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Politik Ausland
09/02/2021

Wenn Putin in Geschichte patzt - und ein Schüler ihn korrigiert

Der russische Präsident verweist gerne auf die Geschichte seines Landes - und ist darin doch nicht ganz sattelfest.

von Konrad Kramar

Russlands Präsident Wladimir Putin wird nicht umsonst oft als neuer Zar bezeichnet, liebt der ehemalige KGB-Spion doch den Verweis auf die Geschichte und belehrt auch seine Amtskollegen über die Rolle Russlands, etwa in der Ukraine. Doch in der durchaus komplizierten Geschichte Russlands und seiner Herrscher kann sich auch der neue Zar einmal verlaufen, wie ein Besuch Putins in einer Schule bewies. 

Der Präsident musste sich bei einer Gesprächsrunde mit Gymnasiasten in Wladiwostok von einem Schüler berichtigen lassen. Peter der Große (1675-1725) habe nicht im Siebenjährigen Krieg gekämpft, sondern im Großen Nordischen Krieg gegen Schweden, der 21 Jahre gedauert habe, sagte der Junge, dem die Korrektur sichtlich unangenehm war, dem Kremlchef.

Den Siebenjährigen Krieg, übrigens an der Seite Österreichs, bestritt Zarin Elisabeth dreißig Jahre später.

"Korrektürchen"

Zwar bedankte sich Putin für das „Korrektürchen“. Doch die Direktorin rügte den Schüler für eine „gewisse Dreistheit“, wie Medien berichteten.
Kremlkritische Medien und die Opposition feierten den Mut des Schülers. Der Kommentator Michail Fischman meinte, erstmals wage es jemand, dem Präsidenten zu sagen, dass er nicht recht habe. Kira Jarmysch, die Sprecherin des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny, kritisierte die Lehrerin, die offenbar der Meinung sei, dass „Schule nicht Fakten lehrt, sondern Ergebenheit und Kriecherei“.

Aufregung zu Schulbeginn

Die Aufregung um den Fall vom 1. September, dem Tag des landesweiten Schulbeginns in Russland, war so groß, dass Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag die Wogen glättete und den Schüler als „Molodez“ - zu Deutsch: „Prachtkerl“ - bezeichnete. „Das ist gar keine Frechheit. Wir sind kategorisch nicht einverstanden mit der Direktorin der Schule.“ Peskow äußerte die Hoffnung, dass der Junge an der Schule nicht weiter Ärger bekomme. Putin, der ja in dem von Peter dem Großen erbauten St. Petersburg politisch groß geworden ist, hatte dem nichts mehr hinzuzufügen.
 

 

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