Politik | Ausland
05.09.2017

Vor der Wahl: Merkel gegen Rente mit 70

Ökonomen halten das Wahlversprechen für nicht tragfähig und auch in der eigenen Partei gibt es Gegner.

Nicht einmal bei der Renten-Debatte konnte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz punkten. Die deutsche Kanzlerin wolle die Rente mit 70 einführen, so sein Vorwurf im einzigen TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten am Sonntag. Stimmt nicht, glaubt man Angela Merkels Angaben. Das Rentenantrittsalter bleibe unter ihrer Kanzlerschaft bei 67 Jahren. Experten halten das für fahrlässig, eine Altersvorsorge sei so nicht lange finanzierbar.

Für Michael Hüther, Präsident des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), mag das laut Düsseldorfer Rheinischen Post "zwar wahltaktisch erfolgreich sein, nicht aber langfristig für die deutsche Gesellschaft".

"Die demografische Entwicklung, die verlängerte Lebenszeit, machen ein späteres Renteneintrittsalter notwendig", argumentierte auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ( DIW), Marcel Fratzscher, in der Südwestpresse und der Märkischen Oderzeitung.

Von Gewerkschaftsvertretern kommt – wenig überraschend – Rückhalt für die deutsche Kanzlerin. Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte zur Passauer Neuen Presse: "Frau Merkel hat der Rente mit 70 eine klare Absage erteilt."

Auch in den eigenen Reihen gibt es laut der Süddeutschen Zeitung nicht nur Fürsprecher. Nicht zuletzt Wolfgang Schäuble – selbst 75 – denkt in der Causa anders. Außerdem sind da noch Carsten Linnemann, der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU, des Wirtschaftsflügels der Union und EU-Kommissar Günther Oettinger. Schon 2015 sprach sich außerdem der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, für 70 Jahre als neue Altersgrenze für die Pension in Deutschland aus.