Politik | Inland
09.08.2018

Hass per Postkarte: Ambros nach FPÖ-Kritik beschimpft

Ambros lehnte die Einladung des FPÖ-Generalsekretärs zu "Gulasch und Bier" ab. Management legt Beschimpfungs-E-Mails offen.

Der Schlagabtausch zwischen der FPÖ und Austro-Pop-Legende Wolfgang Ambros wird immer heftiger. Am Mittwoch meldete sich auch das Management von Ambros zu Wort und setzte sich gegen weitere Angriffe seitens der FPÖ zur Wehr. "Herr Ambros bezog in den letzten 47 Jahren keine einzige staatliche Subvention", so Manager Peter Fröstl in einem offenen Brief an FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Durch "das politische Wirken Ihresgleichen" würden zudem "Hass und Hetze eine Aufschwung erleben".

Ambros spiele "jährlich ca. fünfzig bis achtzig Shows, und diese sind erfreulicherweise zum allergrößten Teil ausverkauft. Herr Ambros versteuert seine Einkünfte in Österreich - und finanziert damit gezwungenermaßen u.a. Leute wie Sie und Ihresgleichen. Seit Jahrzehnten. Soviel zu 'abgehalftert' und Unterstellungen wie 'Staatskünstler'", so Fröstl.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hatte Ambros "viele braune Haufen in der FPÖ" geortet. Ihm werde "Angst und Bange", wenn er daran denke, "was die österreichische Regierung in den nächsten drei Jahren noch so alles anstellen wird". Daraufhin war er - ebenso wie Sängerkollege Rainhard Fendrich - von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker als "abgehalfterte Musiker" bezeichnet worden. Kritik von Künstlern, so Hafenecker, stamme "einzig vonseiten diverser 'Systemgünstlinge', die wohl im fortgeschrittenen Alter um ihre Altersvorsorge in Form von Aufträgen bangen müssen, denn der Lebenswandel in den 70er und 80er Jahren dürfte nicht viel übergelassen haben".

Anschließend hatte Hafenecker Ambros versöhnlich zu Bier und Gulasch eingeladen - eine Einladung, die nicht angenommen wurde. "Den einen Herrn von der FPÖ kenn' ich nicht einmal. Nein, es tut mir leid: Ich geh wirklich gern mit jedem auf ein Bier - mit denen aber nicht", sagte Ambros gegenüber Österreich.

Wüste Beschimpfungen

Sein Manager Peter Fröstl legte dem offenen Brief auch zwei Beispiele von Zusendungen an Ambros - via E-Mail und Postkarte - bei, in denen der Sänger wüst beschimpft ("Verrecken sollst du elendig!") und mit Verschwörungstheorien in Zusammenhang gebracht wird. Man habe die entsprechenden Botschaften an die Meldestelle des Innenministeriums weitergeleitet und hoffe, dass entsprechend reagiert werde.

SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda hatte zuvor bereits in einer Aussendung auf die Aufgabe der Kunst und von Künstlern, "die Gesellschaft zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen" hingewiesen. "Dass die FPÖ damit prinzipiell nicht umgehen kann, ist evident und verweist auf eine problematische einschlägige Tradition." Auch die IG Autorinnen Autoren hatte sich "mit aller Entschiedenheit" hinter Ambros und Fendrich gestellt und die Äußerungen Hafeneckers als "gleichermaßen unappetitlich wie anmaßend" bezeichnet.

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Wolfgang Ambros - Godfather des Austropop

Spricht man über österreichische Popmusik, kommt man an ihm nicht vorbei: Wolfgang Ambros, oft und gerne als Godfather des Austropop bezeichnet, hat im Laufe seiner mehr als 40 Jahre dauernden Karriere die heimische Szene maßgeblich geprägt. Mit dem "Hofa" läutete er Anfang der 1970er-Jahre eine neue Ära ein.

"Zwickt's mi", "Es lebe der Zentralfriedhof", "Die Blume aus dem Gemeindebau": Es gibt wohl auch heute nur wenige Musikenthusiasten, die mit diesen Titeln nichts anfangen können. Ins allgemeine Kulturgut eingegangen, bescheren sie Ambros nicht nur immer noch eine treu ergebene Fanschar.

Mit "Schifoan" schuf er 1979 den leutseligsten Après-Ski-Klassiker zwischen Arlberg und Semmering.

Geboren wurde Wolfgang Ambros am 19. März 1952 als Sohn eines Volksschuldirektors und einer Lehrerin in Pressbaum bei Wien. Dass er kein einfacher Charakter ist, belegte er schon in jungen Jahren, als "Wolferl" wiederholt von der Schule flog.

Dafür landete er später für ein Jahr in London, arbeitete 1971 in einem Plattengeschäft in der Wiener Innenstadt und sang des Abends am Theseustempel im Volksgarten - u.a. "Da Hofa", ein vertontes Gedicht von seinem alten Klassenkameraden Joesi Prokopetz

Es war der Startpunkt einer Karriere, die bis heute - mit einigen Höhen und Tiefen - andauert. 1972 erschien mit "Alles andere zählt net mehr..." die erste Platte und im selben Jahr erblickte die Urversion des "Watzmann" das Licht der Welt, jenes Musicals - oder gern genannt: Rustical -, das als geniale Zusammenarbeit von Ambros, Prokopetz und "Cafe Hawelka"-Bekanntschaft Fredi Tauchen heimische Popgeschichte schrieb. 

Ein definitives Highlight in seiner Laufbahn war Austria 3: Mit Fendrich und Danzer trat er quasi als Triumvirat des Austropop in Erscheinung und wurde von tausenden Fans bejubelt

KONZERT "BEST OF AUSTRIA MEETS CLASSIC": AMBROS

Künstlerisch waren die vergangenen Jahre, die etwa pünktlich zum 60er mit "190352" ein neues Album brachten, von ausgiebigen Konzertreisen, aber auch etlichen Absagen aus gesundheitlichen Gründen geprägt.

2015 wurde Ambros mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, bereits Jahre zuvor wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen des Landes Wien verliehen. 

Rückendeckung von SPÖ und IG Autoren

SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda hatte zuvor bereits in einer Aussendung auf die Aufgabe der Kunst und von Künstlern, "die Gesellschaft zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen" hingewiesen. "Dass die FPÖ damit prinzipiell nicht umgehen kann, ist evident und verweist auf eine problematische einschlägige Tradition."  Drozda ortet auch in Hinblick auf die jüngsten Klagsdrohungen etwa gegen den Autor Josef Winkler - ein diesbezügliches "System" bei der FPÖ. "Auch in diesem Falle sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass Bundeskanzler Kurz und Kulturminister Blümel sich mit klaren Worten vor die angegriffenen KünstlerInnen stellen", forderte Drozda, der sich aber diesbezüglich "keinen Illusionen hingibt".

Auch die IG Autorinnen Autoren hatte sich "mit aller Entschiedenheit" hinter Ambros und Fendrich gestellt und die Äußerungen Hafeneckers als "gleichermaßen unappetitlich wie anmaßend" bezeichnet.