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Politik Ausland
09/07/2020

Verschwundene Oppositionelle in Belarus: Familie erstattet Anzeige

Maria Kolesnikowa, eine der wichtigsten Regimekritikerinnen in Weißrussland, soll entführt worden sein. Der Druck auf die Führung steigt.

Auch Stunden nach ihrem Verschwinden herrscht weiter Unklarheit über das Schicksal der Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa in Belarus (Weißrussland). Familienangehörige gaben eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf, wie das Team des Ex-Bankenchefs Viktor Babariko am Montagabend mitteilte.

Die 38-Jährige arbeitete bis zu ihrem Verschwinden für den inhaftierten Oppositionellen, der gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko kandidieren wollte, aber nicht durfte.

Seit Montagvormittag gab es nach Angaben der Opposition zunächst kein Lebenszeichen von ihr. Nach Einschätzung des Koordinierungsrates der Demokratiebewegung, dem sie angehört, ist Kolesnikowa zusammen mit ihrem Mitarbeiter Iwan Krawzow und ihrem Sprecher Anton Rodnenkow im Zentrum der Hauptstadt Minsk von Unbekannten entführt worden. Das Innenministerium teilte mit, es habe Kolesnikowa nicht festgenommen. Der Rat forderte die sofortige Freilassung.

Lukaschenko geht seit Tagen gegen den Koordinierungsrat vor und ließ mehrere Mitglieder festnehmen. Der Rat will einen friedlichen Machtübergang durch Dialog erreichen. Kolesnikowa ist eine der wichtigsten Oppositionellen, die sich gegen Lukaschenko stellen.

Nach ihrer mutmaßlichen Festnahme steigt der Druck auf den Diktator erneut. EU-Außenbeauftragter Josep Borrell forderte die Behörden in Minsk auf, politische Gegner „unverzüglich freizulassen“. Die EU erwarte „die sofortige Freilassung aller Personen, die vor und nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen am 9. August aus politischen Gründen inhaftiert wurden“, so Borrell am Montag.

Litauens Außenminister Linas Linkevicius forderte von der Staatsführung in Minsk die sofortige Freilassung von Kolesnikowa.

EU ist besorgt

Die 37-Jährige verschwand nur einen Tag nach einer neuen Großdemonstration gegen den Präsidenten, den Kritiker „Europas letzten Diktator“ nennen. Dabei gingen Beobachtern zufolge rund 100.000 Menschen auf die Straße - darunter die Oppositionspolitikerin. Sie lebte viele Jahre in Stuttgart und managte dort Kulturprojekte.

Seit mehr als vier Wochen kommt es in Belarus zu Protesten gegen Lukaschenko. Hintergrund ist die Präsidentenwahl, bei der er sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären ließ. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja, die sich im Exil in Litauen aufhält, für die wahre Siegerin. Die Abstimmung steht international als grob gefälscht in der Kritik.

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