Koloniales Erbe: Warum es zwei Zypern gibt

200th anniversary of the Greek Revolution
Seit drei Tagen hat Zypern die EU-Ratspräsidentschaft inne – ein Land, das seit 1974 zweigeteilt ist. Der Zypernkonflikt ist Ergebnis britischer Kolonialpolitik, eine Lösung nicht in Sicht.

Fluch und Segen – so lässt sich die Lage der Insel Zypern im Mittelmeer zusammenfassen. Ab der Antike befand sich die Insel unter wechselnder Herrschaft – Römer und Byzantiner, Kreuzfahrer, Osmanen und Briten. Als 1869 der Suezkanal für die Schifffahrt freigegeben wurde und so eine wichtige Route nach Asien entstand, interessierten sich die europäischen Kolonialmächte plötzlich für die Insel. Das Osmanische Reich, zu dem Zypern seit 1570 gehört hatte, sollte die Insel an Großbritannien abtreten. Tatsächlich pachteten die Briten Zypern zunächst, annektierten es jedoch zu Beginn des Ersten Weltkriegs und machten es 1925 offiziell zu einer ihrer Kronkolonien.

Bald formierte sich Widerstand: Die einen wollten Zypern mit Griechenland vereinen; die anderen forderten die Teilung der Insel in einen griechischen und einen türkischen Teil. Der Konflikt mündete in einem bewaffneten Aufstand gegen die britische Kolonialmacht. Die Briten verschärften die Spannungen, indem sie die beiden Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielten und gezielt türkisch-zypriotische Interessen stärkten.

Republik Zypern

Mit der Suezkrise 1956 sank der Einfluss Großbritanniens erheblich. Die USA drängten, den Zypern-Konflikt an der Südostflanke der NATO zu beenden. 1960 wurde Zypern tatsächlich in die Unabhängigkeit entlassen – ohne den inner-zyprischen Konflikt zu lösen. Die Folge: bürgerkriegsähnliche Zustände. 1974 putschten radikale Zyperngriechen gegen die Regierung, um einen Anschluss an das damals diktatorisch regierte Griechenland zu erzwingen. Die Türkei entsandte zum Schutz der Zyperntürken das Militär und eroberte den Nordteil der Insel.

Zwar wurde in der Republik Zypern der Putsch rückabgewickelt, doch die Türkei behielt die Kontrolle im Norden. 1983 erklärte sich im Norden die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ) einseitig für unabhängig; sie wird nur von der Türkei anerkannt.

Daraus ergibt sich die paradoxe Situation, dass völkerrechtlich die ganze Insel zur EU gehört, im nördlichen Teil das EU-Recht aber nicht durchgesetzt werden kann.

Der deutsche Kanzler Friedrich Merz meinte daher, angesprochen auf den EU-Ratsvorsitz Zyperns: Angesichts der geopolitischen Lage gäbe es die Notwendigkeit einer Annäherung zwischen der Türkei und der Europäischen Union. Wir sind gespannt.

Geschichte Zypern

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