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Politik Inland
05/02/2019

12.000 oder 120.000? Fakten und Mythen zur Besucherzahl am 1. Mai

Die Polizei zählt am 1. Mai 12.000 Menschen am Wiener Rathausplatz, die SPÖ spricht vom Zehnfachen.

von Johanna Hager

SPÖ-EU-Spitzenkandidat Andreas Schieder freut sich über die Zahl der Sympathisanten wie Schaulustigen ebenso wie SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. 120.000 Menschen nehmen an der 1. Mai-Kundgebung in Wien teil, heißt es in offiziellen Reden von der Tribüne wie in SPÖ-Aussendungen vom Staatsfeiertag. 12.000 Menschen sind es laut Wiener Polizei, die aus der Luft mittels Hubschrauber die Zählung bei der Schlusskundgebung vornimmt.

Eine Differenz ums Zehnfache?

Die Polizei bleibt auch einen Tag nach der Kundgebung bei ihren Angaben. Die SPÖ Wien sagt auf KURIER-Nachfrage: "Es war immer von 120.000 Teilnehmern an der Maikundgebung die Rede. Das heißt von all jenen, die in ganz Wien, in den Bezirken den 1. Mai begangen haben." Nie habe man explizit nur vom Wiener Rathausplatz gesprochen, immer seien auch jene hinzuzurechnen, "die beispielsweise am Rathausplatz einziehen, dann aber nicht bleiben können, weil sie beispielsweise Schichtarbeiten gehen.“

Auch Rendi-Wagners Vorgänger, Ex-Kanzler Christian Kern, sprach 2018 - an seinem und Michael Häupls letztem 1. Mai in offizieller Funktion - von 120.000 Menschen am Rathausplatz.

Unter Christian Kern sprach SPÖ 2018 erstmals von 120.000 Besuchern

Um abseits von Zahlen der Polizei und der SPÖ als Veranstalter selbst eine Einschätzung über die mögliche Anzahl der Besucher zu erhalten, können sich Interessierte auch auf einer Online-Plattform informieren.

Geht man theoretisch davon aus, dass ein Mensch pro Quadratmeter auf dem Rathausplatz-Areal steht, sind rund 15.000 Menschen vor Ort. Geht man von 2,5 Menschen pro Quadratmeter auf dem Areal aus (siehe Bild), wären es rund 37.000 Personen.

Zum Vergleich: Den Life Ball 2018 am Wiener Rathausplatz besuchten laut Veranstalter 15.000 Menschen. Das Voices for Refugees-Konzert 2015 am Wiener Heldenplatz verzeichnete über 100.000 Besucher.

FPÖ-Bild wird zu Fehlersuchbild

Der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus postete gestern ein Bild von der 1.Mai-Kundgebung. Darauf zu sehen sind türkische Fahnen. Daneben zu lesen: "So feiert die SPÖ den 1. Mai. Viele rote, türkische Fahnen. Wer hat uns schon immer verraten? Richtig, die Sozialdemokraten"  Es dauerte nicht lange, da traten andere Facebook-User den bildhaften Gegenbeweis an. Das Foto, das Gudenus hochgeladen hatte, stammt aus dem Vorjahr. Auf Gudenus' Foto nämlich nicht zu sehen ist das Transparent, das gegenwärtig auf der Rathaus-Front prangt. Stunden später stellt Gudenus auf Facebook einen neuen Fotovergleich an, indem er ein Posting von Michael Raml, FPÖ-Politiker aus Oberösterreich teilt. Ein Foto zeigt die 1. Mai-Feiern der Freiheitlichen im Zelt, das andere Menschen, die mit türkischen Fahnen durch die Stadt gehen. Darüber schreibt Gudenus "So schauts aus."