Zwei Israelis getötet: Angst vor Eskalation
Die jüngsten Gewaltangriffe auf Israelis haben die Furcht vor einer Eskalation der Spannungen im Nahen Osten geschürt. Die USA und die Europäische Union verurteilten am Montagabend die Messerangriffe radikaler Palästinenser, bei denen zuvor zwei Israelis getötet worden waren. US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte in Washington, die USA bedauerten den "Verlust von Menschenleben" zutiefst. Die Konfliktparteien müssten jede mögliche Maßnahme ergreifen, um Zivilisten zu schützen und die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern abzubauen. Die EU sprach von "furchtbaren Terrorakten". Die Lage könne sich noch verschärfen, wenn sich nicht bald eine "politische Perspektive" auftue, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.
Bei den beiden Messerangriffen waren am Eingang einer israelischen Siedlung im Westjordanland sowie in der bisher von den Spannungen verschonten Metropole Tel Aviv am Montag eine junge Siedlerin und ein Soldat getötet worden.
Der palästinensische Angreifer nahe der Siedlung wurde von einem dortigen Wachmann angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Die Bewegung Islamischer Dschihad erklärte, der Angreifer sei ein Mitglied gewesen. Seine Tat sei die "Antwort" auf den Tod eines arabischen israelischen Bürgers, der am Samstag von Polizisten im Norden Israels erschossen wurde. Der jugendliche Angreifer in Tel Aviv stammt aus einem Flüchtlingslager bei Nablus. Er hatte sein Opfer vor einem Bahnhof in Tel Aviv zunächst lebensgefährlich verletzt, am Abend starb der Soldat im Krankenhaus. Der 17-jährige Angreifer konnte zunächst fliehen, wurde später aber gefasst.
Bei anschließenden Konfrontationen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee wurde am Dienstag zudem ein junger Palästinenser getötet. Nahe dem Al-Arub-Flüchtlingslager nördlich der Stadt Hebron soll der eine "improvisierte Waffe" auf die Soldaten gerichtet haben, sagte eine Armeesprecherin. Diese hätten daraufhin das Feuer eröffnet.
Gegenschlag
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu berief ein Treffen mehrerer Vertreter der Sicherheitskräfte ein. Nach Angaben aus seinem Umfeld forderte er stärkere Sicherheitsvorkehrungen sowie die Zerstörung von "Häusern von Terroristen". Zwischen Israelis und Palästinensern gibt es derzeit wieder verstärkt Spannungen, die sich lange auf den von Israel besetzten arabischen Ostteil Jerusalems konzentriert hatten. Zuletzt griffen die Auseinandersetzungen aber auf andere Gebiete über.
Die jüngste Gewalt dürfte auch das Gedenken der Palästinenser an ihren verstorbenen Präsidenten Yasser Arafat am Dienstag überschatten. Anlässlich des zehnten Todestages sind Gedenkfeiern im Westjordanland geplant. Die im Gazastreifen geplante Feier war kürzlich aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.
Stationen in Arafats Leben:
UNO untersucht
Die UNO begann unterdessen mit der Untersuchung von israelischen Luftangriffen auf UNO-Einrichtungen während des Gaza-Kriegs im Sommer. Generalsekretär Ban beauftragte ein fünfköpfiges Gremium mit der Aufgabe, zum Leiter der Untersuchung bestimmte er den früheren niederländischen General Patrick Cammaert. Bei den Angriffen waren zwischen Anfang Juli und Ende August zahlreiche Palästinenser getötet worden, die in den UNO-Gebäuden Zuflucht gesucht hatten.
Israel hatte der radikalislamischen Hamas vorgeworfen, in den Gebäuden, darunter in Schulen, Waffen zu verstecken und so die Angriffe zu provozieren. Auch das ist nun Bestandteil der UN-Untersuchung.
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