Strache bei einer Pro-Raucher-Demo 

© Kurier/Franz Gruber

Politik Inland
12/06/2019

70 Prozent der FPÖ-Wähler trauen Strache ein Comeback in Wien zu

KURIER-OGM-Umfrage: Soll Strache aus der FPÖ ausgeschlossen werden? In dieser Frage sind sich blaue Wähler uneinig.

von Johanna Hager, Michael Bachner

Der bei seinen Freiheitlichen in Ungnade gefallene Ex-Vizekanzler und frühere Parteichef Heinz-Christian Strache liebäugelt mit einer eigenen Liste für die Wien-Wahl im Jahr 2020.

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM für den KURIER zeigt nun, dass die freiheitliche Wählerschaft nach wie vor hinter ihrem früheren Parteichef steht und ihm durchaus zutraut, mit einer eigenen Liste in Wien Erfolg zu haben. Die Hürde für den Einzug in den Wiener Gemeinderat beträgt 5 Prozent.

Das Ergebnis der OGM-Umfrage zeigt: Eine deutliche Mehrheit, nämlich 70 Prozent der FPÖ-Wähler, glaubt, dass Strache mit einer eigenen Liste bei der Wien-Wahl reüssieren könnte und den Einzug in den Gemeinderat schaffen würde. Aber auch über alle Parteien hinweg sagt die Mehrheit von 51 Prozent, dass ihm der Einzug in den Wiener Landtag gelingen kann.

Zum Vergleich: 35 Prozent der Befragten glauben nicht an sein Comeback, wobei die Ansichten über einen möglichen Erfolg oder Misserfolg Straches über die verschiedenen Wählergruppen hinweg relativ gleich verteilt sind. Zum Beispiel: 50 Prozent der ÖVP-, 49 Prozent der SPÖ- und 51 Prozent der Grünen-Anhänger trauen Strache den theoretischen Wahlerfolg in Wien zu.

Bis es so weit kommen könnte, diskutiert die FPÖ derweil weiter über den Ausschluss Straches. Die Bundespartei plädiert dafür, die Wiener FPÖ wartet auf eine Entscheidung des Parteischiedsgerichts und scheint auf der Bremse zu stehen.

Geht es nach den von OGM befragten Österreichern, so sind jedenfalls 70 Prozent der Ansicht, die FPÖ solle Strache ausschließen, um wieder erfolgreich sein zu können. Nur 17 Prozent sagen, die FPÖ soll ihren Ex-Chef nicht hinauswerfen. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer: "Relevant ist hier vor allem, was die FPÖ-Anhänger sagen. Und hier zeigt sich eigentlich eine Pattstellung zwischen Befürwortern und Gegnern." In Zahlen ausgedrückt: 47 Prozent der FPÖ-Anhänger sind für einen Ausschluss Straches durch die zuständige FPÖ Wien, deren einfaches Mitglied er (noch) ist. 42 Prozent der blauen Wähler sagen, die FPÖ soll ihren langjährigen Frontmann lieber nicht ausschließen.

Derzeit scheint es, als würde der Wunsch jener in Erfüllung gehen, die an Strache festhalten. Denn das Ausschlussverfahren gerät immer mehr zur Farce: Schon mehrmals haben der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer und Klubchef Herbert Kickl sowie alle Länderchefs bis auf das Burgenland die Wiener Landesgruppe zum Ausschluss des früheren Bundesparteiobmannes gedrängt.

Dem Vernehmen nach hat Strache allerdings bis dato noch gar keine Ladung zum Parteischiedsgericht bekommen, das über seinen Verbleib oder Ausschluss beraten soll. Dementsprechend zögert sich die FPÖ-Entscheidung weiter hinaus, obwohl Kickl schon vor einer Woche davon gesprochen hat, dass es sich nur noch um Stunden handeln könne.

Eine Entscheidung ist bereits nach einer Anzeige von Strache in der Causa Ibiza gefallen: Ermittlungen in Deutschland gegen drei Journalisten und zwei Chefredakteure u. a. wegen "Zugänglichmachen von höchstpersönlichen Bildaufnahmen" wurden eingestellt.