© APA/AFP/Venezuelan Presidency/MARCELO GARCIA

Politik Ausland
02/04/2019

Venezuela in der Krise: Nun soll der Papst Maduro helfen

Interimspräsident Juan Guaidó hofft darauf, "dass Europa schlagkräftiger wird".

Er handle mit seinem politischen Einsatz "im Dienst Christi", erkärte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro im Interview mit dem italienischen TV-Sender Sky Tg 24. Doch zur Sicherheit hat er in einem Brief nun auch noch den Papst gebeten, sich um eine Lösung der Krise in Venezuela zu bemühen. "Ich bitte den Papst, sich einzusetzen, um uns auf dem Weg des Dialogs zu helfen. Wir hoffen auf eine positive Antwort", sagte Maduro.

Während der entmachtete Staatschef auf kirchlichen Beistand hofft, fordert der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó Unterstützung von der EU. Die Union hatte Maduro aufgefordert, bis spätestens Sonntag eine Präsidentenwahl auszurufen. Als der daraufhin trotzig reagierte ("Uns interessiert nicht, was Europa sagt") und die Frist vertreichen ließ, erkannten mehrere EU-Staaten - darunter auch Österreich - Guaidó am Montag als Interimspräsidenten an. 

"Venezuela blutet aus"

Guaidó berichtete daraufhin in einem Interview mit dem Magazin profil von einem Signal an jene Venezolaner, "die durchhalten, obwohl der Kampf sehr brutal war". Bisher sei es schwierig gewesen, Europa auf die Krise Venezuelas aufmerksam zu machen."Venezuela blutet aus, weil die Menschen wegen Mangel an Essen und Medizin scharenweise das Land verlassen", sagte er. Vonseiten der EU erhofft er sich schärfere Sanktionen gegen die Regierung Maduro. "Es gibt Zweifel in Europa, ob die Sanktionen effektiv waren oder nicht. Ich denke, der jetzige Prozess zeigt, dass sie sehr nützlich waren", erklärte er. Und: "Ich hoffe mit jedem Tag mehr darauf, dass Europa schlagkräftiger wird".

Doch auch in Europa stehen nicht alle auf der Seite des Interimspräsidenten. So weigert sich etwa die italienische Regierung den Oppositionellen Guaidó als Übergangspräsidenten anzuerkennen. Auch der ehemalige UNO-Berichterstatter Jean Ziegler Guaidós Aufstieg kritisch. "Es ist haargenau die gleiche Strategie wie 1973 gegen das demokratische Chile: Die USA wollen mit einem mörderischen Wirtschaftskrieg die Regierung stürzen, um in Venezuela ans Erdöl zu gelangen", sagte er im Interview mit der Schweizer Tageszeitung Blick.

Guaidó-Kritik aus Europa

Parlamentspräsident Guaidó hatte sich vor eineinhalb Wochen zum Übergangs-Staatsoberhaupt erklärt, nachdem die von der Opposition dominierte und entmachtete venezolanische Nationalversammlung die Wiederwahl von Maduro zum Präsidenten für ungültig befunden hatte. Auch hierbei widerspricht Ziegler: Der amtierende Präsident Maduro sei 2018 in fairen und von der UNO überwachten Wahlen zum Präsidenten gewählt worden, gegen ihn laufe im Westen eine "unglaubliche Diffamierungskampagne".

Und auch Russland hat die Entscheidung mehrerer EU-Staaten, Guaidó als Interimspräsidenten anzuerkennen, scharf kritisiert. Die Versuche, "die gesetzeswidrige Machtergreifung" zu legitimieren, seien eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag.

Venezuela befindet sich seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Obwohl das Land über die größten bekannten Erdölreserven weltweit verfügt, fehlen Lebensmittel und Medikamente. Die Hyperinflation macht Bargeld faktisch wertlos. Etwa drei Millionen Menschen sind bereits ins Ausland geflüchtet.

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