Übt harsche Kritik: Andreas Mölzer

© KURIER/Wolfgang Atzenhofer

FPÖ macht gegen EU MOBIL
10/15/2016

"Befinden uns in einer Vorbürgerkriegsphase"

Reportage. FPÖ-Ideologe Andreas Mölzer auf Vortragstour: EU ein "impotenter Eunuch"; nur "Notwehrmodus der Völker" kann EU von innen retten.

von Wolfgang Atzenhofer

"In dieser wunderschönen Stadt war ich noch nie." Bevor der frühere FPÖ-Europaabgeordnete Andreas Mölzer düstere Szenarien über die Zukunft Europas skizziert, schwärmt er über die alte Eisenstadt Steyr (OÖ) und lobt den Fleiß ihrer Bevölkerung. Die schlagende Burschenschaft "Eysn zu Steyr" und der Freiheitliche Akademikerbund haben den FPÖ-Ideologen zum Vortragsabend mit dem Thema "Der EU-Austritt!" geladen.

100 Interessierte, FPÖ-Funktionäre und Sympathisanten füllen Donnerstagabend einen kleinen Hotel-Saal. In lockerer Atmosphäre lassen sich der Referent und die Zuhörer Bier und andere Getränke servieren, bevor es los ging. Auswege aus TTIP, illegaler Masseneinwanderung, der Euro-Krise und dem EU-Regulierungswahn, gibt der Moderator noch als Unterthemen vor.

Mölzer schildert zuerst die schrecklichen Folgen der Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts. Die EU-Kritik eröffnet er mit dem Vergleich mit der Situation vor dem Ersten Weltkrieg. "Man dachte es geht bergauf. Dann brach plötzlich der furchtbare Krieg aus. Es kann immer etwas passieren", mahnt er. "Zu glauben, dass wir heute gescheiter sind als unsere Urgroßeltern, wäre ein schwerer Fehler", versichert er.

"Ära des Chaos"

Dann lässt Mölzer tiefschwarze Wolken aufziehen. Weltweite Überbevölkerung, Klimawandel und ein Gürtel von Bürgerkriegen rund um Europa seien massive Bedrohungen. Ein Wunder, dass Europa noch immer eine Insel des relativen Friedens sei.

"Was uns bevor steht nenne ich die Ära des Chaos", erklärt er. Die EU sei kein Garant für das Friedensprojekt Europa. "Außenpolitisch ist die EU ein Eunuch und impotent", nennt Mölzer als einen Grund. Die Abhängigkeit von den USA als einen weiteren. Die Handlungsunfähigkeit an den Krisenherden in der Ostukraine, im Nahen Osten und Nordafrika, führt er als Beweis an.

Eiertanz um Öxit

Dennoch, wie noch mehrmals an diesem Abend, treibt Mölzer seine EU-Kritik nicht auf die Spitze. Das bei vielen Zuhörern erwartete Ja zum "Öxit" bleibt auch noch in der späteren Diskussion aus.

Dieses Friedensprojekt dürfe man nicht leichtfertig riskieren, "es zu erhalten ist unabdingbar", erklärt der Vortragende. Früher blutig umkämpfte Regionen wie die Alpen-Adria-Region, das Elsass mit dem deutschen Baden-Württemberg oder Schlesien nennt Mölzer als positive Beispiele.

Weiteres Ungemach prophezeit er der EU jedoch wegen des bedenklichen ökonomischen Weges, auf dem sie sich befinde. Neue Milliardenkredite für Griechenland oder die Spannungen zwischen den reichen Ländern im Norden und den armen im Süden seien dramatische Probleme. Deren Lösung traut er den Verantwortlichen an der EU-Spitze nicht zu. Lachhaft sei, so Mölzer, dass zuletzt Österreichs Ex-Kanzler Werner Faymann für den EU-Ratsvorsitz genannt wurde.

Davon gejagt

Dass in ihren Ländern "demokratisch abgewählte und davon gejagte Politiker" in Brüssel Spitzenpositionen bekommen, sei die Regel, behauptet Mölzer. Und geißelt einmal mehr den"unaufhörlichen Regulierungswahn" in Brüssel.

"Der Zenit der Wohlstandgesellschaft ist überschritten", leitet der Herausgeber der deutschnationalen Wochenzeitung "Zur Zeit" seine Kritik an der Asylpolitik der EU und Österreichs ein.

Drei Milliarden Euro müssten im aktuellen Budget der EU für Migranten aufgebrachten werden, behauptet er. Dafür sei Geld da, für Kindergärten in Kärnten gäbe es keines. Soziale Konflikte würden so heraufbeschoren, bestätigt Mölzer in der Diskussion geäußerte Ängste Anwesender: "Eigentlich befinden wir uns in einer Vorbürgerkriegsphase"

Die Rettung der EU von innen sei dennoch möglich, glaubt Mölzer. Starke selbstbewusste Nationalstaaten und "Völker im Notwehrmodus" könnten die EU-Reform in Gang bringen.

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