator wurde vom Bundeskanzleramt mit der Prüfung des 19.000-Euro-Werkes betraut.

Vorhaltungen des Bundeskanzleramtes, wonach Drozda das Bild unrechtmäßig entwendet habe, wies man in der SPÖ-Zentrale zurück: Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer werde sich gegen solche Vorwürfe rechtliche Schritte vorbehalten.

Das Gemälde diente in der SPÖ-Parteizentrale als Foto-Hintergrund für Interviews des neuen Bundesgeschäftsführers. Im Bundeskanzleramt vermutet man eine "unsachgemäße" Behandlung des Bildes, "indem es einfach auf den Boden gestellt wurde".

Protokoll zu "unsachgemäßem Umgang" angefertigt

Das Bundeskanzleramt hat unter dem Titel "Mehrmaliges, unerlaubtes Verbringen von Bundeseigentum und unsachgemäßer Umgang mit dem Werk" ein Protokoll der Causa angefertigt. Laut dieser Darstellung wurde am 26. Juni 2016 zwischen Belvedere und Bundeskanzleramt ein Leihvertrag für die Dauer von fünf Jahren mit Ausstellungsort Bundeskanzleramt abgeschlossen. In der Schlussphase der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ wurde das Belvedere von einer persönlichen Mitarbeiterin Drozdas darüber informiert, dass der Minister eine Leihgabe mit ins Parlament nehmen möchte. Die zuständige Sektion bzw. Abteilung im Bundeskanzleramt wurde darüber nicht in Kenntnis gesetzt, heißt es in der Unterlage.

Als neuer Vertragspartner für die Leihe wurde dem Belvedere am 11. Dezember 2017, wenige Tage vor der Bildung der neuen türkis-blauen Regierung, Mag. Thomas Drozda angekündigt. "Ein neuer Leihvertrag wurde jedoch nie abgeschlossen, der gültige Vertrag mit dem Bundeskanzleramt niemals verändert. Eine direkte Verleihung an Privatpersonen ist nicht möglich. Trotzdem wird das Werk aus dem BKA entwendet", hält das Kanzleramt zur Causa fest. "Es gibt weiterhin einen aufrechten Leihvertrag zwischen dem Belvedere und dem Bundeskanzleramt."

Ob die Übersiedlung des Kunstwerkes von einer auf Kunsttransporte spezialisierten und zertifizierten Spedition durchgeführt und angemessen versichert war, sei weder dem Belvedere noch der zuständigen Sektion im Kanzleramt bekanntgegeben worden. Auch über den Transport in die SPÖ-Parteizentrale im Oktober 2018 wurden Belvedere und die damit befasste Abteilung im Bundeskanzleramt nicht informiert. Dies obwohl der "einzig gültige Vertrag nach wie vor" zwischen Bundeskanzleramt und Belvedere bestehe.

Drozda selbst betonte zuletzt, dass die Übersiedlung des Gemäldes in den SPÖ-Parlamentsklub mit dem Belvedere abgesprochen, der Transport in die Parteizentrale aber ein Fehler gewesen sei, den er bedauere.